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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-10-01 · Nr. 7 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 7 - Oktober
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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in seiner Lebensthätigkeit bedienten sich oft und gern seines Raths verschiedene Regierungen, auch die unseres eigenen Vaterlands, und was er schriftlich niedergelegt, gilt in manchem Auslandsstaate oft mehr, als das dortige Gesetz. Ja! wir dürfen ohne Uebertreibung, ohne Voreingenommenheit und Gefühls-Ueberschwang es aussprechen: hier sahen wir einen vollkommenen Menschen, und wenn der Berliner Anwalts-Verein in seinem Trauernachruf von ihm sagt : Er besass unsere Freundschaft und in Stolz und Schmerz zugleich tönt es aus'unseren Reihen: Er, der Mann, der keinen Feind und keinen Neider hatte, er, der Mann mit dem Geiste des Genies und dem Herzen des Kindes, der Allen viel zu früh gestorben ist und dessen Gedächtniss im Herzen aller seiner Freunde und in den Blättern der Rechtswissenschaft fortleben wird — er war unser." * ' Ja, wenn diese Vereinigung" ihn rühmend und fast begeistert den „Ihren" nennt, so dürfen auch wir, so darf auch unser-e Ordensgemeinschatt überzeugt und mit allem Stolze es aussprechen: „Nun, er war auch der Unsere/ - Und er wird es bleiben für alle Zeit, und gern gönnen wir ihn auch der ganzen AVeit, die Anspruch auf ihn ma< u| Nicht, da^s wir nötig hätten, ihn für uns erst zu reklamiren, nein, mit ganzem Herzen hat er sich uns hingegeben, mit aller Vollki ift und Anhänglichkeit hat er uns sein Wissen, Denken und Empfinden gewidmet, mit alter Treue ist er unser Freund und Bruder gewesen und geblieben bis zum Ende seiner Tage, geliebt, geachtet und geehrt von uns allen. Er war der Ersten einet*, der sich freudig der Bewegung für die Einführung unseres Ordens in Europa anschlössen . und der nachhaltig dafür thätig war. Bei vielen unserer Logengründungen war er eifrig und fördersam betheiligt, unsere Berth. Auerb. Loge hatte das Glück, ihn als ihren Präsidenten zu sehen und die Grossloge hatte ihn als ständiges Mitglied des Appelations-Comites resp. als dessen Vorsitzenden. Immer und von je war er arbeitend und schattend bei unserer Sache unermüdet wie stets in seinem Wirken, in seiner Lebenstätigkeit, die er ja selbst noch auf seinem Krankeulager geübt. Wenn auch vorher in den Tagen seiner Gesundheit sein Beruf ihn in Bezug auf anhaltende Logen thätig keit entzog, so war er doch immer schnell' und gern, voll und ganz thätig wenn man ihn rief. Ja! er war ganz und gar" der Unsere und eine starke Stütze unserer Bestrebungen, — wie schon sein blosser Name ein Förderer derselben war. — Lassen Sie mich zum Beweise dessen nur auf ein Ereignis unserer Ördensgeschichte hinweisen! Als in Leipzig s. Z. die Gründung einer Loge <rauf fast unüberwindliche Schwierigkeiten stiess, als -die Verwirklichung der Idee fast aufgegeben, da nannte man gelegentlich den Namen Hermann Staub als den eines unseres besten Bruders und wie überzeugungstreu er zu uns gehöre. Als kaum der Name genannt wurde, da ertönte es wie aus einem Munde: Ja, wenn Sie uns einen Mann wie Henriann Staub Iipibringen, dann ist das Ziel erreicht, und Hermann Staub kam und die Loge War da! Ja meine Brüder, so sehr wirkte der nun Entschlafene mit der Wucht und dem Zauber seiner Persönlichkeit. Und nun liegt er drausseu in seiner letzten Ruhestatt, — gebettet in der Reihe der hervorragendsten und verdienstvollsten unserer Gemeinde! Und wahrlich — da ist auch sein Platz, denn er war nicht nur eine Zierde des Juden- ■' " « * . thums selbst, er war auch ein treuer Anhänger unseres Glaubens, und er hätte ihn um keinen noch' so hohen Vortheils willen, um eine noch so hervorragende Stellung hergeben mögen. Er war deshalb auch ein Ben Briss im wahrsten uud edelsten Sinne des Wortes und so steht er vor uns, ein leuchtendes Vorbild, unvergesslich dem Herzen, unverloren dem Gedächtnis, wie weit auch die Tage und Jahre vergehen mögen. Sein Name ist für ewig mit der Geschichte unseres geliebten Ordens verknüpft, und sein Geist wird unter uns weilen, und uns fest zusammenhalten und uns ermuthigen, wenn Schwierigkeiten sich anfthürmen und unsere Kraft erliegen will. , Das Andenken an unsern theuren Bruder Hermann Staub wird uns aber auch mahnen, in seinem Geiste mit aller Liebe unsere erhabene Sache mehr und mehr zu Anklang und Achtung zu bringen, mit Mannesmpth einzustehen für. Wahrheit und Menschenwürde und — uns zur Freude und zum Stolz des gesamten Judenthums wird den Drausseustehenden zur Erkenntnis kommen! f : - Man kann ein treuer Jude sein und docli ein werthvoller und geschätzter uud geachteter Mann sein, geehrt, geschätzt und geachtet von Andersgläubigen und von der gesammten Kulturwelt. Und so gross unser Schmerz so rufen wir mit Stolz aus: „Ja," er war unser und wird es immer bleiben, so lange no Ii das Herz eines Briders schlägt und so lange noch eine Hand an dem Bau unseres Tempels sich regt. Und nun, geehrte TrauerversUmmlung und liebe Brüd9r! Erheben Sie sich von Ihren Plätzen und lassen Sie unserem theuren Dahingeschiedenen den letzten Scheidegiuss zurufen. Leb' wohl. Du treuer. Du herrlicher Bruder! Ewige Ruhe uud süsser Friede wohne in Deiner letzten" Stät;e, Sie birgt dich wohl, aber sie kann Dein strahlendes Bildnis uns nicht verdecken, 'denn du bist und bleibst unter uns, wie Du allzeit der Unsere warst. Leb wohl, Du wackerer, Du grosser, Du von Alleu geliebter Mann. Dein Andenken bleibt ein gesegnetes jetzt und immerdar! Amen! > ■^Im Anschluss hieran hielt Br. Rechtsanwalt Story, Secretär der Berth.-Auerbach-Loge, folgende Ansprach- : Geehrte Trauer-Versammlung! .' Liebe Brüder! Geschlossen sind auf ewig die Lippen, verstummt ist der Mund, der so beredt zu sprechen verstand, und nimmer sollen wir in die Augen schauen, die so lieb und treu blickten. Unser Stäub, er ist nicht mehr unter uns. Wenn je eine Trauer echt und gerecht war, so ist es diese.

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