Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Article
- Beilage zu Nr. 9
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal additional
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4864325-6028963-6074098-6074099--0793-4864949- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sc wir sprechen direkt oder ind nnilen. Zugleich entsteht e wältigen Kräften und Massen ausschweifendste Phantasie früherer Jahrhunderte' sich kaum eine Vorstellung gemacht hat. Zeit und Kaum scheinen überbrückt, vir liieren mit der Gehwindigkeit des Windes durch ganze Welttheile. rekt mit unseren Anti ne mächtige, mit bearbeitende, unzählige Menschen beschäftigende und' ungeheure Werthe trixlncircnde Industrie, damit aber eine ins Ungeinesscne gesteigerte Konkurrenz auf allen Gebieten. ■ Ein junger Wcltthcm Amerika, tritt mit -einer rastlosen Thätigkeit. mit steinen uneropllichen Hilfs(|iieHen in den Wettbewerb •der alten' Welt und .droht sie auf vielen Ge ■ ten zu 'überflügeln, l ud der Einzelne sowohl ganze Nationen sehen sieh zu stark vermehrten strengungen im Kampfe um ihrDasein genöthigt. Vber damit nicht genug' Unter den rasch ver- .- uischenden Stürmen der Revolution entwickelt h der Nationalitätsgcdanke bei den verschiedenen Nationen, .und-das Streben nach Einheit der in iger Zerrissenheit schmachtenden Völker wird Julien, und Deutschland zur treibenden Macht, Nie die Gemüther andauernd erregt. Gewältige k.impfe, unerhörte Kriege und Siege, politische , nnvälzungcn bedeutendster Art sind die Folge; eine allgemeine Verschiebung derwirksamen polnischen und socialen Mächte, aber auch gcattige finanzielle und industrielle Handelskrisen mit ihren verderblichen Folgen treten ein. Dazu! -mmt das rapide Anjwachsen der Grosstädte mit .dien seinen schlimmen Einwirkungen, die Schaltung grosser von •Proletarijem erfüllten Tentren der Industrie, das Auftreten ganz neuer socialistisciier Gedanken, die allesj Bestehende umzustossen drohen und 'die Köpfe, der Massen verwirken, leflem Denkenden wird es einleuchten, dass alle diese Geschehnisse ehien mächtigen Kindruck auf das Nervensystems nicht verfehlen und dass sie «lasselbe unter den Mitlebenden in weiter Ausdehnung schädigen können, dass diese Einwirkung eine sehr sichtbare und dass die Menschheit mehr oder weniger nervös geworden ist, dass Nervenleiden im Allgemeinen und in viel grosserer Häufigkeit auftreten als früher.41 Stehen wir Juden schon im-Allgemeinen untej diesen aufregenden Einflüssen, so kommt für uns jmch ein sehr wichtiges Moment hinzu, dass die überaus weite Verbreitung der Nervenleiden bei uns ge/eitigt hat und dauernd anhält Das liegt in dem üöDOjährigcn Martyrium, «las die Juden aller Länder, aller Welten haben über sich ergehen lassen müssen. Ein ergreifen«les Mild dieser Leiden giebt H 0 p p e1): „Unzweifelhaft haben die ') UoppiB' Seite 07 und 58. tausendjährigen Verfolgungen die Nerv«\sftät hervorgerufen, an welcher die Juden zu leiden haben. Es ist ja bekannt, dass die Gesundheit des Nerven- . systems durch nichts so sehr erschüttert. und aufgerieben wird, als durch anhaftende Plakereien * und Sorgen, Druck und Noth, Schrecken und . Bitternisse: das aber haben die Juden zahlreiche Generationen hindurch in reichlichstem Masse ■ * - * ■ .. . durchzukosten gehabt. Gehetzt . und-' verfolgt mussten sie mit erbärmlichen <Quartieren vorlieb. », nehmen und froh sein, wenn sie gelitten wurden und ruhig ihrem Erwerbe nachgehen" durften, immer gewärtig aufgestört und vertrieben, zu werden und den Wanderstab ergreifen zu müssen, um in fremden Orten oder gar in fremden Landern sich durch ihre Betriebsamkeit eine neue Existenz« ' zu gründen; immer'scheu und unsicher, immer in Furcht vor Plünderung und in fortwährender - Angst, dass sie von der fanatischen durch Hass, Neid und Aberglauben aufgestachelten Volksmenge ihres mühsam erworbenen Vermögens oder des Lebens-1 beraubt würden. Ich brauche nur auf die •Zeiten voll Jammer und Elend, auf die Greuel- . und Schrcckensscehen, auf die schwere Bedrückung und Verfolgung bis auf die heutigen Tage hinzuweisen, umes verständlich zü machen, wie ■ solche Zeiten auf Seele und Gcmüth w irken .müssen, besonders wenn sie länger von Dauer, und- «icjij häufig wiederholen. Und dazu die dumpfe Ver-* zweiflung und .der ohnmächtige Ingrimm über die schändlichen Verfolgungen und-die unschuldig , erlittene Schmach und Unbill. Und ,auch, heute mich sind diese schädlichen Einflüsse ' auf. .das Nervensystem nicht geschwunden, in de.n östlichen - Ländern n< >ch in starkem Maasse vorhanden- Immer noch hat der Jude unter Anfeindungen, Einschränkungen und Zurücksetzungen zu. leiden, immer noch ist er vielfach an der freien Entwicklung seiner Kräfte gehindert, .'immer noch" Sind ihm zahlreiche Berufe so gut wie. Versptirrt, indem ihm der Eintritt oder das Vorwärtskommen. ' in denselben unmöglich gemacht wird,: immer -' n<>eh ist er fast ausschliesslich auf die Ausübung '-. der vorzugsweise den Geist anstrengenden kauf-, männischen Berufe angewiesen., l'nd so wird-.' dann die von den Vätern ererbte Nervosität.durch diej Erschwerung des Daseins und durch, die Verbitterung, welche die gedrückte Lage, die ver- ,i/litlichc Behandlung und die gesellschaftliche Isolierung erzeugt, noch heut zu Tage linternalten, genährt und gesteigert." Dazu kommen noch zwei w ichtige Momente,' welche auf die nervöse ' Veranlagung -steigernd verderblich gewirkt haben und noch fortdauernd wirken, das Stadtleben und die Inzucht „Zu dem — 67 —