Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 7 - Oktober
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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r- 1 ww»' .'smvwm ■ tm*»p-^ v.»r-r-...- ' ■>•".:•": — «1 — . ' _ ..■■'.:'" [* ' ' . ■ ' ';. "■" " -*• ' "•' Unter den trauernden Freundeu und Verehrern stehe^auch ich. Auch icli bin durch den Veilust scliwer betroffen. Verliere ich doch den unvergänglichen Meister, ihn, der mich nicht nur hineinblickt» ' liess in die Werkstatt .seines erhabenen Geistes, sondern der mich zur Mitarbeit heranzog, eine Mitarbeit, der ich so viel verdanke. Aber ich verliere mehr. Aus dem mehrjährigen Zusammenarbeiten erwuchs mir eiae Freundschaft des Meisters, . auf die ich stolz., war. Sein Wohlwollen leitete und förderte mich. ErseliütterYtrauere ich einem väterlich wohlwollenden Freundenach. v Aber nicht um meiner Trauer Ausdruck zu verleihen, habe ich heute das Wort genommen. Mich trug, der Wunsch dahin mitzuwirken, dass das theure Bild dieses geliebten Toten sich recht vollständig gestalte, auf dass es sich uns einpräge für alle Ewigkeit. Dem Menschen und Bruder Staub hat unser verehrter Präsident heute ein würdiges , Denkmal gesetzt, aber auch dem Juristen Staub soll heute Gerechtigkeit widerfahren; und gerade,die juristischen Verdienste staubs rufen nach eingehender Würdigung. Diese Würdigung liegt um so näher, als ja der Lebensgang dieses grossen Mannes eng verknüpft ist mit seiner wissenschaftlichen Entwickelung. Hermann Staub ist zu Nicolai, einer kleinen Stadt Ober-Schlesiens geboren. Früh verlor er beide Eltern und " wurde so schon zeitig darauf hingewiesen, aus eigener Kraft vorwärts zu streben. Im Hause seines ältesten Bruders in lteuthen fand er Aufnahme, und hier in Beuthen absolvierte er das Gymnasium. Zeitig schon wurde "seine aussei ordentliche Begabung erkannt, und allerseits prophezeite man dem^Schuler bereits eine ausserordentliche Zukunft. Nach Beuthen kehrte Staub nach Beendigung seiner Studien als junger Referendar zurück. In der nun folgenden Ausbildungszeit legte er bereits den Grund zu seinem Ruf als hervorragender Jurist. Alle seine Vorgesetzten waren einig darüber, dass die Kenntnisse und die Urtheilskraft des Referendars^ Staub überraschend und ungewöhnlich wären. ' Mit manchem seiner damaligen Vorgesetzten ist er dauernd in freundschaftlichem Verkehr geblieben, und aus den ehemaligen Vorgesetzten sind begeisterte Bewunderer geworden. Der letzte Theil seines Vorbereitungsdienstes führte Staub nach Berlin, und als er Ii -ich glänzend bestandenem Staatsexamen vor die Berufswahl gestellt war, da lag es für ihn nahe, Rechtsanwalt in Berlin | zu werden. Allerdings, so erzählte er mir. wurde es von vielen S-iten als ein Waguis angestiunt. dass er es unternehmen wollte ohne weitgehende Beziehungen in Berlin eine Praxis za gründen. Aber Staub kannte seine Kraft und er hatte, sich nicht getäuscht. Bereits in den ersten Jahren gehörte er zu den beschäftigsten Berliuer Anwälten. In diese Zeit seines Eintritts in die juristische Praxis fällt auch sein erstes Debüt in-der juristischen Literatur. Er erzählte darüber gelegentlich Folgeudes: In seiner Assessorarbeit war ihm eine Frage aufgetaucht, die sein Interesse erregte, und die doch im Rahmen jener Arbeit nicht erörtert werden konnte. Er wies darauf in der Aibeit