Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-12-01 · Nr. 9 - Dezember · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 9 - Dezember
Date
1904-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4864325-6028963-6074098--0776-4864933
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

BERLIN, im Dezember 1904. No. 9. Bericht der Grossloge für U. O. B. B. Nachdruck sämmtlicber Artikel aus diesen Berichten verboten. r- ■■. ■ . ■' ■ ,'. '» : .;• 1 I ' 1 ■ Fernsprecher: D. Wolff, VI, No. 4619* Wilhelmstrasse 118. Grossloge für Deutschland VIII U. 0. B. B. Entgegen unserem wiederholten Ersuchen, wird unser Präsident Br. Timeudürfer. in immer sich steigerndem Maasse persönlich und brieflich mit Anliegen in Anspruch genommen, sodass er ausser Stände ist, den so vielfachen Wünschen die erforderliche Aufmerksamkeit zuzuwenden. Demzufolge ersuchen wir nochmals'die ward. Logen und Brüder, etwaige Anliegen im Bureiu der Grossloge, zu Händen unseres Secretärs Br. D. Wolff, Wilhelmstrasse 118 anbringen zu wollen. Hierbei finden die Anliegen eine mindestens so prompte Erledigang, als wenn sie unserem Präsidenten unterbreitet werden und wir müssen darauf achten, dass letzterer, der ohnedies überaus in Anspruch genommen ist, entlastet wird. Wir hoffen, dass dieser unserer Bitte fortan allseits entsprochen werden wird. Timendorfer, 1 D- Wolff, Präsident. Secretär. Orden und Hilfsverein. * Br. Dr. Maretzki. Im Mai 1901 zur Zeit der rumäuischen Katastrophe wurde der Hilfsvereiu ins Leben gerufen. Bisher wurde bei eintretenden Nothständen der osteuropäischen Glaubensgenossen in Deutschland jedesmal ein Comite zur Abstellung der Noth eingesetzt, So geschab es 1889 uud 1891, und die deutschen Juden haben jedesmal sohneile und ausgiebige Hilfe gebracht. Aber das Improvisieren vou Hilfscomites für einen augenblicklichen Nothstand hat sich bei näherer Betrachtung als unzweckmässig erwiesen. In allen solchen Fällen wurde immer nur ein kleiner Kreis von reichen und wohlthätigeu Glaubensgenossen zur Hilfeleistung herangezogen. Dieser Kreis von Wohlthätern wurde durch häufige Inanspruchnahme überlastet. Sodann verging eine geraume Zeit mit den Vorbereitungen zur Bildung eines solchen Comites. Darunter litt die Promptheit der Hilleleistun?. Dazu kam die Erwägung, dass in ruhigeren Zeiten auch eine materielle Hilfe für die Juden in Osteuropa und im Orient nothwendig sei, namentlich in geistiger Beziehung eine dauernde Hilfe gebracht werden müsse, soll von einer socialen Erhebung und Förderung dar Juden ilie Rede sein. Es rausste also an eine dauernde Organisation der Hilfe gedacht werden. Ferner trat die Absicht zu Tage, in Deutschland eine selbständige, von den ausländischen bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen unabhängige Institution zu schaffen. So entstand der Hilfsverein. Als '* *■ -iT» " i ' ' ■ ■ Ziel hat er sich Statuten massig gesteckt, die sittliche, geistige und wirthschaftliche Entwicklung der Glaubensgenossen im östlichen Europa und Asien zu fördern. Dieses hat er bis jetzt redlich erfüllt. Er arbeitete durchweg nicht schematich, sondern den jeweiligen Verhältnissen Rechnung tragend. So kam es, dass der Hilfsverein, durch die Verhältnisse veranlasst, in den zwei ersten Jahren seine Thätigkeit hauptsächlich Galizien und Rumänien, dann aber mehr Russland und dem Orient zuwandte. In Verbindung mit unserer Grossluge und dem Wiener Hilfsverein hat er eine Reihe von Hausindustrien in Galizien eingeführt, so die Haarnetztabiikation, welche in 93 Orten mit ungefähr 10000 Kr. wöchentlichen Arbeitslohn betrieben wird. Die Herrenkleiderkonfection wird in einigen Orten betrieben, auch Spitzeuklöppelei und Holzschnitzerei werden eingerichtet. — Neuerdings sind 10000 Kr. zur Ausbildung galizischer Knaben welche die Baron-Hirsch- Schulen absolvirt haben, zu einem Handwerk in Oesterreich und soweit es möglich ist, auch in Deutschland, Für Begründung eines Volkskindergartens hat der Hilfsverein eine grössere Jahressubvention bewilligt. Für Rumänien konnte der Hilfsverein direkt nichts unternehmen, weil die Alliänce von; jeher * die Thätigkeit. für Rumänien als ihr eigentliches Arbeitsgebiet sich vorbehalten hat. Aber indirekt hat der Hilfsverein zum Wohle der dortigen Juden beigetragen, indem er durch zweckentsprechende Autklärung der öffentlichen Meinung Europas über die unendlich traurigen Verhältnisse "der" rumänischen Juden und die sie schwer schädigenden ungerechten Gesetze bewirkt hat, wodurch wenigstens die Ausführungsbestimmungen gemildert wurden. •' '. Aber auch auf geistigem-'Gebiete hat der Hilfsverein es an erfolgreicher Thätigkeit nicht fehlen lassen. In der Erkenntnis.*, dass der deutsche wirthschaftliche Einfluss in der Türkei und in den Balkanstaaten zugenommen, und um unseren Glaubensgenossen das wirtschaftliche Fortkommen zü erleichtern, hat er die Verbreitung der deutschen Sprache gefördert. Ueberall wo die Einführung des deutschen Sprachunterrichts von unseren Glaubensgenossen gewünscht wurde, hat er diesen Wünschen in weitgehendster Weise entsprochen. So wurde in den Schulen von Sofia, Philipopel und Konstantinopel für deutschen Sprachunterricht gesorgt. Von der Voraussetzung ausgehend, dass eine dauernde Besserung in der Lage der osteuropäischen Juden nur mit Hilfe der Gesetzgebung sowie der zunehmenden Kultur und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.