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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-12-01 · Nr. 9 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 9 - Dezember
Date
1904-12-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 102 — Humanität der betreifenden Länder selbst zu erzielen ist, hat der Hilfsverein der politischen Lage der Juden in den betreffenden Ländern seine allergrößte Aufmerksamkeit geschenkt. Durch Sammeln und Vei öffentlichen von authentischem Material über die ökonomische, geistige und gesetzliche Lage der östlichen Jaden, sucht der Hilfsverein das Interesse der öffentlichen Meinung der civilisirten Welt für das trauijge Los der östlichen Juden wachzurufen. Auch hierdurch sind schon manche Erfolge erzielt. Es istj bekannt, dass ba'd nach der entsetzlichen Katastrophe von Kischinew der Hilfsvereiu sofort in Aktiun getreten ist, nicht nur durch einen Aufruf zur Geldsammlung, •sondern dasS er unsern Br. B e r g e 1 nach der Unglücksstätte gesandt hat, um sich bestens über die Lage der dortigen Glaubensgenossen und die zweckmässige Alt der Verwendung der Hilfsmittel zu informieien. Die dai auf einberufene Conferenz von Delegaten aller Länder hat eine planmässige. richtige Vertheilung der eingesammelten Gelder zu Stande gebracht. In Följge des russisch-jap mischen Krieges ist die Noth der russischen Juden aufs Höchste gestiegen, die Auswanderung hat enorme Dimensionen angenommen, in plan- und regelloser Weise geht sie vor sich. Die Auswanderer werden von gewissenlosen! Agenten ausgebeutet, entbehren auf der Fahrt zu Lande und, zu Schiff jeden Schutzes. Da ist der Hilfsvereiu mit einein; vollständigen OrganL-ationsplan für die Auswanderung! hervorgetreten. Auch unsere Grois-Loge hatte bereits im Frühjahr sich mit einem identischen Flau, den Br. Simon aus Hannover nach eigener Anschauung in Amerika aufgestellt hatte, beschäftigt. Bei der giossen Schwierigkeit der Mateiie und bei der Eigenartigkeit der Verfassung konnte die Ausführung nicht gleich in die Hand genommen werden. Der Hilfsvereiu konnte wegen seiner einfachen Organisation die Ausführung der Auswanderungsangelegenheit leicht bewerkstelligen. Nichts desto webiger -war ihm unsere Mithülfe sehr erwünscht, weil er die ganze Siehe nicht allein übernehmen wollte und konnte. Schon bei früheren Angelegenheiten in Sachen | der osteuropäischen Juden sind wir mit ihm in Verbindung getreten und haben gemeinsam für das Wohl derselben gearbeitet. Unser Grossprä»ident ist ständiges Mitglied des Ausschusses des .Hilfsvereins, die galizische Kommission ist gebildet worden, in 3er mehrere Brüder sitzen. Durch diel neueste Aktion, die der Konferenz in Frankfurt vom 4. und 5. Dezember ist die Gemeinschaft beider Körperschaften eine fester geschlossene geworden dadurch, dass die Konferenz beauftragt die Gross-Loge und den Hilfsverein gemeinsam hat, die Auswanderung zu überwachen, zu leiten und zu regeln. Zu dem Zweck ist ein Bureau mit dem Sitz in Berlin unter Leitung der BBn Timendorfer und Bergel und der Herren Dr. Nathan und Dr. Elstädter vom Hilfsverein errichtet worden. Aus all dem ist ersichtlich, dass der Hilfsverein in Bezug auf die Wohlfahrtsbestrebungen für die osteuropäischen Juden und auf die Art der Hilfeleistüng dieselbe Richtung verfolgt, die wir seit 1898 in der gemeinsamen Konferenz der österreichischen und deutschen Gross-Loge in Prag angegeben und unausgesetzt verfolgt haben. Wir können es ohne üeberhebung far uns in Anspruch nehmen, dass wir das Rettungswerk, wenn auch zunächst für Galizien inaugurirt und die