Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-06-01 · Nr. 5 - Juni · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 5 - Juni
Date
1904-06-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4864325-6028963-6074091--0710-4864873
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

05 — des Referenten zu, and soll Br. Simon mitgetheilt werden, dass die Grossloge die Einladung zu der von ihm geplanten Conferenz nicht ergehen lassen mag, dass, wenn indessen eine solche auf seine Einladung hin stattfindet, wir dieselbe durch Delegirte zu beschicken bereit seien. Br. Simon soll des weiteren mitgetheilt werden, dass die Grossloge bereit sei, eine Verständigung mit den Grosslogen in Europa herbeizuführen Auf die Umfrage der Grossloge bei den Tochterlogen, betreffend die Centralisation unserer Wohl thätigkeitsbestrebungen hat sich bisher nur ein Teil der Logen geäussert, und es soll auf diesen Gegenstand in der nächsten Sitzung zurückgekommen werden, bis dahin dürften die Logen Wohl in grösserer Zahl geantwortet haben. Br. Tue h berichtet noch über die Entsendung dreier Sendbotinnen nach Galizien und über den ausserordentlich be friedigenden Erfolg, der trotz der kurzen Zeit der Thätigkeit dieser Damen von denselben erzielt worden, worauf die Sitzung um 2 Uhr nachmittags geschlossen wird. Ansprache des Br. Joseph Wisloch an die Petenten der Esra-Loge in Lübeck. Nach einer Einleitung führte Br. W i s 1 o c h folgendes aus: Angesichte der vielfachen Anfeindungen stellte sich auch für die Bekenner unseres Glaubens die zwingende Nothwendig keit heraus, sich unbeschadet der divergirenden religiösen Anschauungen, und Verschiedenheiten der Lebensstellung, zu einem Bunde zu vereinen, der in friedlicher Weise unseren Gegnern die Waffe dadurch zu entwinden sucht, dass man sich bemüht, die in Folge einer traurigen Vergangenheit unserem Stamme noch anhaftenden Fehler, durch strenge Selbstzucht und Hebung des sittlichen und socialen Niveaus der Juden zu beseitigen. An diesem Werke mitzuarbeiten sind unsere Edelsten und Besten, indem sie vorbildlich wirken, verpflichtet, und alle Zeichen deuten darauf hin. dass es dem rastlosen Mühen gelingen wird, das ersehnte Ziel zu erreichen. Um dahin zu gelangen, hat diese Vereinigung — unser geliebter Orden Bnei Briss — die veredelnden Bestrebungen i der Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht auf ihr Banner geschrieben, und vor unseren grossen. Zielen und Zwecken lassen wir alle kleinen Rücksichten zurücktreten; mit Freuden stellen wir unsere besten Kräfte in den Dienst der hehren Sache. -Die Bethätigung der Wohlthätigkeit. Bruderliebe und Eintracht bilden unser Programm, sie sind die Fundamente, auf denen unser ragendes Logengebäude ruht. Wie wollen wir nun diese Worte aufgefasst, in welcher Weise sie bethätigt sehen! Nur der kann wahre Wohlthätigkeit üben, Milde und Barmherzigkeit walten lassen, 'der selbst sein Brod_<JjH Thränen gegessen, der selbst vqn den Schlägen des Schicksals schwer getroffen wurde, und durch die Leiden gegangen ist. . Und wer ist's, harte Schule der der mehr geprüft, Schlimmeres erlitten unil erduldet hätte, als die Bekenner des Judenthums, wer könnte besser wissen, wie es dem vom Unglück verfolgten, den von Ort zu Ort Gehetzten zu Muthe, wer könnte mit tieferem Blick in der Seele des Gepeinigten lesen, wenn nicht wir, die wir in dem Schmelztiegel des Leidens geläutert wurden, wenn" nicht w i r, von denen das Woit gilt: „Rachamonim b'he;rachamonim hem." Wir sind Erbarmer, weil wir Söhne von Erbarmern, von mildthätigen, weichherzigen Menschen sind. —^ Mit den Geldspenden allein, der Linderung der augenblicklichen Noth ist es bei uns nicht abgethan. Wir suchen den Armen moralisch zu heben, indem wir ibm Arbeit nachweisen, ihn aufzurichten suchen und ihn mit neuem Muth für die Zukunft beseelen. Und da die Armuth der Familie für die Kinder nicht nur eine mangelhafte Konstitution und minderwerthige Ausbildung der Kräfte für das Erwerbsleben, sondern häufig moraliche Schäden im Gefolge hat, suchen wir die Quellen moralischer und wirtschaftlicher Unzulänglichkeit zu verstopfen, und setzen mit unserem Hülfswerk bei der Jugend ein. Zu diesem Zwecke wurden ans Logenkreisen begründet und werden unterstützt: Kinderhorte^ Volksschulen und andere Erziehungsanstalten, Schüler Werkstätten, Vereine zur Bekleidung von Schulkindern, Ferienkolonien, Kinderheilstätten, Lehrlingsheime u. a. m. Dieser Bestrebungen, und unsere grosse Theilnahme, die die Noth unserer armen östlichen Glaubensbrüder bei uns erregte, und zu einer ausgedehnten Hülfsaction führte, kennzeichnet, wiev wir die Begriffe W.ohlthätigkeit und Bruderliebe aufgefasst wissen wollen. Mit dieser Art unseres Wohlthue.ns hängen nun unsere weiteren Aufgaben zusammen, die Kranken zu besuchen und zu pflegen, Wittwen und Waisen zu beschützen, den Opfern der Verfolgung zu Hülfe zu kommen. Jedoch alle diese uns. gebotenen Ordenstugenden — das dürfen wir nie aus dem Auge lassen — sie sind uns nur Mittel zum Zweck zur Erreichung unserer. Ziele, auf uns selbst und. unsere Glaubensgenossen in geistiger und sittlicher Beziehung zu wirken, um uns zur höchsten Stufe menschlicher Vollkommenheit zu bringen, /.um, - wie * es die Mission des Judenthums ist, der ganzen Menschheit als würdige, reine Verkündiger der ewigen Wahrheit alsein Priestervolk voran zu leuchten. Meine Herren! Bruderliebe und Brüderlichkeit, man hört sie preisen, als eine Errungenschaft der französischen Revolution, als ein Wort, ' das diese Bewegung geprägt, als ein Ausfluss der Lehren der. besten Köpfe Frankreichs, der Aufklärer des IS. Jahrhunderts.- Doch wie irrig ist diese Ansicht! Der Begriff der Bruderliebe, nach dem wir in 'Allem was Menschenanlitz trägt den Bruder zu erblicken haben, ist ein echt jüdischer, und dieses 'lichtbringende Wort kam nur erst dann zur Geltung und iand erst dann Eingang und Würdigung in edlen Menschenherzen, nachdem unsere heilige Schrift, die Bibel, durch die Reformation, weiteren Kreisen zugänglich gemacht war, und der Geist der Liebe, den unsere Lehre predigt, auf grössere Kreise ausstrahlte. Da waren es die Vertreter der bibelfesten Rasse, wie der Quäker William Penn, der 1682 einen Staat der Toleranz und der Gleichheit der Rassen in Pensyl.vania gründete, wie etwa 100 Jahre später Thomas Perne mit seinen Schriften Commonsense and Rights of men — ein Vorläufer Lafajettes — welche die biblisch jüdische Bruderliebe zu bethätigen suchten, und darauf fussend brachte die Erklärung der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.