Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 54 — u bezeichneten ,,Lebensbilder" zu lenken. Es würde uns an genehm sein, wenn diese Zeilen zur Klärung der Jugend schriftenfrage beitragen würde. Dr. Spanier, Mitglied der Mendelssohn-Loge in Magdeburg Referat Uber den Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Bnei-Briss- Logen, erstattet von Br. Dr. Ginsberg in-der Berth.-Auerbach-Loge. Es ist für den Einzelnen, wie für eine Gemeinschaft stets von Nutzen, Bückblicke auf die eigene Vergangenheit zu werfen : hat dieselbe nichts Besonderes gezeitigt, so regt eine solche Rückschau dazu -an. den Ursachen der Stagnation nachzugehen und sie möglichst zu beseitigen, während im anderen Falle, wenn nämlich Bedeutsames geleistet worden ist. ein solcher Rückblick zum Ansporn dienen wird, sich für andere hohe Ziele einzusetzen und mit Schaffensfreudigkeit an! neue, grosse Aufgaben heranzugehen. Ueberblicken wir das letzte Jahrzehnt der Thätigkeit un serer Logen, so sehen wir, dass sie an der Lösung grosser sozialer und ethischer Aufgaben erfolgreich und entscheidem mitgewirkt haben. Aber es wäre schlecht mit uns bestellt, wenn -wir uns damit hätten genügen lassen, und es; sind zu unserem Glück im richtigen Augenblick stets Männer aus unseren Reihen erstanden, welche die Logen mit Wort und Schritt auf die Notwendigkeit hinwiesen, aus eigenster Initiative humane Werke ins Leben zu rufen; a'lerdihgs liegt die letzte grössere Logenschöpfung schon eine Reihe von Jahren zurück, und wenn wir nicht in der Lage sind, mit einer grossen Anzahl auf diesem Gebiete aufzuwarten, so k>anen wir doch mit Berechtigung, auf unsere Werke-selbst hindeutend, den alten Spruch auf uns anwenden : rNon multa sed multum". Aus den mannigfachen Bestrebungen der Logen ragt vor allem eine Institution hervor, welche unser ganz be soaderei Interesse beanspruchen muss, zumal sie mit geringen v Mitteln Erhebliches leistet und als Markstein in der Geschichte der hiesigen Logen gelten kann. Ich meine den „Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Bnei-Briss-Logen". •„Arbeit — nicht Almosen" war die Devise, unter der , im Jahre 1896 die Berliner Logen eine Organisation schufen, mittelst welcher Arbeitsuchenden entsprechend ihren Kräften und Fähigkeiten Erwerbsgelegenheit kostenlos verschafft werden sollte. Wie segensreich diese Schöpfung für Stadt und Gemeinde nicht weniger als für den Einzelnen selbst werden Mast war von vornherein klar; nicht nur, dass die Armenpflege hierdurch wesentlich entlastet wurde, viel bedeutsamer wai die Wirkung auf den Aermsten selbst, der durch oder ohne eigenes Verschulden auf der Strasse lag, hilflos und ohnmächtig, sich auf ehrliche Weise zu ernähren; so mancher Familienvater, der nicht das tägliche Brod im Hause hatte, würde mit den Seinen zum Almosenempfänger herabgesunken sein oder zu unredlichen Mitteln gegriffen haben, wenn nicht eine Einrichtung dagewesen wäre, welche ihm Arbeit zuführte, durch die er, vor moralischem und materiellem Verfall bewahrt, sich und seine Familie redlich durchs Leben schlagen konnte. Zur Charakterisierung der Thätigkeit und Wirksamkeit de Arbeitsnachweises dienen wohl am besten zahlenmässige statistische Mitteilungen aus dein Vorjahre, wenn auch diese nackten Ziffern verschweigen, welche Umsicht und Mühewaltung erforderlich sind, um solche Erfolge verzeichnen zu können. Im ersten Jahre seines Bestehens gelang es dem Arbeitsnachweis 661 Personen, darunter 93 weiblichen, Arbeit zu verschaffen, während — in immer steigendem Maasse — im vergangenen Jahre die Zahl der erfolgreich Untergebrachte!,, soweit es bestimmt festgestellt werden konnte 3598 betrut; einschliesslich 641 .weiblichen Stellungsuchenden. Allerding wurden diese nicht sämmtlich in dauernde Stellen plach; aber wenn wir auch von den 1198 Personen absehen, die vorübergehend nur für Wochen oder Monate beschäftig werden konnten, so bleiben immer noch 2400 übrig, die dauernd untergebracht worden sind; ziehen wir nun noch in Betracht, dass ein grosser Teil dieser Leute Weib und Kind hat, die darbten, und denen der natürliche Ernähre; wiedergegeben wurde, so gehen die segensreichen Folgen de> Arbeitsn ach weises weit über seine sichtbare Wirksamkeit hinaus. Erwähnen möchte ich, dass in den beiden ersten Monaten dieses Jahres bereits 441 dauernde und 118 vorübergehende Besetzungen stattgefunden haben, und dass wir bisweilen auch von christlichen Arbeitsuchenden angegangen werden, für welche wir uns ebenfalls interessiren. zumal zeitweise unter den stellenlosen Juden keine geeigneten Bewerber vorhanden sind; Anfragen nach Personal aber dürfen wir nach Möglichkeit nicht ablehnen, um besonders mit den christlichen Firmen, welche in grösstem Umfange unsere jüdischen Stelleulosen bei sich aufnehmen,. in enger Beziehung zu bleiben. In stetem Connex mit vielen grossen Geschäftshäusern und in richtiger Beurteilung ihrer Ansprüche ist es dem „Verein für Arbeitsnachweis" i. J. 1903 geglückt, 70 pCt. aller an ihn herantretenden Nachfragen nach geeigneten Kräften erfolgreich zu befriedigen; einschliesslich der kaufmännischen Branche vom Geschäftsführer bis zum Schreiber fanden die Hilfesuchenden je nach ihren Kenntnissen und Fähigkeiten als Handwerker, Arbeiter, Krankenpfleger, Packer u. s. w. Beschäftigung. Selbstverständlich spielt das Alter der Stellungslosen hierbei eine grosse Rolle, wie es auch naturgemäss leichter ist, jugendlichen Personen durch Arbeit Unterhalt zu verschaffen, als älteren Leuten oder Greisen; trotzdem sind unter den in dauernden Stellungen Untergebrachten alle Altersstufen vertreten; es waren im Alter bis zu 20 Jahren 1344 Personen - von 20 bis :iü „ 7! »2 „ .. 30 „ 40 „ 171» ' „ . - „ 40 „ 50 „ 68 ,, „ öo „ oo ,; 15 ,, - <*>». n ,. i. . » und „ 70 „ 75 „ | Je " ' . ■■ Wie stellen' sich nun die Ausgaben, mit denen der Arbeitsnachweis seine Zwecke erreicht? Während z. B. nach deti Mitteilungen aus einer andern grossen Stadt jeder Untergebrachte dem dortigen Arbeitsnachweis ca. 13 Mk. Auslagen verursacht, betragen die *) Im Monat März er. hat der Arbeitsnachweis 254 Personen dauernd und Hl -Personen vorübergehend. Stellung verschafft, im Monat April 220 resp. ÖO Personen.