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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-10-01 · Nr. 7 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 7 - Oktober
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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82 Wie ein unerschöpflicher Brunnen flössen seitdem neue Schöpfungen aus Staub's unergründlicher Schaffenskraft. Kurz nach Veröffentlichung seineis grossen Werkes ging "er in Verbindung mit Ii ervorragenden Mitarbeitern an ein neues eigenartiges Unternehmen heran, die Gründung der Deutschen Juristen-Zeitung. Seine „Rundschau" in, dieser Zeitung' erfreute sich durch ihre treffende Kritik juristischer Tagesereignisse allseits der grössten Aufmerksamkeit. Sie baute gewissermassen eine Brücke zwischen der Laien- und der Juristenwelt. Bekannt sind endlich Staub's fernere Arbeiten, die den durch sein Handelsgesetzbuch betretenen Weg fortsetzen; sein Kommentar zur Wechselordnung und zum Gesetz betreffend die Gesellschaft mit beschränkter Haftung. t Mitten in der Arbeit und den neuen Plänen hat ihn dann die tückische Krankheit ergriffen, die seiner Schaffenskraft Halt gebot. Von selbst drängt sich die Frage auf: „Was hätte dieser Mann vermocht, wenn ihm ein längeres Leben beschieden gewesen wäre?" Gerade in neuester Zeit begannen seine Ideen äucl^bei den höchsten Gerichten Deutschlands Anerkennung zu finden. Gerade die neue Gesetzgebung bot ihm ein unübersehbares Feld der Thätigkeit, auf dem er ohne gegen Vortheile ankämpfen zu müssen, thätig sein konnte. Er war der Mann, der befähigt gewesen wäre, befruchtend seinen Einfluss auf die Praxis dahin geltend zu machen, dass sie im innigen Zusammenhang bliebe mit der Vernunft des täglichen Lebens. Gerade er wäre imstande gewesen, den Formalismus im materiellen Recht erfolgreich zu bekämpfen, eine Aufgabe, die er zeitlebens für seine vornehmste gehalten hat. Sie alle wissen, dass die hoch bedeutsame wissenschaftliche Thätigkeit Staub's nebenher ging neben einer grossen practischeh Wirksamkeit. Hier war Staub's ureigenstes Feld, denn er. war Anwalt von ganzem Herzen und von ganzer Seele. Aus allen Teilen Deutschlands strömte man herbei, dm seinen Rat zu hören, und fast immer wusste sein Geist, seine Kenntnis?, sein practischer Blick zu helfen. Aber diese grosse Praxis bot nicht nur dem Geist, sondern auch dem Character Bethütigung, und Staub's Character entsprach seinem Geist. Was-er als Recht erkannt blatte, daran hielt er eisern'fest und um nichts wäre ihm' seine Ueberzeugung feil. An Versuchungen hat es wie anderwärts auch hier nicht gefehlt. Wer aber glaubte, dass er> sich den Anwalt Staub erkaufen könne, der fiel hart an. Mochte das gebotene Honorar noch so gross, mochte der Client noch so hochstehend sein, wer ihm nach diseser Richtung zu nahe trat, der lernte den Mann Staub kennen. Dann gab es Augenblicke, in denen ein Staub hart, sein konnte. . Und doch war er sonst die Güte selbst. Das haben nicht nur diejenigen erfahren, die mit ihm in freundschaftlicher Berülirung kamen, das erfuhren auch die zahllosen Bittsteller, die an seine Thür klopften. Oft genug, wenn im Drange der Geschäfte, in dem jede Minute gezählt war, statt eines Rechtsfalls eine Bitte um Unterstützung recht ausführlich vorgetragen wurde, hätte man glauben sollen, dass auch Staub ungeduldig werden könne. Aber er gab stets und gab gerj, und niemals liess er den Bittsteller etwa vorhandenen Unmuth fühlen. So war Staub auch im Wohlthun gross. Alles das, soviel Geist, Character und Güte, es ist uns entrissen. & ■ ■ v 4; . *. . f ' T ■ I .,Was vergangen, kehrt nicht wieder! i.Ging es aber leuchtend nieder, "' „Leuchtet's lange noch zurück." Untergegangen ist der Stern Staub, aber nicht verlöscht. Er kann nicht verlöschen. Solche Kraftnaturen, wie ihn schafft die Natur nur in seltener Geberlaune. Kaum jemals wird wieder soviel Schönheit des Körpers, des Geistes, des Characters und Gemüths zusammentreffen. Schon deshalb können wir diese außergewöhnlich herrliche Erscheinung nicht vergessen. Du, lieber grosser Toter! Zwischen Dir und uns giebt es keinen Abschied. Du lebst in uns fort und unter uns. Dein Stern, er wird uns leuchten. Lass ihn für uns Führer und Leiter sein Zu all' dem Guten und Schönen, das Dich im Leben auszeichnete! Jüdische Juyendliiteratur. In Anbetracht der Wichtigkeit des Gegenstandes geben wir nachstehend die Ausla-snngen -wieder, die seitens der Mitglieder ■ s_~fiir diesen Zweck eingesetzten (omiles für die Berathungen desselben gemacht worden. Vielleicht veranlasst diese Veröffentlichung auch andre Brüder, *ich zu dieser Angelegenheit zu äussern und geeignete Vorschlüge zu machen, dochjmüsste da? sogleich ei folgen, da die nächste Sitiung des Comites schon ain 23. Oktober er. stattfindet. . [ Das RedaktionB-Comitö. Es äusserten sich: Br. Dr. M. Spanier-Magdeburg. Wenn in unseren Tagen das Studium der Kindesnatur, die Vertiefung in die Gesetze des menschlichen Seelenlebens einen immer grösseren Aufschwung nimmt, wenn wir als Erzieher bei allen Massnahmen die Psychologie als Führerin gelten lassen müssen, so muss sie uns auch bei der sehr bedeutenden Frage der jüdischen Jugendütteratur als Leitstern dienen. Bevor wir uns mit dieser Angelegenheit beschäftigen, ist es eine unablässige Notwendigkeit, das letzte Ziel der pädagogischen Thätigkeit — das Bildungsziel — zu kennzeichnen. Wir bezeichnen als Endziel aller Erziehung die sittlich-religiöse Bildung. Von unserm jüdischen Standpunkt aus betrachtet, sollen wir auf Mittel und Wege sinnen, in der uns anvertrauten Jugend das Glaubensbewulstsein immer mehr zu festigen und das GefLfl der Zusammengehörigkeit mit den Religionsgenossen immer mehr

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