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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 5 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 5 - Juni
Article
Beilage zu Nr. 5
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Lieber das Buch Hiob. Vortrag ('es Br. J. S h'n db e i m Hörde, gel Sie Alle haben v< »n den Fragen gehört: welche vor Kurzem anlässlich der bekannten Delitzscben Vortrage an * ..Bibel und -Habel" Bich knüpften and eine Zeitlang so "eifrig erörtert wurden von Gelehrten und I-aien. von Theologen und. Alterthumstorschern: Fragen, zu denen auch der deutsche Kajser öffentlich Stellung nahm, indem er gegenüber den Folgerungen, welche sich aus den Entdeckungen der Assyriologen ergeben, seinen religiösen Standpunkt darlegen zu sollen glaubte. Zweitellos zeugen die Ausführungen des Kaisers in seinem, berühmten Briefe an den Adnüral Holtmann -von_eirier hohen religiösen und idealen Gesinnung: mit ihnen stellte sich der Kaiser auf eine unendlich -höhere Warte, als Jene buchstabenglaübigen Theologen. welche über Delitzsch Zeter and Mördio schrieen, und-denen sich auch vereinzelte jüdische Stimmen beigesellten. Noch heilte gehen die Wogen des Streites, hodr und ängstliche Gemüther glauben noch. immer. durch Delitzsch die Religion im Allgemeinen u!i<E die jüdische Religion im Besonderen gefährdet Aber weder Delitzsch nc'cltsonst einem Assyrischen Forscher ist es eingefallen, die Religion' anzugreifen. ' Delitzsch hat eine Binsenwahrheit ausgesprochen, wenn er ausführte, da^ Manches, was die Bibel, insbesondere f-tlas alte Testament enthalt, im Schriftthum andcre'r VölEer wiederkehrt, "der schon früher als die * -r^- ' i>ibei dagewesen ist. Die Assyrische und 'andere Forschungen haben das wenigstens theilweise schon lange vor Delitzsch unwiderleglich nachgewiesen. Nur waren diese wissenschaftlichen •» i Ergebnisse .noch nicht hinausgedrungen aus der .Arbeitsstubeder Gelehrten, in welche die grosse QeffentlicJikehVso selten einen Einblick, versucht. Erst als diese Ergebnisse. ,v< n einem gewissen äusseren Aufputz umgeben.' Vor d.is Publikum traten und in alle Welt hinausposaun; wurden. als sie gar durch da*"Interesse gekrönter Häupter noch ein besonderes Relief erhielten, da wurde der Stoff actuell. die Parteien nahmen Stellung, - * ' man spricht schon von einer ..Revolution der Religion" - eine hochinteressante -Novit it. ■ Nun. soweit sind wir noch lange nteilt Mögen jene Gelehrten bei den Baby Ion ieni und. anderen Völkern immer mehr Anklänge an biblische Stoffe entdecken — sie erwerben sich daalten in der Märkischen Loge zu Dortmund. durch auch gerade um die biblische Wissenschaft ein unschätzbares Verdienst, da s o manche dunkle Stelle der Bibel aufgehellt, manch biblische Streitfrage der Lösung näher gebracht wird, - mögen sie nachweisen, dass die meisten der tn der Bibel enthaltenen Sagen auch andern Völkern eigenthümbch sind : irgend eine Beeinträchtigung der wahren Religion ist davon nicht zu befürchten, und dem Werthe. welchen die Bibel als Religionsbuch speziell für uns Juden hat, kann Babel niemals Abbruch' thun : im ~Gegentheil. grade durch den Vergleich mit Babel lernen wir den einzigartigen religiösen Geist, mit welchem die Bibel jene' auch anderen Völkern eigentümliche Sagen erfüllt.- und von welchem die ganze Bibel durchdrungen ist. erst recht schätzen und verehren und immer von Neuem bewundern. 1 : Lassen Sie mich an einem Buche der Bibel. soweit das meine bescheidenen Kräften erlauben. - darzulegen versuchen, in welcher Weise dieser eigenartige religiöse Geist zum Ausdruck gelangt. Ich wählte das Buch Hiob einmal weil esmit die tiefsten religifJs-philosophischcn Gedanken auf rollt, sodann aber auch, '-weil es zugleich in der künstlerischen I "rm der Darstellung besonders merkwürdig ist. Da- Buch i>t riürrdicll eine dramatische Dichtung, eine der ältesten der Weltliteratur. Allerdings kein Dr.fina im heutigen Sinne, kein Bühnenstück: Einleitung und Schluss sind vielmehr •"erzählend gehalten und auch im Dialog werden die Personen nicht unmittelbar redend eingeführt, sondern es heisst immer am Eingang .T'nd er huh .an und redete" ..End Hiob th;rt den .Mund auf und sprach". Aber der Verfasser! ist dem Drama als Kunstform:-so nahe gekommen«, wie es. zur damaligen Zeit nur wWg+ieli war. Der ganze . Aufbau, die fortgeführte/Steigerung der Handlung, ist dramatisch : und innerhalb dieser dramatischen Entwickelung sind schon die einzelnen Teile zu erkennen, aus welchen nach den später von Aristoteles gefundenen Grundsätzen das Drama besteht. Die Exposition, das sogenannte erregende Moment, der Höhepunkt, die Peripetie und die schliessliche Losung. Welch eminent dramatischer Stoff in diesem Buch Hiob enthalten ist. das beweist schon der Umstand, dass der grösste deutscht Dichter. Goethe; ihn zum Vorwurf seines grössten

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