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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-10-01 · Nr. 7 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 7 - Oktober
Date
1904-10-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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- 7y - der treuen Bruderpflicht, noch mehr aber das Empfinden wahrer, reiner und unvergänglich inniger Liebe hierher, um Abschied zu nehmen von Einem, der uns angehörte, und auch in diesen Räumen zu verkünden, was er iu so reichem Werthe in sich trug und was an ihm verloren gegangen. Die Hoffnung, dass es nun auf lange Zeit genug sein werde des schweren Verlusts und der harten Prüfung, dass nach und nach doch wiederum Trost und Ruhe einziehen könnte unter uns, sie ist zu nichte geworden, und tiefgebeugt sehen wir, wie schnell die gewaltigsten Schläge des Schicksals einander folgen und wie mehr und mehr die Grösse der Opfer sich erhöht, die — ach! — von uns Schlag auf Schlag gefordert werden. \ Wieder ist ein kostbares Juwel aus dem Ringe der Bruderschaft gefallen, ein Kleine! von strahlendem und doch so mildem Glänze, ein Schatz von unendlichem "Werth, dessen Besitz uns mit Freude und Stolz erfüllte, und dessen reichen Inhalt eine ganze Welt bewundernd und ohne Rückhalt, ohne Bemängelung und ohne Neid anerkannte. Br. Herrmann Staub ist von uns gegangen! Wie schnell sind diese wenigen Worte gesprochen, aber welch eine Fülle von Schmerz und erdrückender Trostlosigkeit bergen sie, — welch ein Reichthum von edelster Menschenfreundlichkeit, Mannesehre und Pflichttreue, welch ein hohes Maass von Edelsinn und den herrlichsten Eigenschaften des Geistes und des Herzens aber trägt der blosse Name in sich. Und dieser Name spricht nicht nur mit rühmenden Worten von dem innern Wesen «ines seltenen Mannes, sondern er wird immer, auch in gleich starkem Masse uns dessen liebe Erscheinung gegenwärtig halten, mit der die schaltende Natur ihn ausgestattet hat. Unvergessen für immer bleibt der freundliche Blick seines treuen klaren Auges, unvergessen das gewinnende fast kindliche Lächeln dieses klugen und so beredten Mundes, unvergessen dieses mächtige Haupt mit dem bartumwallten Antlitz und unverwischbar dem Gedäcktniss dessen imposante und-vornehme Gestalt. - " / - Und diesem Manne, ausgezeichnet durch alle inneren und äusseren Vorzüge, ihm, dem in Wort und Schrift von den Berufensten Ehre und Ruhm in das Grab nachgeklungen sind, ihm soll ich, und aufs tiefste bewegt, das Wort des Abschieds widmen uns sein Bild nochmals vor Äugen führen! — Wahrlich! Eine Aufgabe'mehr als'übergross, deren Uebernahm« allein der Drang brüderlicher Liebe zu rechtfertigen vermag, aber auch der Gedanke an den Dahingegangenen, dem es einzig nur auf Wahrheit des Empfindens, auf Wahrheit überhaupt ankam, nicht auf das Wort allein-^sondern wie sich dieses Empfinden und Denken zum Ausdruck brachte. - Wie hätte es auch anders sein können, bei ihm, der bei allem Hinreissenden seiner Rede, bei allem. Geistessprühenden seines Wortes und der Schärfe seiner Gedanken eine fast naive Reinheit seiner Seele und im Denken sich bewahrt hatte, dessen Grundzüge sich so wohlthuend und gewinnend, in 'seiner hervorragend liebenswürdigen, Art kund gaben. Bei ihm war nichts Gemachtes, nichts für den gesellschaftlichen Verkelir Erkünsteltes, sondern seine Güte, seine Liebe, seine Milde war die Darbietung seines wahren, inneren Wesens. So gab er sich der Welt, so seiner Familie, seinen Freunden, seinen Collegen, so gab er sich auch uns, — gegen sich selbst aber von den strengsten Anforderungen, die ihn aus kleinen Anfängen denn auch bald genug zur Höhe emporhoben, die alle — alle, die ihn kannten, ihm neidlos. und freudig gönnten. Von der vollen Liebe seiner Angehörigen und Collegen getragen und unermüdlich in seiner Hilfsbereitschaft, ^für uns das volle Abbild eines vollkommenen Bruders in Rath und Tliat, ein Mann mit offenem Herzen und offener Hand,''hat er für sich selbst nur wenig au Bedürfnissen gekannt, war er von fast erstaunlicher Bescheidenheit in seinen Ansprüchen. Und gegenüber dieser Milde, dieser Weichheit, dieser Entsagangsfähigkeit, — welch eine Energie des Widerstandes da, wo es galt für das einzutreten, was er für recht und gerechtfertigt hielt! Wie wäre er da jemals zurückgewichen vor dem höchsten ihm an Rang und Stand Vorgesetzten! Wie hätte er sich jemals d«ssen Gunstbezeugung erkauft durch ein Opfer seines Denkens und Empfindens? Weit entfernt von allem Ehrgeiz und Streberthum' hat er sich von allen bedingten Anerbietungen' abgewandt und ist immer der lebensfrohe, heitere Und gesellige Maan geblieben wie vorher, — wahrlich, einleuchtendes Beispiel, eine ernste und eindringliche Mahnung für diejenigen, die mit leichtem Herzen über die Ehre und das Geheiligste sich hinwegsetzen um des Vortheils willen. . Und solchen Mann mussten wir — ach — musste die Welt so früh verlieren! Wie so wenig können wir uns in "den Gedanken hineinfinden, dass das Schmerzliche dennoch wirklich geschehen, — so wenig, wie wir Anfangs glauben wolltenr' dass die Nachricht, der starke und kräftige Mann sei von Krankheit befallen, eine ernste Bedeutung habe; wir waren überzeugt, und mit aller Sorge und allen Herzenswünschen um seine Genesung, dass er sich bald wieder durchringen und schnell gesunden werde. ( Aber Tage um Tage vergingen, immer trüber wurde, was wir hören mussten. Nicht die Kunst der Aerzte, nicht die Kraft des südlichen Klimas wollte mehr nützen, und als man zum letzten Mittel greifen Wollte, das er selbst ruhig und gefasst gewünscht, da brach seine Lebenskraft und am Vormittag des zweiten September, jenes verhängnisvollen Tages für Alle, die ihn gekannt, geehrt und geliebt, sank er dahin in der Blüthe der Jahre — und am darauf folgenden Montag standen wir mit Hunderten und Aberhunderten an seinem Grabe, die mit uns trostlos waren 'üjier den ungeheuren Verlust den die wissenschaftliche Welt, den seine Familie, seine Freunde, den wir erlitten haben. Wäre es noch nöthig das Wort „von ungeheuren Verlust ' zu begründen? Ist nicht seih Ruhm.weit über die Grenzen Deutschiends gegangen? Wer kennt nicht jenes Werk, das ihn berühmt gemacht und wer" wüsste nicht von seinen Schriften, die bei der Behandlung juristischer Fragen nicht zurück schreckten vor der schärfsten Kritik der Regieruugsmaassnahmen und gerichtlicher Urtheile? . Ueberall, wohin wir auch-blicken: Mannesmuth und ehrenhafte Gesinnung! Und beide willig in dem Dienst für Wahrheit und Recht und als die treuen Begleiter einer unermüdlichen Arbeitskraft. Treu und zoverlästig und bewährt

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