Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 5 - Juni · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 5 - Juni
Article
Beilage zu Nr. 5
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal additional
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4864325-6028963-6074091-6074092--0726-4864888
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

£_^ von der P.rhabenheit Gottes, nicht aus alltäglichen Melodien zusammen gewoben, wie die Lobpreisungen der Freunde, sondern ein düsteres Klagelied, aus den dunkelsten Tiefen des eigenen zerschlagenen Herzens 'aufsteigend— Die ganze schöne lachende Gotfeserde scheint von undurchdringlichen Gewitterwolken umzogen, Gewiss ist der Herr gross und erhaben : aber in seiner blossen fc'.rhabcnheit. in seiner von den Freunden gepriesenen unbedingten Gerechtigkeit liegt für die' .Menschen nur der Tod, die Vernichtung, aber kein Trost' in diesem Leben, das ohnehin mühselig genug ist. - In dieser Klage verwünscht Hiob nicht , mehr den T-ag seiner Geburt und verflucht nicht mehr sein Leben; sondern et wünscht das ehemalige Glück, den ehemaligen Frieden wieder herbei; Hiob kla^t nicht mehr um sein körperliches Leid, sondern um die Zerrissenheit der Seele.- die nicht mehr zu Gott aufbklicken kann, wie ehedem. ' „ Hier aber beginnt nun auch der Umschwung, bereitet sich die Lösung vor. - Hiob wird die Antwort auf-sein verzweitlungsvollcs Ringen nach Wahrheit! Dem bisherigen Kampfe hatte ein Jüngerer beigewohnt. Klihu, dem die Sitte nicht gestattete, sich in den Streit der Aelteren einzumischen (was tief in «ter morgcnländischen Anschauung begründet liegt , undder daher den •Ausgang der Verhandlungen abgewartet. Jetzt. wo die Vertreter der strengen Vergeltungslehre * , _ «. j verstummt sind und auf ,die Gegengründe Hiobs nichts mehr zu erwidern haben, wo Hiob selbst" dem Menschen äffe höhere Krkenntniss abgesprochen, und dennoch hiervon unbefriedigt und. unbewu.sst sich selbst^ widerlegend; die Frage nach den Motiven Gottes von Neuem klagend aufgeworfen, jetzt tritt Elihü auf,' um sie alle zu widerlegen, das Wahre bei ihnen herauszuziehen und den höheren Gedanken auszusprechen. Kr widerlegt die ,i Freunde, die. in eine falsche Deutung der Weltordnung verrannt, Hiob nicht antworten konnten und ihn deshalb als Sünder brandmarkten; aber er widerlegt auch Hiob, der sich selbst vor Gott gerechtfertigt glaubte, doch über Gottes Thun ihm gegenüber Rechenschaft zu fordern sich vermass. Recht sinnig ist es vom Dichter, die Begründung der neuen Lehregerade dem Klihu in den Mund vr\\ legen, dem Vertreter derr Jugend, der. aus Hiobs Erfahrung die richtigere (Jonsequenz herleitend, mit Keuereifer die alte dogmenerstarrte Vcrgeltungslehrc bekämpft und der Weltanschauung der Zukunft Bahn bricht. Welches ist nun dieneue L e h r e , d i e K I t h u a u s s p r i c h t? Unendlich erhaben ist Gott, unendlich vollkommen seine Natur; aber der Einsicht der Menschen ist Gottes Walten, ist das innerste Spiel der Naturkraft. <* entrückt Wenn wir in piner klaren Winter nacht zum Sternenhimmel aufblicken, oder oben auf einem Gipfel der Alpen den Sonnenaufgang bewundern, oder wenn die ^erhabene Einsamkeit des Meeres unsere Sinne gefangen nimmt, so durchzieht uitsre aiffathmendc Brust die Ahnung von der Vollkommenheit der Natur, in der Alles wunderbar harmonisch geordnet erscheint. Und doch, innerhalb dieser Natur, wie viel einander -Widerstrebendes. Feindliches, anscheinend Zweckwidriges! Der" Kam])!" der entfesselten Klemente.-ein Cyklon, eine Sturmfluth, die Eruption eines Vulkans und blühende Länder sind in Einöden verwandelt! Der Kampf der Thiere, die - doch auch Geschöpfe Gottes — .sich gegenseitig zerfleischen, der Kampf, den der Mensch führt mit den wilden Naturkräften und endlich der noch schrecklichere Kampf, in dem die Menschen mit ihren Leidenschaften, mit Hass, Neid. Rachsucht nnd schrecklichen Begierden s'd' gegenseitig vernichtend W arum lässt Gott es zAi. dass so seine Geschöpfe, eines das andere ins Verderben stürzen"' Ist das die Harmonie in der Natur? Nun Klihu gibt lins die Antwort: .„Siehe sagt er, „Gott in seiner Kraft ist hoch erhaben! W er schreibt ihm seinen Wandel vor.' .Betlenke, dass Du sein Thun erhebest, das Menschen preisen Sieh..Gott ist gross, wie unbegreiflich, und seiner Jahre Zahl, wie unerschöpflich! "So zieht 'er Wassertropfen auf. geläutert werden sie . zum Regen in dem Nebel : dann träufeln aus den- Wolken sie und rieseln auf der Menschen Menge. Doch wer versteht des Gewölkes Spannung, da~ Krachen seiner Hütter Sieh, darinnen breitet ei Feuer aus. indess des Meeres Wurzeln er verhüllt Das Weltall ist eine,.Harmonie, aber es i-i keine Maschine. Würde jedes einzelne Element jedes Geschöpf Gottes, in all' seinem Thun und Lassen sich nach Gesetzen richten müssen, die ihm von Gott eingepflanzt sind, so dass es nicht anders könnte, als ihnen folgen, ebenso wie die Sterne unwandelbar in ihren Bahnen kreisen wie kalt, wie starr und öde wäre dann das Weltall Zwar wäre die äussere Harmonie vorhanden, jedes Geschöpf würde thun, was es soll aber nur. — 82 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.