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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 6 - August
Date
1904-08-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 73 — werden, liier alle die Stadien zu bezeichnen, die dieses Hilfswerk bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt durchgemacht; hier soll nur dargethan werden, wie die in Galizien eingeführte Hausindustrie tausenden jüdischen Familien zum Segen geworden ist. Gegenüber der Behauptung in einer öffentlichen Versammlung, dass die Haarnetzindustrie in Galizien, die früher Tielea Tausenden einträglichen Erwerb brachte, jetzt sehr im Argen liege, ertheilt der Oesterreichische Hilfsverein für Galizien auf unsere Anfrage im Juli er. Auskunft, die zur Berichtigung jener Behauptung hier Platz finden mag: „Wir halten die Ihnen zugekommenen Nachrichten nicht für richtig, indem wir der Ueberzeugung bind, dass uns schon längst aus Galizien Klagen und Beschwerden zugekommen wären, wenn diese Industrie sich dort in fühlbarem Rückgange befände; wir haben aber seit Monaten' auch nicht eine ein?ige Zusein ist über die Haarnetzindustrie von dort erhalten, und zwar weder von unseren Vertrauensmännern, noch von irgend einer anderen Seite. , Es scheint, dass die ungünstigen Nachrichten, die den hochgeehrten Herren zugekommen sind, nicht von Leuten herrühren, die als Arbeiter an dieser Industrie betheiligt sind, und noch viel weniger von Personen, die im humanitären Interesse die Angelegenheit verfolgen; sie dürften^ vielmehr unserer Vermuthang nach von jenen Unternehmern stammen, die bei dem Konkurrenzkämpfe, der durch die Vergrösserung der Zahl der Unterneutaer entstand, sich nicht behaupten konnten. Diese Personen mögen die Urheber jener Nachrichten sein, die dann, von anderen Leuten aufgenommen und weiterverbreitet, au die hochgeehrten Herren gelangt sind. Wir wären ■äber begierig zu erfahren! von welchen Personen Ihnen die ungünstigen Berichte mitgetheilt wurden, um, wenn möglich, deren Ursprung aufsuchen zu können. Es wird sich für uns wohl noch Gelegenheit linden, über dein Stand der Haarnetzindustrie in Galizien selbst Näheres zu erfahren,^ in der nächsten Zeit dürfte uns dies allerdings nicht möglich sein.1 Angeregt von unserm zu früh verstorbenen Expräs. Br. Plotke ist beschlossen worden, Aber die Verhältnisse der Joden in Deutschland genaue und umfassende Erhebungen anzustellen, um zunächst eine Grundlage dafür zu besitzen, wo und wie einzusetzen sei, der Noth auf geistigem, sittlichem, sozialem etc. Gebiete zu begegnen: Später ist eine derartige Er. lebung auf Hessen beschränkt worden; diese dürfte nun binnen kurzem vom Verband für jüdische Statistik durchgeführt werden und sich später auf ganz Deutschland erstrecken. Besitzen wir erst dieses fiberaas werthvolle Material, dann wird von der 1 iesammtheit da geholfen werden können, wo die Hilfe am nöthigsten ist, während jetzt, wo jede zutreffende Beurtheilung der Verhältnisse fehlt, leicht die Kräfte planlos zersplittert und verzettelt werden können, ohne wirklich zu helfen. Aas solchen Erwägungen heraus subventioniert die Grossloge auch den Verband für jüdische Statistik durch Zuwendung von Mitteln uud durch Ankauf seiner Publikationen für jede Loge Deutschlands. I"eher die Anlegung eines grossen gemeinsamen Archivs