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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 5 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 5 - Juni
Article
Beilage zu Nr. 5
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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aufhören, grossere Leistungen werden hervorgehen, die allgemeinen Gesichtspunkte?werden mehr in den Vordergrund treten. Die jüdischen Frauen werden mehr wie bisher sich an socialer Arbeit und VVohlfahrtsbestrcbungen grossen Stils betheil igen, «las Interesse an diesen Arbeiten wird in weitere Kreise dringen und /ahlreiche Frauen, die bislier aus Gleichgiltigkeit uifd Unkenntnisder Frauenbewegung abseits' gestanden haben. werden ihr zuströmen. . ■ Sicher bestellen sehr viele, jüdische Frauenvereine, in Berlin selbst mehrere, mit den verschiedenartigsten Zielen und Aufgaben, die alle gewiss löblich und iiothwcndig sind, aber sie haben keine Kenijtniss von einander, keine Fühlung zu einander, ihre Thätigkcit ist lokal begrenzt? ihnen -mangelt der grosse, weite Gesichtspunkt, ihre Wirkungen mussten beschrankt bleiben. Das soll kein Vorwurf sein, sie, haben gewisslich Alle das Beste gegeben, von den besten Absichten geleitet. Aber die neuere Auffassung socialer Pflichten sieht nicht das Allheilmittel gegen sociale Schäden in der- Verabreichung von (ield. sondern in der werkthätigen Aufhülfe der Sinkenden, in der Erhebung der Unglücklichen zur wirthschaftlichen Arbeit, in derStärkung des hygienischen und sittlichen Zust.indes der Menschen. Die neuere "sociale Arbeit erlordert grosse Organisationen, weit verzweigte, über das ganze Land ausgedehnte Verbände, um systemathisch nach vereinbartet) Grundsätzen und festem Arbeitsplan vörzugelieh. Die gemeinsame Arbeit wird dadurch erleichtert und bringt den Schützlingen, der Fürsorge bedürftij+en Kindern und Frauen, weit mehr Stütze und Hülle als jede isolirte Thätigkeit. der Erfolg gemeinsamer Arbeit ist ein ungleich grösserer und nachhaltigerer. Den in socialer I lülfsarbeit stehenden Frauen wird die Gemeinsamkeit durch periodischen Austausch der Erfährungen und wiederholte Aussprache über sociale Probleme und Maassnahmen unendlich viel mehr Befriedigung veischaffeni sie mehr und mehr aneifern, ihr Urtheil schärfen, ihren Gesichtskreis erweitern. Und es ist hohe Zeit »und uiiabw eislich iiothig. dass <lie jüdische Frau sich mehr den soeiaien jdeen zuwendet. In dieser Hinsicht hat die jüdische Frau noch viel /u lernen und noch mehr zu thun. Die jüdische Frau steht noch unter dem Kinflusä und der Gewohnheit des patriarchalischen Verhältnisses, unter dem sie bislang gelebt. Sie muss ihre Anschauungen corrigieren und über, die eigene Familie hinaus sich um che Anderer iu der grossen Menschenfamilie kümmern; Sio_ (auss Pflicht und Verantwortlichkeit über <Tre eigene Familie hinaus übernehmen; sie muss an""sah und Anderen ^arbeiten zur Heranziehung "der. Frau für die. Erfüllung socialer Pflichten, zur Erziehung des Weibes zum freien Menschenthum.- Nt . ■ Ü>* ■ " Man glaube nur ja nicht, dass ich damit der Absonderung unserer Glaubensgenossen '«las Wort rede. Die Zeiten sind längst vorüber, wo manl *in jeder Vereinigung jüdischer Männer oder Frauen eine Abschliessung gesehen und eine Minderung unseres Ansehens fürchtete. Wir ' begrüssen es freudig, dass unsere. Glaubensgenossen. Männer' und Frauen» sich an allen öffentlichen und privaten Wohlf.ihrtsbcstrcbaingevi ^bcthcilrgcn. mit ihren christlichen Nachbarn uiur Mitbürgern gemeinsam zum Wohle aller Bedürftigen arbeiten, dass sie den grossen socialen Vcrbäi neu ihre Kräfte und Erfahrungen zur Verfügung sl jMen/.' Ja," wir würden es für ein grosses Unglücl halten, wenn diese Mitarbeit aufhören würde. Was' ist einfach ■ -r C ' ■ - patriotische Pflicht. Aber die jüdischen Frauen haben noch eine besondere Pflicht ihren Gla'ubcnsgenossen gegenüber. Gleichwie ■map! den-evangelischen und katholischen l'r.iucnvercinen eine innere Berechtigung nicht absprechen kann, sollte man es auch den l'nsrigen nicht thün, . In der wirtschaftlichen Noth leiden unsere Glaubens/ genossen mehr als die anderen, und zur Hebung des geistigen und ethischen Niveaus^können .und .müssen die l'nsrigen am besten helfen. Darum halte ich es auch für euv .unumgängliches" JEK forderniss. dass der eben gegründete' Verband sich dem Bunde. Deutscher I Valien vereine . anschliesst. Das müsste eine der ersten Handlungen des Vorstände» sein, er würde .damit bezeugen, dass er nicht bei Scitb stehen, sondern.sich in <len Kähmen der Allgemeinheit einfügen will. Das Unterbleiben des Anschlusses würde jeh 1 für einen schweren, kaum gut zu machenden Fehler halten, es würde den Verdacht der Sonderbündelei mit Recht erwecken. Welches sind nun die Aufgaben, du; dem jüdischen Frauenbünde zufallen dürften? Die sociale Fürsorge ist sehr ausgedehnt/ hat'-ein weites Ciebiet. sie erstreckt sich durch das" ganzei ■ . Leben des Menschen von seiner Geburt bis Über «las (irab hinaus. Zunächst 'müsste/der 'Vor-' stand sich über die bestehender) Vereine, ihre - 26 -

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