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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 8 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 8 - November
Article
Beilage zu Nr. 8
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Folge ihrer Zugehörigkeit zum ludenthüm? Meine Brüder! Km berühmter russischer Rabbiner <len icli darauf hinwies, dass. hei mis in Deutschland ein'Totenschein ein Dokument sei, an dem sich (licht rütteln lasse, erwiderte mir: „Bei uns kostet am Totenschein fünfRübel'' Da ist es erklärlich, dass^der russische lüde aus Nahrungssorge Bestellscheine fälschte, ivenn der russische Beamte gegen Bestechung falsche Totenscheine ausstellt. In Einzelfällen ist es Galizianern schon geglückt, den Zeitgeist zu erfassen und durch . * Grundstuckspekulationen Geld zu verdienen. Sie erinnern sich alle noch jenes unternehmenden Mannes, der .'Hier und in Zürich Mitlionenwerthe zusammenraffte, schliesslich aber allerdings mit den Kesten seines Vermögens flüchtig ging und Banken und Kapitalisten geprellt hatte. Sie wissen, dass die Kegulirung der nicht kanalisirten Strassen unterhalb der Hochstrasse hauptsächlich deswegen nicht zu Stande kommt, weil schlaue Galizianer in kluger Voraussicht die der Kegulirung im Wege stehenden .Herbergen, aufkauften und nun von der Stadt unver.haltnissmässig hohe Ablesung verlangten. Aus den .^geschilderten Verhaltnissen dürfte hervorgehen, dass nicht Faulheit. Schleuderpreise' Wucher, die Gründe sind, weswegen unsere Galizianer neben den uns alle treffenden Anfeindungen noch ganz besonders geschmäht werden, dass nicht sie Schuld sind an der ..Erdrosselung christlicher Geschäfte. - von der kürzlich gesprochen wurde. Ks sind die verwerflichen Anschauungen in Bezug auf Erwerb, welche diese Leute aus .ihrem Heimatland mit zu uns gebracht haben, und «für welche jederehrlich denkende, ob Jude;oder' < brist, nicht diese Armen, sondern ihre andersgläubigen- Landsleute verantwortlich machen mirss. Glauben Sie, nur nicht, dass diese Galizianer blind sind gegen ihre eigenen fehler, glauben Sie nur nicht, dass der ernste Wille, es den vielbeneideten deutschen Glaubensbrüdern gleich zu thun. fehle. Aber der . Weg ist nicht leicht, besondernicht mit hungerndem Magen zurückzulegen. Wir haben deshalb die heilige Pflicht, und das -d&bot der Selbsterhaltimg verdoppelt imdiese. unsere galizianischen Brüdeczu ordentlichen, reellen Geschäftsleuten zu erziehen, damit die berechtigten Klagen über ihr unehrliches Geschäftsgebaren aulhören. Line solche' Erziehung muss,' bei der Schwierigkeit und Verschiedenartigkeit der Aufgabe, ganz individuell sein. Man kann nicht alle gleichzeitig, -etwa wie der Lehrer seine Schüler, erziehen: min mus- .einzelne geeignete herausgreifen' und froh sein, wenn man diesen eine Existenz gründet, denn die Magenfrage bildet die Grundlage dieser Er Ziehung, und sie dann in die Grundziige ehrlicher Geschäftsführung einreihen und sie zu deren gewissenhafter Befolgung anhalten. Ich habe mich seit Jahren mit der Lösung unserer galizianischen Krage' nach dieser Richtung hin bemüht und bin glücklich, neben einigen fehlgeschlagenen Ver suchen über mehrere günstige Ergebnisse berichten zu ■ können. *' .: Ich schildere Ihnen zwei gelungene Versuche sehr , ausfuhrlich, damit Sie sich überzeugen, dass et nicht damit gedient ist, den Leuten Geld in .die Hand zu geben und sie mit Empfehlungen auszustatteiT.: Ich habe in früheren Källen die Erfahrung gemacht, dass mit ■ reichlichen Geldmitteln, .die man solchen Leuten zur Verfügung stellt, nicht Haus gehalten wird und Empfehlungen oft in nicht beabsichtigter Weise ausgenutzt Werden. Ks muss den Leuten.bewusst bleiben, dass mit geliehenem Gelde auch gerechnet werden musurul man muss sich hüten, es den Leuten zu bequem zu machen, sonst wird die Hülfe zum Almosen. lud nun zu mcjncn Schützlingen — »1er erste kam-als äusserst intelligenter Mensch von 18 Jahren hierher. Ich will.'um I-Sie nicht zu lange in Anspruch zu nehmen? auf Schilderung der Jugendjahre dieses Burschen verzichten. Nur so viel, dass er nach dem Ableben seiner Eltern für seine V- " jüngeren Geschwister trotz seiner Jugend mehr gethan. als die meisten von uns in ähnlichen l allen thun würden. Mit 1 7 Jahren war er. schon Meister in einer Weberei in Brünn, kam dann nach Augsburg und verdiente in einer ^Vcberei wöchentlich Mk. 12 -lö. Kines Tages /klopfte sein jüngerer Bruder, der von Pressb.urg aus zu Fuss unter Inanspruchnahme der Verpflegungstationen gewandert war. im seine Thür. Der Aeltere solle ihm helfen. Nun brachte ihn dieser in einigen Monaten soweit, dass er als Weber Mk.!t 10 wöchentlich verdient, dann aber beschlossen beide Brüder. 14^. und lsjährig, «ich nach einem einträglichen Krwerbe umzusehen. Der Aeltere wollte das Cigaretten machen erlernen und der Jüngere sollte Währbnd der 8 4 monatlichen Lehrzeit für Lehrgeld. Wohnung und Kleidung bei einem Wochenlohne von Mk.!> bis Jf) sorgen. .Mittagstisch hatte unser allzeit hufsbereiter Bruder Kabbiner Dr. Werner bei befreundeten Familien verschafft. Damals kam der

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