Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 7 - Oktober
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Da der Verband der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reich beschlossen hat, die vorhandenen jüdischen Jugendschriften zu sichten Und die Abfassung neuer geeigneter Schriften zu unterstützen, so wäre es unseres Erachtens eine unzweckmässige Zersplitterung der Kräfte, wenn die . Grossloge getrennt von dem Verbände dasselbe Ziel anstreben würde. Wir empfehlen daher, dass die Crossloge dem Verbände eine in den Beratungen näher festzusetzende Summe zur Förderung der genannten Bestrebungen zur Verfügung, stellt, und sich dafür einen Einfluss auf die Arbeiten des betreffenden Ausschusses des Verbandes sichert. Am zweckmässigsten würde es wohl sein, wenn ein Preisausschreiben für jüdische Jugendschriften veranstaltet würde. Die zu prämiierende Schrift mü>ste natürlich — abgesehen davon, dass sie geeignet ist, die Liebe zum Judentum zu wecken — allen pädagogischen Anforderungen entsprechen; also nicht die Tendenz auf Kosten des künstlerischen Werthes zu grell hervortreten lassen, vielmehr was Inhalt, Sprache und Ausstattung anbetrifft, den besten nichtjüdischen Jugendschriften würdig zur Seite treten können. Im übrigen wäre den Verfassern recht viel Spielraum zu lassen. Auf die Anregung des Br. Dr. Spanier-Magdeburg betr. Schaffung volkstümlicher Darstellungen aus der jüdischen Geschichte möchten wir nicht eingehen, da die Angelegenheit nicht vor das Forum dieses Ausschusses gehören dürfte. Br. Dr. Elbogen-Berlin. Ueber die Notwendigkeit eine geeignete Literatur für die jüdische Jugend in moderner Form zu schaffen, herrscht eine erfreuliche Einmütigkeit. Der Antragsteller Br. Heinemann-Haunover hat seinen Vorschlag so ausgezeichnet begründet, dass dem kaum etwas hinzuzufügen ist. Wenn in der Vollversammlung der Grossloge und später in den Monatsberichten geltend gemacht wurde, dass eine confessionelle Litteratur schädlich sei, so ist dem entgegengehalten worden, dass wir nicht eine Litteratur zu verbreiten beabsichtigen, welche Hass . und Zwietracht gegen Andersgläubige lehrt, sondern eine solche, die unsere Jugend in der jüdischen Religion und in der Treue zum Judenthum befestigt Jede Religionsgemeinschaft, die darauf verzichtet, auf die Gemüther der Jugend einzuwirken, und sie für sich zu fesseln, giebt damit ihre Zukunft auf. Ueberdies sind nicht wir es, die die confessionelle Scheidung in der Litteratur schaffen. Wie bereits1 der Referent hervorhob, ist die der Jugend zugängliche Litteratur im Allgemeinen auf Verherrlichung des Germanentums und Christentums gerichtet, ein grosser Teil derselben spricht geradezu gehässig über -Juden und Judenthum. So sucht die grosse Mehrheit, obwohl die Erziehung und die Volksstimmung für sie arbeiten, die Gemüther der Jugend für die vorherrschenden Anschauungen zu gewinnen. Da können wir als confessionelle Minderheit , der der Schulunterricht und die öffentliche Meinung feindlich gegenüberstehen, keineswegs darauf verzichten, unserseits positiv zur Stärkung des Judenthums in den Herzen der Jugend beizutragen. — Ueber den Stoff, den die JugendlitterattL zu behandeln hat. dürfte noch einige Meinungsverschiedenheit herrschen. Auch hier hat Bruder Heinemann S. 109 b in dem Absatz „Insbesondere gilt dies* die richtige Umgrenzung gegeben. Ob nun die Form der Erzähjung oder der Dramatisierung, wie Br. Tuch anregt, geeignet ist, läist sich unschwer entscheiden. Wenn die Jugendlittera'.ur sich so einbürgert, wie wir es wünschen, so wird derselbe Stoff, entsprechend dem abweichenden Ge schmack der einzelnen Kinder, in den verschiedensten Former behandelt werden können und müssen. Auch in der Frage, w i e der geeignetste Stoff zu s c h a f f e n ist, werden wir den, Vertretern der verschiedenen Meinungen Recht geben müssen. Es braucht nicht überall durchaus neue Arbeit geleistet zu werden; sehr wohl lässt sich häufig das Alte verwerten, ich erinnere daran, wie z. B. Th. Fontane alte brandenburgische u. a. Volksgedichte umgearbeitet hat. Populäre Litteratur hat es auch bei uns Jaden selbstredend zu allen Zeiten gegeben, — ein grosser Teil der alten jüdisch-deutschen Schriften war für Kinder an Gemüt bestimmt —; aus ihr kann man lernen, welche Stoffe zur Behandlung geeignet, und wie sie zu gestalten sind. Auch in neuerer Zeit giebt es sehr viele Erscheinungen, die für die Jugend geeignet sind, es kann daraus eine sehr brauchbare Auswahl getroffen werden. Aber selbstredend muss die Form stets umgestaltet werden und eine durchaus moderne, die Kinderseele von heute ansprechende sein. Neben dem Alten ' muss naturgemäss auch Neues geschaffen werden, aber dazu muss zunächst das Bedürfniss nachgewiesen sein. Es giebt genug Erzähler. Pädagogen etc. in unserer Mitte, die geeignet sind, diese Litteratur weiter auszubauen, und sie werden sich sicherlich in den Dienst unserer heiligen Sache stellen, wenn sie die Ueberzeugung gewinnen, dass ihrer Arbeit auch Beachtung, ihrer reichen Mühe wenigstens bescheidener Lohn winkt Diesen Zustand herbeizuführen, will nunmehr die hochw. Grossloge, auch ihrerseits mitwirken, und es handelt sich darum, den geeigneten Weg zu wählen. Den Vorschlag eines Preisausschreibens kann ich nicht billigen, da solche erfahrungsgemäss nicht zum Ziele führen. Gerade bei den besten Autoren lässt sich mitunter der Genius bis zu einem bestimmten Termin nicht zur Vollendung einer Arbeit zwingen. Ueberdies könnten bei der Prämiierung nur sehr wenige Schriften bedacht werden, und bei diesen wäre keinerlei Garantie für die Drucklegung, und selbst wenn hier Cautelen geschaffen werden, keine für die Verbreitung gegeben. Und gerade auf diese kommt es uns ir. erster Linie an. Um sie zu erzielen, werden wir am besten schon vorhandene oder zu druckende Werke unterstützen. Wir können uns dabei an schon' vorhandene Institute anlehnen, keineswegs, jedoch an die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums, die ganz andere Aufgaben hat. Für uns kommt nur der D. I. G. B. in Betracht, der sich gleichfalls um Verbreitung solcher Schriften müht, und der Verband der'Lehrervereine, der auch die Herbeischaffung und Fortbildung dieser Litteratur ins Auge fasst. Mit diesem ist die Verbindung durch Br. Dir. Dr. Driesen-Karlsruhe leicht gegeben, und wir werden über die Bedürfnisse und den Wert einzelner Schriften leicht in einen Gedankenaustausch eintreten können. Die wichtigste Aufgabe ist auf diesem Gebiete dieselbe, wie. auf allen Gebieten der Jüdischen Litteratur, nämlicfmie Autoren und Verleger zuermuthigen, dadurch dass ihnen der Vertrieb ihrer Schriften erleichtert