Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Date
- 1904-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Eingänge und alles einschlägigen Materials. Wir sind ein Machtfaktor geworden, mit dem die Judenheit bei allen Maassnahmen znm Wohle der Gesammtheit unserer Glaubensgenossen rechnen muss und bei unserer Bereitwilligkeit, für die Gesammtheit einzutreten, rechnen kann. Unser Bund hat in allen Welttheilen Stätten, die an den gleichen Aufgaben arbeiten, uns steht eine grosse Zahl willfähriger Menschen in Amerika und Asien zur Verfügung, die die Vertheilung und Versorgung der Einwanderer übernehmen können. Das ist das Grossartige in unserem Orden, dass ein auftauchender Gedanke mit Blitzesschnelle durch den ganzen Orden geht, ein nntliwendig gewordenes Zielobjekt in allen Logen gleiches Verständniss findet, alle Brüder zur werkthätigen Hilfe heranzieht. — Der Hilfsverein hat reiche Mittel, weiss sich auch solche leichter zu verschalten. Die reichen Glaubensgenossen sind mehr geneigt dem Hilfsvefein ihre Spenden zu geben, weil allgemein bekannte und hochangesehene Männer an dessen Spitze stehen. Auch wir geniessen grosses Ansehen und Vertrauen, sind aber immer noch homines novi, wir rekrutiren uns aus dem Mittelstande trotz des fast 25 jährigen Bestehens. Und doch hat dieser tüchtige Mittelstand in dieser Zeit viel Grösses geleistet ohne den Beistand der Geistes- und Finanzgrössen. Andererseits sind wir in unseren Mitteln beschränkt, können nicht so sehr viel aufbringen, müssen unsere Mittel auch für andere ebenso uothwendige Zwecke aufwenden. Parum «müssen der Hilfsverein und wir uns ergänzen.. Wir all 1 e i n können so bedeutende und umfassende Wohlfahrtspröbleme nicht übernehmen und nicht ausführen, weil unsere Mittel nicht ausreichen, und weil wir auch eine Mission für die Glaubensgenossen in unserem eigenen Vaterlande auf uns genommen haben. Wir dütfen unsere Mittel nicht zersplittern. Wir sehen in der Anregung zu guten, heilsamen Werken schon ein wichtiges Moment socialer Fürsorge. Aber der Hilfsverein kann es a 11 e i n ebenfalls nicht, weil ihm die Kräfte fehlen; darum sind wir Beide aufeinander angewiesen, -j— Das ist eine der schönsten Errungenschaften der modernein Judenfrage,' dass sich in unserem Vaterlande zwei bedeutende Verbände zu gemeinsamer Thätigkeit iu voller gegenseitiger Würdigung zusammengeschlossen haben. Das sollte die Parole für die gesanimte Judenheit sein. Mit Stolzer Freude und Befriedigung sehen wir Anhänger des Ordens das längst ersehnte Ziel der Vereinigung aller jüdischen Wohlfahrtseimichtungeu aller Welten seiner Verwirklichung entgegenreifen. Das ist in Frankfurt zur That geworden. Die Konferenz, die von Delegirten aus ganz Europa beschickt wurde, der von Amerika Zustimmung gegeben und Mitwirkung zugesichert wurden, hat der (jrrossloge und dem Hilfsverein den Auftrag ertheilt, gemeinsam die Organisation zur j Ausführung zu bringen und hat den Beschluss gefasst, periodische Konferenzen für das Wohl der osteuropäischen Juden abzuhalten. Dieser Gedanke ist zuerst auf der Convention in Chicago ausgesprochen worden. Unser Br. B er gel hat diese allein richtige, allein Erfolg versprechende Idee überall propagiert, ausgestaltet, für sie auf allen Konferenzen gewirkt, unermüdlich an ihr festgehalten, wofür ihm die ganze Judenheit zu grossem Dank verpflichtet ist. Es ist nicht nur ein Zug der Zeit, grosse, umfassende Vereinigungen zu schaffen, und deren Verbindung anzustreben, dieser Zug der Zeit ist eine natürliche Erscheinung, eine natürliche Folge aller Bestrebungen auf socialem Gebiete, wenn sie etwas wirklich Erspriessliches leisten wollen, und ist eine N a.t u r n o t h w e n d i g k e i t, die mehr und mehr sich Geltung verschallt hat. Aus dem Protokoll der 147. Ausschuss- Sitzung. Berlin, den 12 Dezember 1904. Br. Timendorfer verliest das Referat, das über die Konferenz erstattet worden, die seitens des „Hilfsvereins der Deutschen Jaden" und der '„Grossloge für Deutschland II. 0. B. B." auf den 4. und 5. Dezember nach Frankfurt a. M. zum Zwecke der Schaffung' einer Organisation für die Osteuropäische Auswanderung berufen wurde. Br. Timendorfer fühlt folgendes aus: Alle grossen jüdischen Organisationen sowie eine Anzahl Privatpersonen, die für die Lösung der in Betracht kommenden Fragen besonders kompetent sind, waren eingeladen worden. Es waren vertreten: Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Oesterreich, Rumänien, Russland und die Schweiz. Am Sonntag Abend fand die. Regelung der Vorfragen, so die Wahl des Präsidiums statt. - *T&j wurden in das Präsidium berufen: i. v- James Simon, Berlin, für den Hilfsverein der , . Deutschen Juden, '*•'.', J u s t i z r a tJT imendorferr Berlin, für die Grossloge für Deutschland U. 0, B. B.. Direktor Dr.. B a e r w ald , Frankfurt a. M., für die Alliance israölite universelle, Charles L> Hallgarten, Frankfurt a. M., für das Frankfurter Lokalcomite, .1 i . Hermann Landau, London, für die Anglo-Jewish * Association, - W i 1 h e«l m P a p p e n h e i m; Wien, für die Israelitische Allianz Wien. Rechtsanwalt Dr. Bo d e n b e i in e r , Köln, für das zionistische Aktionsconaitej Dr. Mark W a r s c h a w s. k y., Petersburg, Advokat Dr. Stern, Bukarest, Prof. D. Simonsen, Kopenhagen. '. Es wurde dai auf Hei m Dr.- Paul Nathan vom Hilfsvereiu der Deutschen Juden das Wort eiteilt zum Referat über „Die jüdische Auswandeiung aas- Osteuropa und ihre Organisation1. An die Ausführungen des Referenten schloss sich am Montag eine überaus, lebhafte und eingehende Debatte, in der allseitig anerkannt wurde, dass ün Interesse der Juden Osteuropas eine Organisation der Auswanderung geschaffen werden müsse. Es wurde zugleich hervorgehoben, dass in keiner Weise Maassregeln ergriffen werden dürfen, die geeignet sind, eine Steigerung der Auswanderung herbeizuführen. Die Auswanderer haben insbesondere nicht auf Geldunterstützungen seitens des Comites zu. 'rechnen. Die positive Aufgabe der zu schaffenden Organisation, muss es vielmehr sein, die Auswanderer über die Vorbedingungen aufzuklären, unter denen allein ein Verlassen ihrei osteuropäischen Heimat rathsam ist. Es soll den Auswanderern alsdann auf ihrer Reise Rechtsschutz gewährt" werden und es soll lür eine möglichst billige und gute Fahrt auf den Eisenhahnen und