hin und fügte hinzu, dass er sich vorbehalte, diese Frage in einem besonderen Aufsatze zu. behandeln. Das geschah, und so entstand Staubs", erster wissenschaftlicher Aufsatz, der in Gruchots Beiträgen, der angesehensten juristischen Zeitschrift abgedruckt wurde. Interessant ist, dass dieser erste Aufsatz bereits alle die Vorzüge in Form und Inhalt zeigt, die Staubs späteren Werke auszeichnen.. In der \ Folge blieb Staub in enger'Beziehung mit der juristischen Litteratur. Eine Anzahl scharfsinniger, streng wissenschaftlicher Aufsätze erregten die Aufmerksamkeit der J misten weit. So w ar durch wissenschaftliche und praktische Tliätigkeit Staubs : Name bereits begründet, als er an die Schaffung des Werkes heranging, das sein Lebenswerk geblieben 'ist' sein Kommentar zum Handelsgesetzbuch. Staub hätte in seiner Bescheidenheit sich an ein Unternehmen wie die- KommentieruDg des Handelsgesetzbuchs kaum herangewagt. Die Anregung ging von einem Verleger aus, der ihm 'erklärte; er glaube in ihm - den rechten Mann zur Abfassung eines Kommentars gefunden zu haben. Staub erbat sich Bedenkzeit. Doch schon vor Ablauf dieser Zeit hatte ihn die Arbeit so packend erfasst, dass er" mit Freuden zustimmte. So entstand das Werk, das Staubs Ruhm für alle Zeiten festgelegt hat, das der Deutschen Anwaltschaft und der Deutschen Jurisprudenz zur hohen Ehre gereicht. Nur mit wenigen Worten sei auf die Bedeutung dieses Werkes hingewiesen. Sie geht über das Werk selbst hinaus. Es ist eine neue Epoche in der Kommentirkunst, die durch das Wei k bezeichnet wird. Während bisher die Kommentatoren in einer gewissermassen elementaren Art die einzelnen Worte des Gesetzes zum Ausgangspunkt ihrer Erörterungen nahmen, legte Staub den Grund für ein neues, bei weitem besseres System. Iq klarer, meist vorangestellter Disposition erörtert er zunächst den Zusammenhang des einzelnen Paragraphen mit dem gesammten Gesetz aussei-' mit der betreffenden Rechtslehre, und setzt dann die in dem Paragraphen niedergelegten einzelnen gesetzgeberischen Gedanken und die sich daran knüpfenden Streitfragen auseinander. Dass dieses neue System ein Riesensystein, ein Riesen-Fortschritt gegenüber dem bisherigen bedeutete, leuchtete allenthalben ein und mit Recht durfte Staub in späteren Jahren-erklären, sein System habe Schule gemacht. Die inneren Vorzüge des Werkes, seine klare verständliche Sprache, die Fülle neuer Gedanken, die erschöpfende Zusammenstellung des Materials sind oft genug an allen möglichen Stellen hervorgehoben worden. So ist es nicht zu verwundern, dass bereits die ersten Lieferungen des Werkes begeisterte Aufnahme fanden.* Um so herrlicher muss die edle Bescheidenheit wirken, mit der Staub sein Werk als vollendetes Ganze in die Welt schickte. In dem Geleitwort heisst es wörtlich: ..Mein Bestreben war, einen Kommentar zu liefern, der wissenschaftlich und practisch, kurz und vollständig zugleich sei. jOb ich dies Ziel annähernd erreicht habe, mag der freundliche Leser nachsichtig beurteilen. Ich kann nur wünschen, dass die auf das Werk verwendete, einer anstrengenden Berufstätigkeit abgerungene Zeit und Mühe für die Anwendung des H. G. B. nicht verloren sein möchte." Das Werk nahm einen für den Verfasser überraschend schnellen Ruhmeslauf, es erzielte - einen Erfolg, wie es einem wissenschaftlichen Werk kaum jemals beschieden war.