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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-11-01 · Nr. 8 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 8 - November
Date
1904-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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- 93 — . schäftlichen und privaten Leben sich so aufführen sollen, dass ihnen nicht der geringste Makel anhaftet. Der Orden verlangt von seinen Mitgliedern, dass sie ihren Ehrenschild fleckenlos reinhalten. Wer sein Leben nicht nach den grössten Anforderungen der Sittlichkeit einrichtet, findet in unseren Kreis keinen Eingang und wer als unser Mitglied i trotz Mahnung und Belehrung gegen jenes Gebot verstösst, der muss aus unseren Reihen hinaus. - Und das dritte Leitmotiv unseres Ordens, die Eintracht, sie ergiebt sich dann von selbst, wenn die Brüderlichkeit und Wohltnä'igkeit in dem von uns gemeinten Sinne geübt wird. 'Wir versammeln nur Juden bei uns, aber jede Schattirung religiöser Ueberzeugung findet Raum in unserem Orden; von der starren Orthodoxie bis zur Grenze freisinniger Reformen. Nur freilich halten wir Wacht, dass diese äusserste Grenze nicht überschritten werden darf. Fahnenflüchtig darf bei uns keiner werden, der sich noch zu uns rechnet. Und wenn nach meinen bisherigen Ausführungen wir mit den Staatsbürgern der christlichen Religion in allen Richtungen zusammengehen, in einer Richtung gehen wir unseren eigenen Weg, das ist der Weg, den uns unsere Religion vorzeichnet. Unserem J<:denthum wollen wir treu bleiben, gleichgültig, wie wir uns auch sonst zu den positiven Satzungen desselben stellen; hier giebt es kein Miteinandergehen, sondern nur ein Nebeneinandergehen, freilich ein friedliches Nebeneinandergehen. Wir verspotten Niemanden, auch wenn er religiöse Bräuche übt, die uns unverständlich sind, wir achten und ehren jede wahre Religiosität, wiederum ganz wie Lasker, der bei den Verhandlungen Ober die Culturgesetze es aussprach : „Gott hat allen Menschen dasselbe religiöse Gefühl eingeptlanzt, welches allen ein sicherer Leitfaden ist, was den grossen und idealen Pulsen der Menschheit dient, was nicht und es widerspreche mir einer, wenn ich bestreite, dass die finsternen und dunkelsten Leidenschaften in der Religion dieser dienlich sein können." Deswegen betrachten wir es auch, als eine Aufgabe unseres Ordens, uns Juden zu der Erkenntniss des eigenen Werts zu erziehen, zu der Ueberzeugung, dass auch das Judenthum eine Religion ist, die ihre Bekenner zur reinsten Humanrät, zur echten Menschenliebe und zur treuesten Pflichterfüllung leitet. Und auch nach dieser Richtung ist uns Lasker ein hellleuchtecdes Beispiel, der an dem Judenthum treu festgehalten hat, trotzdem er seine äusseren Verhältnisse auf das Glänzendste verbessert hätte, wenn er sich zum Abfalle hätte entschliessen können. Er verleugnete seinen Glauben nicht, sondern gewann ihm Achtung und Ehre in dem Augen der Welt. Aber er hat auch das Judenthum geliebt, das ergiebt seine Rede anlässlich des Gesetzes betreffend den Austritt der Juden aus ihrer Religionsgemeinde, in welcher er u. a. Folgendes gesagt hat: „Niemals würde ich einem Gesetz meine Zustimmung geben, von welchem ich befürchte, es gefährde in der That den Bestand der jüdischen Religionsgemeinschaft. Ich gehöre nicht allein äusserlich dieser Gemeinschaft an, .sondern ich finde ihren Kern in dem idealsten Ausdruck, der nach dem Zeugniss aller Geschichte zum ersten Mal der Menschheit worden ist in Form eines