Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 7 - Oktober
- Date
- 1904-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jede Stufe der Leistung und jede Stufe der Anerkennung erstiegen, an der Bahre eines solchen Mannes, da fühlt sich das Herz eigentümlich bewegt, es fühlt sich freilich durch den grossen Schmerz ergriffen, aber doch auch wiederum wunderbar gehoben und beschwichtigt. Gewiss, unser Br. Staub, er ist im besten Mannesalter gestorben! Wieviel des Guten hätte er noch wirken, wieviel des Nützlichen noch schaffen können; mitten in der Arbeit ist sein Leben entzweigeschnitten, viel zu früh für uns und für Alle! Aber er ist doch nicht so früh gestorben, dass. er nicht noch das Glück gehabt hätte, seü>ü Ruhm selbst zu erleben, er ist doch nicht so früh gestorben, um nicht noch selbst sehen zu dürfen, wie seine Arbeiten wirken und fortleben. - ' Und noch eins! So gross auch unser Schmerzist, durch ein Gefühl wird an dieser Bahre selbst der:tief-e - Schmerz übeitönt, nämlich durch das stolze Gefühl, dass wir an dieser Bahre ausrufen können, dieser geliebte, grosse Ton-, er war unser. Ja, er war unser, nicht bloss dadurch, dass er an uns die Beiträge zahlte und in unseren Mitgliederliste geführt wurde, sondern er war unser mit seiuem ganzen Empfinden und Denken, dessen bin ich lebendiger Zeuge. Er w. unser durch den Gedanken, dass es am Ende aller Enden die Aufgabe unseres Ordens .ist, dahin zu wirken, dass jei. j Mitglied sich bemühe, der religiösen Gesammtheit, der er angehört, Ehre zu macheu. Er war unser in dem Empfinden, dass sehon die Ehre jedem Menschen gebietet, bei den Seinigen zu bleiben und dass es namentlich Pflicht und Ehre dei-r ist, die trotz ihres Judenthums hoch hinaufgestiegen sind in socialer Stellung, in Fähigkeiten und Leistungen, dass eis gerade Pflicht derer ist, bei den Ihrigen zu bleiben. Das vor Ihnen, hochgeehrte Tranerversammlung. auszusprechen, ist mir ein Bedürfnisse L'nd dass ich es ansprechen darf in Gegenwart unseres gemeinschaftlichen Lehrers, des hochverehrten Rabbiners Dr. Rosenthal ist tnir eine Genugthuung. , Freilich eine grosse Klage ist au dieser Bahre am Platze, eine bedingungslose Klage, eine Klage ohne jede 1 Trost. Das ist die Klage um uns, um-diejenigen, die ihn verloren haben und die er zurückgelassen hat. Wir, seine Brüder. >tehen tieferschüttert an dieser Bahre mit der bangen Frage: Wie lange wird es dauern, bis ein Mann wie er mit den reichen Gaben des Geistes und des Herzens wieder aufersteht in einem anderen, gottbegnadeten Menschenkinde. Tieferschüttert fragen wir. wie lange wird es^ dauern, bis wieder «in Sohn unserer religiösen Gemeinschaft durch sein ganze* Leben so deutlich und so vornehmlich aller Welt es verkünden wird, dass unsere Ordensaufgaben der ganzen Menschheit geweiht sind und dass wir bis auf die religiöse t.'eberzeuguug ganz und gar nichts Besonderes und nichts Eigentümliches für uns in Anspruch nehmen und dass diese, unsere religiöse I eberzeugung uns nicht nur nicht hindert, sondern uns gebietet, uns zu betheiligen an Kunst und Wissenschaft, an der Liebe zü Kaiser und Reich, au allem Edlen und Schönt-:,, das die Menschheit erfreut. Das ist die bange Klage, die'uns heute, erfüllt. Deshalb