gesammte) Judenbeit dafür aufgerufen haben. Das ist auch auf der Convention in Chicago 1900 ganz klar in die Erscheinung getreten, wo Br. B e r g e 1 unsere Gross-Loge wirksam vertreten und dahin gewirkt hat, dass die amerikanischen Brüder an dem Retjungs werk sich zu betheiligen feierlich erklärt haben. Auch ist das Executiv-Comite sofoit ans Werk gegangen, indem der damalige Ordenspräsident Br. Leo N. Levy einen vollständigen Vertheilungsplan für die jüdischen Einwanderer aufgestellt, und die amerikanischen Logen zur Ausführung des Planes herangezogen hat. Der gesammte Orden in allen Welttheilen ist für diese Frage interessiert und wird niemals aufhören das Loos der Auswanderer besser-zu gestalten, die unglücklichen Glaubensgenossen, die ihr Vaterland wegen Noth und Bedrückung zu verlassen gezwungen sind; zu stützen, in gute, gesunde, freie Lebensbedingungen zu bringen. — Wenn nun der Hilfsverein in späterer Zeit mit denselben Intentionen aufgetreten ist, so kanu uns dies nur mit Freude und Genugthuung erfüllen, denn wir .sehen, diss unsere Bestrebungen anerkannt und gleiche Kräfte in unserem Vaterlahde ausgelöst haben, dass unser damaliger Appell an die gesammte Judenheit nicht ergebnisslos verhallt ist, vielmehr einen lebhaften Wiederhall gefunden hat, dass Männer von hochherziger Gesinnung von derselben Idee erfüllt und von demselben Arbeitseifer beseelt sind Darum begrüssen wir den Hilfsverein als Bundesgenossen, als wackeren, einsichtigen Mitarbeiter auf diesem schwierigen Gebiete, wo die Arbeitskraft einer Institution nicht ausreicht, und wir sehen in seiner Mitarbeit eine um so sicherere Gewähr für das endliche Gelingen dieser für das wirthschai»- liche und geistige Emporkommen der osteuropäischen Juden so segensreiche Thätigkeit, als die. die Arbeit tragenden Kräfte die Notwendigkeit einer gemeinsamen Arbeit voll und ganz zu würdigen wissen. . •■ - Auch bei unseren Brüdern herrscht das einmüthige Bestreben, mit dem Hilfsverein Hmd in Hanl zu gehen. Uns liegt jede Eifersüchtelei fern; wir wollen die gute Thät fördern helfen» und das Bewusstsein, den Hilfsverein an unserer Seite zu sehen, stärkt auch in unseren Reihen den Willen und die Thalkraft. Auch uns muss viel daran liegen, dass der Hilfsver ein sich ausbreitet, und ihm eine grosse Zahl Mitglieder zugeführt werde. Stark wie wir sind, kann es uns nicht gleichgültig sein, ob wir mit einer starken oder schwachen Vereinigung verbunden sind, zwischen uns darf kein Uebergewicht aufkommen. Wir stehen Beide auf nationalem Boden und sehen es als einen grossen Vorzug an, dass wir als solche leichter ZuTritt zu den Behörden haben, mit ihnen Fühlung suchen und unterhalten 'können, und die massgebenden Faktoren der Regierung viel eher geneigt sind, nationalen Verbänden Entgegenkommen für etwaige Wünsche zu bringen als einer internationalen Vereinigung. Unser Beider Tendenz ist es, die deutschen Juden für das Hilfswerk zusammenzufassen, aus deutschem Geist heraus zu helfen und zu retten, damit auch unserem Vaterlande einen guten Dienst zu erweisen. — Wir haben noch manche anderen gemeinsamen Berührungspunkte, und es hat sich eine Uebereinfflimraung der Grundanschauungen ergeben, welche das Zusamnenaibeiten wesentlich erleichtert und fördert. Und diese Gemeinsamkeit der Arbeit wird nicht nur durch die dabei betheiligten Personen, sondern mehr noch durch gemeinsame Berathungen zum Ausdruck kommen. Das ist unerlässlich, dass der aus beiden Körperschaften gebildete Ausschuss periodisch Sitzungen hält zur Prüfung der

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