religiösen Bekenntnisses. Und weil ich glaube, dass der wesentlichste Inhalt des Judenihums in Kenntniss zu dem einigen Gott liegt, deshalb bin ich erfüllt von dem Gedanken, dass die Macht dieser lebendigen Ueberzeugung immer ausreichen wird, derjenigen Gemeinschaft, die zuerst in die, Weltgeschichte mit dieser erhabenen religiösen Idee eingetreten ist, so lange Dauer zu geben, als übe^aupt Religionsgemeinschaften existiren. Wenn man eine yieltausendjährige Geschichte unter den widrigsten Verhältnissen diese Annahme bestätigen * sieht, so ist man berechtigt, dieses Zütrauen zu haben und darnach zu handeln. Das Judentum verdient gegen äussere Gefahr geschützt zu werden. Es bildet in gleichem Masse wie die übrigen Religionsbekenntnisse gute Staatsbürger heran, und steht moralisch nicht unter der Höhe anderer. Bekenntnisse. Seine moralischen Lehren sind freivon - ' » jenen Kuriositäten, welche Judenfeinde aus, kasuitischen Schriften zusammensammeln, um - ein nachtheiliges Bild hervorzurufen. Und ich behaupte, dass die Kraft des Judenthums nicht geringer ist als. die Kraft irgend eines anderen lebendigen Religionsbekenntnisses. Durch Jahr« tausende haben die Juden in Gemeinschaft sich zu erhalten gewusst, trotz der Anfeindungen von 'aussen her, mit gleichem Grunde vertraue ich der Zukunft, dass sie ferner festhalten werden an Lehre und Gemeinschaft." Nicht nur die Zeiten haben sich geändert, auch die Menschen haben sich geändert. Die Treue am Glauben der Väter besteht oft nicht mehr bei den heutigen Juden die Probe. So möge denn das Andenken an Lasker heilsam auf das gegenwärtige und spätere Geschlecht wirken. Und so wollen auch wjr mit Lasker nicht als .Flüchtlinge befunden werden, die ihre Religion, das Erbtheil aus lieber Hand, gleichgültig, wie sie sich auch zu den positiven Satzungen stellen, preisgeben, um äusseren Lohn, Das meine Herren, sind unsere Ziele und Zwecke und ich darf wohl zurückkehren auf das, *was ich am Anfang gesagt habe, dass Sie einen besseren Namen als Laskers* nicht wählen konnten, denn wenn 'wir schon nach dem Wenigen,-was ich über Lasker zu sagen'heute Gelegenheit hatte, sein Leben beurtheilen, "so müssen wir sagen, dass der Inhalt seines reichen Lebens das "Bestreben war, mitzuwirken, dass Gerechtigkeit, Duldung und Menschenliebe in der Welt herrsche, und dass er, wie ein Grabredner gesagt hat, speziell uns Juden das Vermächtniss hinterlassen hat, uns innig aneinander zu schliessen und für die Menschheit und Vaterland zu wirken; dass wir aus seinem Leben lernen können, den Muth nicht sinken zu lassen und wäre die Zeit noch so trostlos, den Glauben an die Menschheit nicht zu verlieren. Und ' dieses Vermächtniss Laskers, es ist identisch mit den Tendenzen und Aufgaben unseres Ordens, die wir zu erfüllen versuchen. ' Und Sie, meine verehrten Herren halten wir für geeignet, an der Erreichung unserer Zwecke und Ziele mitzuarbeiten. Freilich ist es nicht leicht,- unsere Ordensaufgaben zu erfüllen und es ist na.mentlich dann nicht leicht, wenn das Herz nicht fest ist. Was wir' von Ihnen gehört und erfahren haben, : es berechtigt uns ja. zu der Hoffnung, dass Sie sich der zu übernehmenden Pflichten würdig entledigen werden. Trotzdem" ruhen in dieser feierlichen Stunde unsere BliGke mit Ernst auf Ihnen, denn hinab in die Tiefe Ihrer Herzen zu blicken, vermag kein menschliches Auge und nur Sie allein sind im Stande, die Kraft Ihres Herzens zu bemessen'^ Prüfen Sie sich deshalb

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