Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 8 - November
- Article
- Beilage zu Nr. 8
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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früherer Jahrhunderte« erinnern, die durch ihre Schutzjuden ihren eigenen Lnterthanen 'jene Wucherzinsen abpressen Hessen, die ihnen ihr christliches Gemtith und ihr katholischer Glauben zu nehmen untersagte: Haben Sic nie .von jenen Ahnen unserer heutigen edelsten Geschlechter, gehört, die auf Kaubritterburgen friedlichen Kauf« leuten auflauerten und diesen ■ ihr ehrlich erworbenes Gut raubten"' Lud da wollen Sie es -* %> unseren Grossv;iteni ' Zur Sünde und "zum Verbrechen anrechnen.' wenn sie all das. was sie unter diesem Treiben vor Jahrhunderten gelernt, innerhalb ihrer Ghettomauern jiicht abgestreift haben : wenn sie, ausgeschlossen von jeder fortschreitenden Kultur, bei Beginn der Emancipation noch auf jener Stufe der ReeHitat stehen, auf Welche sie Bischöfe und Grafen zu Ausgang des .Mittelalters gestallt haben. bevor als die Vater jener galizianischcn Juden, als unschuldige Opfer der Rohheit' und Verbkaidung christlicher Kulturmenschen aus Deutschlands Muren nach Galizien flüchten mussten. Fürwahr, jedes Land hat die luden, die es verdient So. wie unsere Ahnen gewesen. «... hat sie ihre damalige Umgebung , gemacht. I nd wenn sich die Assimilierung darin . zuerst gezeigt hat. dass wir uns die sittlichen Anschauungen unserer Mitbürger soweit sie lauter sind! mus«. ich leider betonen — ztr eigen gemacht haben, so beweist dies mir, wie aufrichtig der Jude das gut zu machen sich bemüht hat. was andere an ihm gesündigt um! wie sehr es ihm am Herzen gelegen^ war. die vielhundertjjäbrige Kluft: die ihn von moderner Kultur trennte, zu überbrücken. In Landern aber, in welchen sich die Allgemeinheit noch nicht zu jener sittlichen Hohe aufgeschwungen, "auf welcher wir uns so gerne sehen, wer darf es unseren Glaubensbrüdern verdenken, wenn auch sie in Bezug auf Sittlichkeit ihre Mitbürger nicht überragen, wenn auch sie Anschauungen bethätigen. zu welchen mangelnde Kultur oder schwerer Druck ihre andersgläubigen Mitbür-er terurtheilt haben: Wenn dort die K'egiertingsformen und . die socialen Verhältnisse noch auf jener Stufe stehen, aufc welcher >ie sich vor l.ihrhundcrtcn bei der Einwanderung dieser Juden aus Deutschland befanden, mit welchem« Rechte verlangt man denn von den Juden aus solchen Landern, dass sie die Trager der Kultur repräsentieren s. .llen? Mit den Glaubensbrüdern aus einerrt solchen Lande der mangelnden Kultur, und der bitteren Armuth haben wir uns heute zu beschäftigen. Die -Juden in russisch und österreichisch Polen sind lange schon ein Gegenstand schwerer Sorge für uns. die wir unter geordneten Verhältnissen leben. Von denen, die in Galizien und Russland darben und zu Grunde gehen, wollen wir heute nicht sprechen. Wie diese unermessliche Xoth geändert werden konnte, dafür hat sich noch kein Rath gefunden. Wir wollen uns Iveute nur mit jenen belassen, welche die Kunde von den glücklichen Verhältnissen: in denen ihre deutschen Brüder leben, aus dem Lande des Elends herausgetrieben, welche sich bei uns angesiedelt und, wie es so oft heisst, uns in der Augen unserer andersgläubigen Mitbürger, dis uns selbst erst kaum die Gleichberechtigung zugebilligt haben, nun neuer dings geschadet haben. Gewiss wäre es ein Akt der Xoth wehr, die Unschuldigen, die eine weite Kluft in Bezug auf manche moralischen Begriffe von uns trennt, wieder heimzuschicken in's Elend. Aber dann müssten ihnen auch ihre christlichen Lands leute folgen und gar mancher andere Ausländer müsste ihnen folgen, wenn, wie jener hübsche Ausdruck lautet. ..unser deutsches Vaterland von jenen unsauberen Kiementen gereinigt werden muss." Xothwehr war's vielleicht für jene, denen kein jüdisches Herz in der jjrust schlägt,, denen nicht das jüdische Gesetz Mitleid mit den l'nglücklichei'i vorschreibt. .I ns aber erwachst die unabweisbare Pflicht, den armen Gahzianern jene Errungenschaften zu verschaffen, welche ein gütiger Gott uns hat zu Theil werden lassen: nicht Verstössen, zu uns emporheben wollen wir unsere Brüder, und wenn ich in folgendem versucht habe, mich wit der Frage zu beschäftigen, wie unserer galizianischen Kolonie in München Hülfe zu bringen sei. so hat mich' des biblischen joset Wort geleitet: ...Meine Brüdtr suche ich." Die galizische Kolonie in München dürfte tlas Resultat der Vereine für Statistik der Juden in die Wege geleitete Zählung liegt noch nicht vor über 2000 Seelen zählen. Die Überwiegende Mehrzahl der Arbeitsfähigen hat einen Beruf. Müssiggänger aus Profession und Schnorrer dürften unter den Arbeitsfähigen seltene Erscheinungen sein. Freilich giebt es viele alte und gebrechliche Leute, die nicht mehr arbeitsfähig sind. Die Leute leben 'meist sehr kärglich, die Lebenshaltung steht gewöhnlich unter jener unserer Arbeiterbevölkerung. - Der Verdienst ist meist gering und selbst bei reichlicherem Einkommen bleibt selten ein Sparpfennig übrig. Die gewöhn lieh zahlreiche Familie zehrt das. Erworbene auf — 54 — 1