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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-04-01 · Nr. 4 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 4 - April
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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wurden 3 Kandidaten aufgenommen, wogegen leider ein Bruder mit dem Tod abging, sodass Ende 1903 die Zahl der Brüder 100 betrug. Im Berichtsjahr fanden im Ganzen 43 Sitzungen statt, deren durchschnittlicher Besuch sich auf 34 Brüder belief. Für Zwecke der Wohlthätigkeit und sozialen Fürsorge gab die Loge etwa 1500 Mark aus, die theils für Einzelunterstützungen, theils für Zuwendungen an bestehende Anstalten und Vereine, theils für Veranstaltung einer Ferienkolonie verwendet wurde. Die Einzelunterstützungen betrafen Ton einem exzeptionellen Fall abgesehen, Zuschüsse zur Erziehung und Ausbildung yon jungen Leuten. Es waren darunter l Studierender des Rechts, 2 Lehramtskandidaten, 1 Gymnasialschüler, 1 Handwerkslehrling, S> Mädchen, von denen eine als Lehrerin, die andere als Buchhalterin ausgebildet werden soll. Der Verlauf der Ferienkolonien war der, dass die Loge 6 kränkliche Kinder unbemittelter jüdischer Eltern Ende Juli zu einem vierwöchentlichen Aufenthalt in das Soolbad Schwab. Hall entsandte Zur Beaufsichtigung der Kinder war ihnen eine Dame beigegeben, welche, früher schon Kinder der Berliner jüdischen Ferienkolonien überwacht hatte. In Hall selbst standen die Kinder zudem unter der Fürsorge des dort ansässigen jüdischen Arztes, der insbesondere die Bäder verordnete Der Erfolg der Ferienkolonie war ein sehr guter. Die Gewichtszunahme bei den Kindern, die im Alter von 6 — J3 Jahren standen, betrug durchschnittlich 21/.» kg. Die Kosten beliefen sich auf etwa 550 Mk., also für ein Kind auf etwas über ,90 Mk. Bei einer für späterhin in Aussicht genommenen und durch die Beteiligung der ausserhalb der Loge stehenden Glaubensgenossen zu ermöglichenden Erhöhung der Zahl der Ferienkolonisten wird sich eine verhältnismässige Veiminderung der Kosten herbeiführen lassen. Wie in den Vorjahren wurde auch im Berichtsjahr 'in üblicher Weise die Chanukafeier veranstaltet, worau die Kinder der Logenbrüder und gegen 40 eingelandene bedürftige Kinder theilnahmen- Für letztere fand einige Tage später eine Bescherung statt, wobei sie vom Kopf zu Fuss mit neuer Kleidung versehen wurden. Die Mittel hierzu entflossen durchaus den freiwilligen Spenden der Brüder. Ueber die Krankenschwester-Unternehmung der Loge wurde schon früher in anderem Zusammenhang berichtet. Es sei hier nur soviel erwähnt, dass wir 3 Krankenschwestern zur Ausbildung in Berlin haben und eine vierte demnächst in Berlin für uns eintritt. Es ist zu hotten,.dass wir spätestens im Laufe des nächsten Jahres das Stuttgarter jüdische Schwesternheim werden eröffnen können. Die geistigen Interessen der Loge wurden bethätigt durch den Beitritt zu verschiedenen Vereinen, wie zum Verein zur Förderung der Wissenschaft des Jadenthums, Verein zur Erhaltung jüdischer Kunstdenkmäler, Verein für jüdische Statistik. Die^Logenbibliothek wurde mit weiteren werthvollen Werken ausgestattet und ist auf die stattliche Zahl von über -00 Bänden angewachsen. Wahrend des Berichtsjahrs fand ein öffentlicher Vortrag statt, nähmlich von Br. Präs. Dr. Gunzenhauser über ,Moral und Recht." Innerhalb der Loge sprachen (in chronologischer Reihenfolge) : - Br. Dr. Krön er über den Deutsch-Jsr.-GemeindebHnd, Br. Dr. Wölfl über Simon von Trient, eine Ritualrnord- Affaire des Mittelalters, Br. Br. K r o n e r über Ganz, Reiseeindrücke von Rumänien. Br. Max K o h n über Ghettolieder von Morris Rosenfehl. Br. Dr. K ahn über Babel und Bibel, Br. A. Essinger über die Frauenfrage im Orden, Br. Dr. Feldmann über Mögliches und Unmögliches in der jüdischen Krankenptiegerinnenfrage, Br. Lünez-Jerusalem als Gast über die Lage der Juden in Jerusalem, Br. R. Kaufmann über jüd. Kolonisationsbestiebungen, Br. Dr. G u n z e n h a u s e r über T u c h , die Ursachen des; jüdischen Mädchenhandels und ihre Bekämpfung, Br. Dr. F e 1 d m a n n über den Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Br.' Ludwig Stern über „Der schwarze Tod und die Judenverfolgungen 1348/49", Br. D. Wolf über die jüdische Statistik. Die Beziehungen zu den Schwesterlogen pflegte die Stuttgart-Loge durch Entsendung von Delegierten zur Installation der Maimonides-Loge in Nürnberg, Herder-Loge in Heilbronn, Julius Plotke-Loge in Kaiserslautern, ferner zu einer Reihe von Stiftungsfesten anderer Logen. Wir selbst hatten nns im Laufe des Jahres bedauerlicherweise nur selten des Besuchs auswärtiger Brüler zu erfreuen. Was die Pflege der Geselligkeit anbelangt, so können erhebliche Fortschritte gegenüber den Vorjahren nicht verzeichnet werden. Es darf zwar mit Genugthuung konstatiert werden, dass die Nichsitzungen unter Betheiligung der Mehrzahl der Brüder stets einen gemüthlichen Verlauf nahmen, sowie dass bei der schon erwähnten Chanukafeier die Familien der Brüder fröhlich und zwanglos vereint waren. Alle rein gesellige Veranstaltungen, die, ohne einen offiziellen Charakter zu haben, zur Pflege der Geselligkeit dienen sollten, waren von geringem Erfolge begleitet. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass in einer grossen Stadt wie Stuttgart, für die Brüder und ihre Angehörigen ohnehin so viele gesellige Abhaltungen gegeben sind, dass ein Bedürfnis zu neuen, schlechterdings nicht besteht und künstlich nicht geschaffen werden kann. Wir müssen uns eben in der Hauptsache damit begnügen, wenn unter den Brüdern im Allgemeinen ein echt brüderlicher und harmonischer Geist herrscht, wenn sie wie an den Sitzungen, so auch an den gemüthlichen Nachsitzungen sich zahlreich betheiligen und wenn die offiziellen Feste (Chanukafeier, Stiftungsfest) unter reger Theilnahme der Brüder und ihrer Familien vor sich gehen. Wenn es uns, wie zu hoffen ist» gelingen wird, unsere Damen für die Arbeiten der Loge mehr wie bisher zu interessieren und zur Mitarbeit heranzuziehen, wird wohl auch der gesellige Zusammenschluss und das gesellige Leben innerhalb des zur Loge gehörigen Personenkreises sich reicher und befriedigender gestalten. Maimonldes-Loge la Nürnberg. Am 21. Februar feierte die Maimonides-Loge ihr erstes Stiftungsfest. Anstatt der sonst vielfach üblichen Festloge leitete eine akademische Feier, bei der auch utisere Damen anwesend waren, das Fest ein. Unser w. Präs. Br. Hermann Oettinger gab einen fesselnden Bericht über die Thätigkeit unserer Loge

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