Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 7 - Oktober
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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und ein den Kosten und /der Arbeit entsprechender A b - satz zugesichert wird. Hierzu kann die Grossloge wesentlich beitragen, indem sie bei der Drucklegung au: eine grössere Anzahl von Exemplaren subskribiert und die einzelnen Logen des Distrikts auffordert, das gleiche zu tun. Diese Exemplare sollen dann gratis vertheilt werden, aber nicht etwa, wie vorgeschlagen wurde, nur an arme Kinder. Ich erkläre schon heute,, dass ich gegen jede Bewilligung stimmen werde, die ein derartiges Benefiz ausschliesslich den Armen zugute kommen lassen will. Es ist verwerflich als Entgelt für Almosen eine fromme Ge- ' sinnung oder Uebung zu fordern, und es ist ferner höchst traurig, wenn wir das Judenthum zu einer Sache der Armen degradieren. Gerade das wollen wir ja verhüten, dass in den wohlhabenden und gebildeten Kreisen die Abkehr vom Judentum zunimmt, darum müssen wir uns doch an diese Kreise zunächst wenden. In die Kreise unserer Brüder, in deren Familien wollen wir die Jugendlitteratur bringen, und von da soll sie weiter verbreitet werden unter Freunden und Verwandten. In denjenigen Kreisen, die nachweislich viele Bücher, Werke der schönen Litteratur kaufen und verschenken, soll die Bekanntschaft mit der jüdischen Jugendlitteratur und die Liebe zur ihr gefördert werden; nur so kann die jüdische Jugend dafür gewonnen werden, und nur so kann diese Litteratur teine wirklich bekannte und gelesene werden. Darum meine ich, dass in erster Reihe die L o g e n b i b 1 i o t h e k e n mit diesen Schriften ausgestattet, und dass Eltern und Lehrer darauf hingewiesen werden bei der Auswahl der Lektüre diese Schriften zu berücksichtigen. Erst wenn die Logenbibliolheken bedacht sind, mag die hochw. Grossloge von ihren -Exemplaren an die Schüler kleinerer jüdischer Gemeinden, an Waisenhäuser, Erziehungsanstalten etc. je nach der Würdigkeit und den Leistungen Prämien vertheilen. Wenn der deutsche und der österreichische Distrikt unseres Ordens in djeser Weise vorgehen, dann dürfte es leicht sein, einige 100 Exemplare jeder Schrift zu subscribieren. Ein anderes Mittel zur Förderung wäre die Vertheilung von Prämien an Autoren, die bestimmte Schriften einreichen. Aber es gäbe dabei jedenfalls viel persönliche Verstimmungen und dieser Weg führt keineswegs so sicher zum Ziele, wie der zuerst vorgeschlagene. Durch ihn würde der Druck gegen einen massigen Preis gesichert, uod wenn der Absatz garantiert ist, darf auch der Autor sein Honorar erwarten. Ich bin überzeugt, dass bei Üinehaltung dieses Verfahrens Autoren und Verleger mit Freudigkeit unsere Bestrebungen unterstützen werden. Mit dem bereits empfohlenen Jugendfreund von Flanter könnte zunächst eine Probe gemacht werden, indem ein Abonnement eingeleitet wird. Eine Erleichterung unserer Arbeit wird es sicher auch bedeuten, wenn wir bei der Sitzung des Comites uns über die Einrichtung der Wanderbibliothek der Unitas - Loge unterrichten können. Br. Dr. Karpeles-Berlin;■' i ■, * Nach meiner Meinung ist mit einem Preisausschreiben nichts gethan, es hat sich dies in unserm Verein gezeigt, der dreimal einen Preis für die beste Jugendschrift ausgesetzt hat — und dreimal war die Concurreoz erfolglos. Offen gestanden, lag dies nicht so sehr an den Bewerbern, die sich in stattlicher Zahl eingestellt halten, als vielmehr — so komisch dies auch klingen mag — eher an den Preisrichtern, die ihre Forderungen und Erwartungen zu hoch gespannt hatten. Da die Schriften an mich geschickt wurden, und zwar ohne Angabe der Adressen, genierten sich verschiedene Bewerber, sie zurück zu verlangen. Ich habe die Adressen selbstverständlich bis auf den heutigen Tag nicht geöffnet, aber ich habe' gelegentlu h in kargen Mussestunden einige der Arbeiten durchgelesen und zwar offengestanden daraufhin, ob nicht die eine oder die -andere für die Zeitung oder das Jahrbuch sichf eignet/ Eine darunter ist nun ganz bestimmt geeignet, als Jugendschrift gedruckt zu werden, und auch von den anderen ist manche nur mit geringen Aenderungen für diesen Zweck' zu gebrauchen. — Mein Rath geht nun dahin, ältere Jugendschriften neu zu bearbeiten, bis moderne Autoren mit selbstständigen Werken auttreten werden. In dieser Beziehung sind die jüdischen Jugend-" Schriften von S. Kraemer in Altenmuhr, die in'den :50 er und 40 er Jahren erschienen und fast vergriffen sind, gerade- > zu meisterhaft und mustergültig. Wenn man einem tüchtigen Pädagogen diese Schriften zu/ Modernisierung übergiebt, so haben wir drei oder vier Werke, die wir unserer Jugend getrost in. die Hände geben können. Ein anderer Vorschlag wäre der, die bekannte vorzügliche Autobiographie des einzigen jüdischen Majores in der preussisch'en Armee, Major Burg, die in den 40 er Jahren erschienen ist, für die Jugend bearbeiten zu lassen. Dieselbe ist sehr geeignet dafür. Unserer Jugend würde in dem Lebensbild des Mannes, der um kernen Preis sich taufen lassen wollte und es trotzdem ,in Preussen sehr weit gebracht hat, ein leuchtendes Beispiel von Glaubenstreue und Charakterfestigkeit gegeben werden, * >.: Auch die Jugenderzählungen von Fanny Neuda, die bekanntlich die berühmteste Chinnah geschrieben hat, eignen sich vorzüglich für diesen Zweck. Sollte mir noch etwas einfallen, werde ich nicht verfehlen, es Ihnen sofort mitzutheilen. : ■", i Aus dem Gedächtnissbuche der ..-'.*«■*•>""."■■' Grossloge. \ ' Seit unseren letzten Angaben haben wir den Tod folgender Brüder zu beklagen. ■1' Es starben: _ 53. Am ü. Juli 1904 Br. Gustav Stern, Mitbegründer der Rhenus-Loge in Mainz— 24. 2. 89 — geb. den 30. Juli 1850 in Obermoschel. 54. Am 17. August 1904 Br. Hermann Rothstein, Mitglied der Lessiag-Loge in Breslau seit dem 9. November 1895, geb. den 7. Februar 1866 in Schmiegel. •.: >'•;. .;\