Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 8 - November
- Article
- Beilage zu Nr. 8
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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und mancher erübrigte Pfennig dient ~- hört es, Ihr Sittlichen! dazu, dem Nachbar die Zahlun des Micthzinses und der Steuer zu ermöglichen. Denn darauf hält der Galizianer, wie ich zugeben . will, aus praktischen Gründen: der Hausherr muss ' bezahlt werden und zur Steuer mleldet er sich freiwillig; dann kommt er, wenigstens bei uns in Bayern, mit der Obrigkeit nicht leicht in Konflikt. Bleibt dann noch etwas übrig. so| wir/1 es zur Verbesserung der Sabbathkost aufgewendet.' Denn auf seinen Sabbath Sie mögei es ihm zur Khre anrechnen, welchen religiösen Standpunkt Sie auch einnähmen auf seinen Sabbath hält der arme Galizianer noch in den meisten 'Hallen so lange es ihm schlecht geht und wenn ihn auch oft die Noth zur Arbeit am Sabbath drangt, in der Familie wird der Ruhetag noch nach Väter W eise gefeiert. In der einen der hier bestehenden zwei galizianischen Synagogen haben übrigens nur solche Zutritt, welche den Sabbath strenge halten. Ihr tägliches Brot erwerben die Leute meist als Hausirer, Cigarettenmachcr, Reisende in Wasche und in Bildern, als Tändler, Fhckjchneider, und Flickschuster. Zur körperlichen Arbeit ist 5dcr Galizianer nicht nur nicht geeignet, er verspürt auch keine Lust dazu. Fast scheint es, als hielte , er diese für Schande und als würdige er nur die Thätigkcit, welche seine geistigen Kräfte, und sei es auch nur seinen Handelsgeist, in .Anspruch nimmt. " Der Hausirer handelt meist mit Hosenträgern, ( igarrenspitz.cn, Taschenkämmen etc. Dieser I landel erfordert; da die Artikel gegen Cassa eingekauft werden müssen, immerhin ein bescheidenes Betriebskapital. Der Hausirer besucht bis tief in die Nacht hinein Gasthäuser und Caffees und manches harte Wort und manchen Spott steckt er nur deshalb .so ruhig ein, weit ihm in den •Tagen der Noth das Gefühl der Menschenwürde abgestumpft worden. Anluss zu „Risches" bietet sein Gebahren ebensowenig, wie das seiner Frau, die vielleicht tagsüber mit Seife und Nadeln hausirt und nur Glaubensgenossen mit ihrem F.rwerb, der eine anstandigere I'orm des Bettels ist. lästig fällt Das Cigaretfenmachen beschäftigt meist die ganze Iramilie. Mann, Weib und Kinder drehen uiiermiidlichjC'igaretten und verdienen bei einigem Fleisse M. 2",ö0 pro Tag und Kopf, so, dass die Cigarettenfabrikation ein recht anständiges Auskommen gewährt. Manche dieser Familien haben esim Laufe der Zeit auch zu einem kleinen Handel gebracht und betreiben ein Ladengeschäft statt die fertige Wmrc an die grossen Geschäfte zu liefern. Da das < igarettendrehen im Laden fortgesetzt werden kann, kann der' Verkauf li-jc-ht nebenbei betrieben 'werden. Ks hat sieh. hier .in ■ einzelnen Fällen ein Zw ischenmeister'.- System herausgebildet. Der polnische Jude scheint-sidh zu diesem System besonders /u eignen; wenigstens wird auch bei den Schneidern in Whiteclrapel über diesen Auswuchs modernen' Li-rtmsystetnsgeklagt. Der Zwischenmeisti r drückt den Accord- . lohn der (.'igarettenarbeitcr. macht oft ungerechtfertigte Abzüge und vergrossert dadurch "seinen Gewinn. Immerhjn schlagen sich die y'igarettcn . arbeiter, die sogar eint; eigene Krankenkasse. * haben, verhaltnissmassig gut durch;*' - . Ganz kärglich ist dasBrot: der Flickschneider., und Flickschuster. Womit sich diese" Leute eigentlich ernähren, weiss ich nicht. Jvleine' Reparaturen, womit miUlthätige Glaubensgenossen .diese Leute beschäftigen, und die'sie gerne überzahlen, können doch unmöglich die'Familie er- " halten. Manchmal besucht die Frau.''die - mit einigen erborgten Mitteln ein paar Stück. Leinenöder Baumwollzeug eingekauft, die lahrmarkte.' » um ein . paar Pfennige zu verdienen. . . .Ein Krwerb. der schon mehr Risches.' verursacht, ist die Tändlerei. wozu ich wuch deii. Handel mit alten Kleidern rechne. Nur v,eilige vermögen es, auf einen grünen Zweig zu kommen. Dagegen lesen Sie oft von Konkursen 'jüdischer* Tandler. bei denen sich .dann herausstellt, -dass. nie etwas dagewesen, dass die Leute nie -Bücher geführt, vielleicht nicht einmal'deutsch schweißen können, und so etwas macht Wische'*.-. Bei, weitem den meisten Stoff 'liefern jedoch den Antisemiten jene Juden, die mit B.ildenv und Wäsche auf kleinen Plätzen herumreisen. Prfvat-" kundschaft besuchen und diesen mit/gefälschten Bestellscheinen Waaren aufhängen. Diese Rek senden beschäftigen unsere Gerichte fortwährend, ohne dass letztere die armen Betrogenen schützen könnten Mancher brave Mann drausseh auf dem Lande ist unverschuldet ins l'nglück gerathe'n, weil der Reisende, der die hohe ProYisioui oft* 50% und darüber, verdienen will, in gewissen losester Weis6 sich die Unterschrift, des Mannes. ' herauszulocken weiss und darin Bes.tellungen-nach Gutdünken darüber schreibt. (>der : inde.m. .er seine Hemden aus „acht egyptischer'Baumwolle" anpreist und theuer verkauft, trotzdem gerade dieses F'abrikat minderwerthig ist. Diese, Leute erbittern rnit Recht die l'rovinzkuudschaft gegen ihr Gebahren. Ist dieses Gcbalnen über . eine 55 -