kennen wir auf die sterblichen Ueberreste des.grossen und-guten Menschen nicht ohne tiefste Rührung, nicht ohne tiefste Bewegung blicken. Aber, meine lieben Brüder, wir w ollen auch auf sie nicht blicken ohne innere Anregung und ohne inneren Nutzen. Nicht nur das Leben eines grossen und güten Menschen ist ein Segen für die Menschheit, sondern auch sein Tod, wenn wir auf die Mahnstimmen, die uns aus dem Leben dieses Mannes entgegentönen-, hören und wenn wir, sie gehört, a^uch nützen. Die Mahnstimmen aus dem Leben unseres grossen Br. Staub, sie sollen es uus zum Bewusstsein bringen, dass, wenn es auch nicht Jedem beschieden ist. bis zu einem hohen Grade von Leistungsfähigkeit zu gelangen, es doch Jedem möglich ist, durch Pflichttreue und rastloses Streben zu einem schönen Ziele zu gelangen, dem Vaterlande zu nützen und der religiösen Gemeinschaft, der man angehört, Ehre zu machen; dass es Jedem^auchwenn sein Wirkungskreis noch so klein ist, möglich ist, ein werthvolles Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu sein. I od so gelobe ich auch in Ihrem Namen meine lieben Brüder, dass das Bild unseres Br. Staub in unsere Herzen einziehen und dort fortleben soll. Es soll uns ein Ansporn sein zu allem Grossen (ruten und Edlen, ein Ansporn zur treuesten Erfüllung unserer Bruderpflichten, die wir bei unserem, Eintritt in den Orden feierlichst übernommen haben. Herr Rabbiner Dr. Weisse hat mit Recht von der l'ngerechtigkeit gesprochen, der wir Jaden noch immer ausgesetzt sind. Wenn wir aber alle dem Beispiele, das uns Br. Staub gegeben, folgen, dann hoffen wir, dass doch einmal die Zeit herankommen wird, die wir durch Erfüllung unserer Ordensaufgaben herbeizuführen wünschen, die Zeit nämlich, wo allerseits anerkannt werden wird, dass die Werthschätzung eines Menschen nicht von seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Confession abhängt, sondern nur davon, welchen Einfluss diese Zugehörigkeit auf sein Leben um: Wirken, auf sein Thun und Lassen ausübt. l ud so rufe ich Dir. lieber Br. Staub, namens des gesammten Ordens Bnei Briss unser letztes Dankeswoi* und unseren letzten Abschiedsgruss zu: Dein -Name wird bei uns alle Zeit gesegnet sein. Dein Andenken wird geweilr sein für alle Zeit, zieh» hin, lieber Br. Staub und ruhe in Frieden! P . ■:• . '..V'' i', •■ ' ~~__,_________:_iM- ' ' t. ' i HE/hEkBr13f^tSi*!£&lßSfR&^&¥'4 **- '» .'■' ' * . j » . . *i "■ "4 * 1 .1 Am 12. September veranstaltete die Berthold Auerbach-Loge eine Gedächtniss-Feier, der auch die Witwe um. Waisen des Br. Staub, sowie eine grosse Anzahl Leidtragender anwohnten. Die Beteiligung der Brüder an diesen: Trauerakt war eine allgemeine und auch viele Schwesterlogen hatten Delegirte entsendet, die den herzlichsten Gefühlen der Thrilnahme um den Verlust dieses ausgezeichneten Bruders Ausdruck gaben. Nach einem stimmungsvollen Präludium und Quartett Gesaug hielt Präs. Br. Kr.eslawsky die Gedächtnissrede: Werthe Leidtragende!1 Geehrte Trauer-Versammlung! Liebe Brüder! Nur eine kurze Spanne Zeit ist's her, dass eine trauervolle und von tiefem Schmerz durchzogene Stunde uns an diesJi Stelle versammelte, noch ist das-Auge nicht trocken, noch das Herz bewegt, und auf's Neue ruft uns wieder das Gepot