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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-06-01 · Nr. 5 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 5 - Juni
Date
1904-06-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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^Menschenrechte, brachte die französische Revolution mit dem von uns in die Welt gesetzten Begriff der Bruderliebe — welch wunderbarer Kreislauf der Dinge — auch den Juden die ersehnte Erlösung von jahrhundertlangem Drucke. Meine Herren! Das dritte "Wort, das uns voranieuchtet, es ist die Eintracht, die Versöhnung der verschiedeneu Richtungen innerhalb unserer Glaubensgemeinschaft, und wahrlich wäre dieses grosse Ziel allein nicht erstrebenswerth genug? Die Streitigkeiten, die früher die Bekenner unseres Glaubens trennten, sie haben durch die Logen # fast ganz aufgehört, so dass sich das Judenthum den äusseren Feinden gegenüber als eine feste Eintracht darstellt, und freudig muss man es anerkennen, dass Reform und Orthodxie. ohne dass sich ihre l eberzeugung geändert, oder .dass sie auch nur das Geringste davon nachgelassen hätten, in Frieden miteinander leben. In unseren Logen wie auch in unseren Litteraturvereinen reichen sich Anhänger des alten Herkommens und Vertreter der modernen Refoimen die Bruderhand, einig in dem Bestreben, die gemeinsamen Zwecke zu fördern und so sich zu versöhnen und zu verbinden zu gemeinsamen Wirken undT-Schaffen. / Und noch eins — wo wir immer mehr vereint uns um das Panier unseres Glaubens schaaren, gilt es auch mit immer lauterer Stimme böswilligen Vorwürfen gegenüber zu betonen, dass wir die Begriffe „Bruderliebe und Eintracht!" in echtem alten jüdischen -Sinne nicht nur auf unsere Glaubensbrüder allein, sondern auch auf unsere nicht jüdischen Mitbürger ausdehnen. Wohl vereinigt unser Orden nur Juden zur Ausübung seiner Tugenden, aber getreu der uns^ überkommenen Tradition folgen wir dem Drange unseres Herzens, und fühlen uns eins mW den Völkern, unter denen wir leben, mit deneu wir e i n Vaterland und e i n Gesetz theilen. Jeder deutsche Jude i*>t verpflichtet, und wir wissen es, wie er davon durchdrungen ist. sich als ein volles Glied unseres geliebten Vaterlandes zu betrachten, und wie freudig uud willig er an allen Aufgaben mitarbeitet, die ihm im Dienste der Gesammtheit obliegen. — Auel», auf dem Boden dieser alten deutschen Hansastadt wissen wir. dass die gleichen Gesinnungen gehegt werden. Erst jüngst wurde hier von. erster Stelle aus verkündet, wie man es hier ersehnt, dass die deutsche Flotte noch mächtiger . werde, um den Ruhm unseres Vaterlandes immer mehr hinauszutragen, und auch in diesen Gefühlen des Patriotismus werden sie-in uns Gesinnungsgenossen finden; ist doch die Pflege der Ehre und des Patriotismus eine der wichtigsten Punkte nnseres Ordens. Sie haben dem Wunsche Ausdruck verliehen, Ihre Loge mit dem Namen des Mannes zu verbinden, der in einer der kritischen Zeiten, als schwere Stürme das schwach pulsierende Leben in dem damals so kleinen, jüdischen Gemeinwesen zu verlöschen drohten, durch den Eifer, den er für unsere heilige Lehre zu entflammen wusste, das Judentum erstarken Hess, des Mannes, der dem Judentum jene Bahnen wies, die es, allen Gefahren trotzbietend, losgelöst von der Scholle, durch Jahrtausende hindurch ruhmreich wandeln könnte bis zum heutigen Tage. Fürwahr jene trübe Zeit, da Esra für das winzige' Häuflein der aus Babylon in das Land ihrer Väter zurückgekehrten Juden die geistigen Waffen schmiedete zur Bewahrung der Eigenart seiner von äusseren und inneren Feinden hart bedrohten Glaubensgenossen, gemahnt Sie diese Zeit nicht an die Anfeindungen und Schwierigkeiten, den.-n wir in unseren Tagen auf Schritt und Tritt begegnen? Damals galt es die mit hohen Hoffnungen und jauchzendem Ei - zücken in das Land der Verheissung Zurückgekehrten v;• Muthlosigkeit und Enttäuschung, vor den verderblichen Eiü-: Aussen der Umgebung zu bewahren, Wälle zu errichten gegm den mit offenem Visier kämpfenden Feind und die Gegntr aus den eignen Reihen. Auch Wir jauchzten mit freudig. ,. Entzücken,* als nach langer Leidensnacht für uns die Stund 9 der Erlösung zu schlagen schien, als die Ghettomauern nied' r gerissen wurden und die Strahlen der Emanzipation das Dunkel erhellten. / Doch dem Freudenrausche folgte gar jähes Erwache: als der Antisemitismus sein Schlangenhaupt erhob — Fein von aussen — und der Indifferentismus, die Mischehen, d*:\ Abfall — Feinde von innen, — immer mehr zunahmen. — Wie damals zu Esra's Zeiten haben wir, die wir uns za unserem heiligen Glauben bekennen, uns zusammen zu schaaren, um Bollwerke zu errichten, um unsere Eigenart zu bewahren, um unseren Gegnern Achtung und Duldung abzuringen, um, den AbfairiTl unseren eigenen Reihen zum Stillstand *q bringen. Zu unserem stärksten Rüstzeuge dienen uns in diesem Geisteskampfe die Logen, und desshalb meine Herren als zukünftige Brüder unseres Ordens lassen wir heute den Ruf an sie ergehen, uns in diesem Kampfe treu zur Seite stehen zu wollen. , Aus dem Gedächtnissbuch der i Grossloge. Seit unseren letzten Angaben haben wir den Tod folgender Brüder zu beklagen: Es starben: 20. Am 21. Mai 1004 Br. SalomOD Scheier, Mitglied der Montefiore-Loge in Berlin seit dem 2. t. 00. 30. Am 23. Mai 1004 Br. Dr. Gerson Wolf in Arnswalde, Mitglied der Allemania-Loge in Stettin seit dem 15. 10. 85. ^- Geb', d. 16. 3. 35 in Arnswalde. 31. Am 25. Mai 1!»04 Br. Richard Sachs, Mitglied der Deutschen Reichs-Loge in Berlin seit dem 0. 2. 86 — Geb. den 11. 10. 50 in Berlin. 32. Am 24. Mai 1004 Br. Isaac Billigheimer, Mitbe- - gründer der Carl Friedrich-Loge in Karlsruhe seit dem 8. 5. 08 -j Geb. 20 6. 46 Rappenau. 33. Im Mai 1004 Br. Isaac Haas, Mitglied der Stuttgart- Loge seit dem 7. 4. 02. Vom Juli 88 bis April 02 Mitglied der Frankfurt-Loge, — Geb. den 5. 7. 41 in Altenstadt. * 34. Am 2. Juni 1004 Br. Joseph Hirschberg, Mitglied derMontefiore-Loge in Berlin seit dem 26. IL 95 — Geb. den 11. 6. 34 in Czarnikau. 35. Am 12. Mai 1904 Br. Wilhelm Wildemann, Mitglied der Henry Jones-Loge in Hamburg seit dem 15. 1. 96, — Geb. den 29. 9. 46 in Filehne.

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