für die Juden Deutschlands ist im Bericht vom März er. Seite -U—Referiert, und dargethan worden, welch' höh , Bedeutung ein, solches Archiv für die Judenheit hat. Das ist auch allseits anerkannt worden, wie das aus den vielen Zustimmungen hervorgeht, die infolge des Aufrufes eingehen, den der Deutsch Israelitische Gemeindebund gemeinsam mit der Grossloge für Deutschland Ü. O. B. B. zunächst an die Gemeinden erlassen hat. , Die Kosten lür die Errichtung und Durchführung dieses Archives, die zur Hälfte vom D. I. Gi B., zur anderen Hälfte ,vön der Grossloge für Deutschland getragen werden, „belaufen sich für das erste Jahr auf Mk. 5000. Zu Mitgliedern des' Comites für das Archiv sind gewählt worden die •Herren: , Prof. Dr. P h i 1 i p p so n, Vorsitzender des D. I. G. B. Alfred Levy, Vorstandsmitglied der Synagogen» gemeinde Hamburg. Pro*. Dr. WarschaueiyArchivrat in Posen. Prof. Dr. F ei i x L i e be r m a n n in Berlin. Prof. Dr. Ludwig Geiger iu Beiliu Ferner folgende Mitglieder des < »rdens: Justizrath T i m e n d o i f e r, Dr. Z i v i e r - Pless, Dr. Blau- Frankfurt a M.. E m i \ Sachs- Breslau, Justizrath Offner - München, Dr. Karpeles, Dr..E 1 bogen nud A d.-Mayer-'-. Berlin. Auch über die Schaffung einer jüdischen Jugend litteratnr, die von der Vollversammlung der Grossloge im Februar er. beschlossen worden, geben die Berichte der Grossloge in mehreren Artikeln Aufschluss. Seit einer Reihe von Jahren wjrd der Mangel einer, solchen Litteratur von massgebenden Seiten, wie Rabbiuei verbänden, Lehrer¬ und Litteraturvereineu etc. -lebhaft beklagt, trotzdem haben diese Corpofationen den fühjbaren Mangel aber nicht zu beseitigen vermocht. Nun hat; der Orden, in Deutschland sich die Schaffung einer jüdischen Jugeudlmeratur zur Aufgabe gemacht, und er wirdsie hoffentlich auch glücklich , lösen, denn die Persönlichkeiten, die dem für diesen Zweck eingesetzten Comite angehören, .erscheinen hierfür überaus geeignet, und siud vou der Wichtigkeit der Aufgabe überzeugt. Diesem Comite, das im Oktober er. zu gemeinsamer Bei atung zusammentreten wird, gehören folgende Brüder an: Dr. Heinemann: Frankfurt a. M., Richard1 Kaufmann - Stuttgart, Dr, Spanier- Magdeburg; Dr. Adler- Frankfurt ä. M., und aus Berlin die Brüder Dr- Kar p e 1 e s, Dr. E s c h e 1 b ä c Ii e r und Dr. E1 b o g e n . ■ •;• Die Jüdische Toynbce-Halle der Berliner Logen wird wohl schon gegen Ende September ihre Pforten öftuen, und nach Erfahrungen, die mit der" gleichen Einrichtung in Wien, Mannheim und Hamburg gemacht" worden, darf auf eirie segensreiche Wirksamkeit dieses.Institutes auch iu Beilin gerechnet werden. Wer sich yergegenwäitigt, dass mit diesem Unternehmen dem ärmsten Teil unse.ier Glaubensgenossen nach schwerer redlicher Tagesarbeit vornehme Zerstreuung, geiziger Genuss, Ablenkung von Sorge und Kummer, sowie)Gelegenheit zur Fortbildung geboten weiden" oliue irgend welche Gegenleistung, der wird den vollen Wert des Unternehmens auch würdigen,und ihm seine Sympathie zuwenden. Die Ei l ichtuug und Erhaltung der jüd. Toynbee-Halle in Berlin, die jährlich eine Aufwendung von ca. Mk. 10 OÖO erfordern, haben die Berliner Logeu übernommen, sie erwarten jedoch, dass ihnen für diesen Zweck reiche freiwillige Spenden zufliesseu, und

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