Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Article
- Beilage zu Nr. 5
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal additional
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4864325-6028963-6074091-6074092--0725-4864887- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mitte zwischen ihnen kr Vertreter der dienen Lehre.' Und in der steht Hiob, <ler zwar, gestutzt auf <lie eigene bitteile Erfahrung*, die alte Lehre siegreich Widerlegt, aber über dieses Negative nicht herauskommt, sondern nur noch die sehnsuchtsvolle frage aufwirft nach dem. was an die Glaubens treten soll, nach der dann von El ihn verstelle des zerstörten «lern heuen Glauben aindet und von Gott selbst bestätigt wird. Prächtig gezeichnet sind die Gestalten der .! Freunde« diese guten das einem Man milss sie kennen gelernt haben, Freunde in einem grossen Unglück. das Her<r zerrissen hat. mit ihrem billigen Tri st und. ihren noch billigeren Vorwürfen. Starr und lugisch ziehen sie die Consei[uenz aus den Leiden Iiiobs. „Gott ist gerecht, das ist unzweifelhaft; daher belohnt er die Guten und bestraft die Rosen'. Je hoher die Tugend, desto schöner der Lohn, je grosser die Sündhaftigkeit, desto schlimmer die Strafe. .,Auf Dir. Hiob, lastet, sichtlich Gottes strafende Hand; ergo musst I lu schweife Sc uild auf Dich geladen haben, bist ein grosser Sünder! Natürlich schlummert dabei der Nebengedanke in ihnen : da wir nicht dieses Unglück haben, so sind Avir eben so viel * tL - '- ' besser als Du. Ks sind die typischen Vertreter der alten Sklavenmoral : Sei artig, dann bekommst Du ein Zuckerbrod,'so Du aber Böses thust. die Peitsche. Alle drei sind von gleicher .Selbstgcrechfigkeit und Herzlosigkeit »erfüllt : bei Jedem aber nimmt die innere Falschheit eine ändere ■ L; Maske'an : In pathetischen Worten preist Lliphas die Macht (iottes, der niemals einen Unschuldigen träfe. Bildat. nüchterner angelegt, weist Hiob des Lebenshin. Mit taktd'abei an die heiligsten Krinnerungen des Helden: „Dein. Vater. Deine Mutter. Deine Kimltr waren allzumal Sünder, sie alle sind durch Gottes Strafgericht umgekommen.'' Auf wesentlich gleichem Standpunkte steht Xoph.n , dessen Hauptgründe im Schreien und Poltern bestehen: .AVenn Du Dein Herz zurechtstellst, und I >eihe 1 lande zu ihm ausbreitest, und alles Böse von Dir entfernst und nicht im Zelt der Uebelthäter verbleibst, dann darfst Du Dein Angesicht wieder erheben zu ihjm." Und wenn Hiob seufzt: „Ich bin zu hart bettraft", so hat Zopbar keine andere Antwort als lie: „Noch lange nicht hart genug!1" v . *> . Damit hat die! eifernde, trommelnde Herzlosigkeit ihren Gipfel erreicht. Einei Eltligung - :■ ' ' . ■-. —■m auf <lie Erfahrungen loser Hand führt er zwischen diesen Philistern und dem warmblütigen, starken, ob der Grosse des eigenen Unglückes schaudernden Helden ist ausgeschlossen. Mit seinem durch das Leid verfeinerten Gefühl erkennt er die' ganze l'nhaltbarkcit ihrer Theorie. Ja. ruft er mit bitterer Ironie aus. wahrlich, Ihr seid die Leute, mit denen einmal die Weislwit absterben wird! Und jetzt geht I hobvon der Schilderung dessen, was er unschuldig -leidet, dazu über, wie dagegen so manchem Sünder das Glück "lächelt, w.ie so häufig «lie Schwachen unter: r drückt werden, wie die grossten Unth'aten., Mord. Diebstahl und Ehebruch geschehen, ohne dass'-" Gottes ' Strafgericht sich offenbart,, die 'Thütcr vielmehr kein anderes Schicksal haben,' als die frommen. Diese Ausführung ist so.schlagend und zerbricht den Hoden der'Geguer sogäiyJrich. dass. der zweite Freund nur noch -den Versuch macht, auf die Sündhaftigkeit a .1 l e r- Menschen hinzuweisen '- welche natürlich das_-Glück der Frevler am 'wenigsten« rechtfertigen kann:'! '.Die anderen beiden sind ganz.lich verstummt. \\,'enn-' die 3 Männer dein frommen Hiob eine besonders grosse, schwerwiegende, im Verhältnis« zu seinem Leiden stehende Schuld andichten wollten, dann haben sie gegen ihr'besseres Gewissen, um ihreni beschränkten Gottesbcgriff zu retten; der W'-ähr-, | heit und damit dem wahren Gölte.,Ins Gesicht j geschlagen. Sieghaft erhebt sich die Erkeiintniss. dass das Leben sich nicht bewegt in 'alltäglichem' mathematischen Aufrechnen von -Thun junid Folgen. Aber was ist dehn der. Gr im d, ■ weshalb ich leide ': So brennt jetzt die Frage iu> Iiiobs Inneren!.; Er kann sich nicht .damit abhülfen, dass die höhere Erkenntnis«-deitr .Menschen.* versagt sein soll; die Sehnsucht nach einer .positiven Lösung musste nach der Vernichtung seiner Gegner um so stärker in ibjm erwachen : durch ' diese hat er nur sich selbst.'-' sein eigenes L : ' _ " . ";* sittliches Bew ussfsein gerettet, aber - Jp'n d d tt s-.' ist der Fall d e s Helden seinen Gott ■ hat er verloren; der alte Glaube'-an: den bloss vergeltenden Gott ist besiegt, aber die riqric. Gotteslehre noch nicht gefunden. , Hiob findet keinen Rath, keine Hülfe; er glaubt in. seinem eigenen Leid den Jammer der ganzen Welt .zu - fühlen, „Der Mensch, vom Weib gebi*ren. 'lebt' kurze Zeit und ist voll Unruhe, er geht auf wie eine Blume und fallt ab. (lieht wie ein Schatten " und bleibt nicht." Und da stimmt nun auch er ein Lied an von der Erhabenheit Gottes welches den Höhepunkt des Dramas bezeichnet! ein L"eÖ