Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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. - V/irf/i^f- ' *'*f/.; -"^l V '•'■?■■■< i- Gluckwunsch des deutschen Dislricts bei der Installation der Loge in Wien, die wunderbare Verbrüderungsanspracue bei der Installation in München gehört, konnte sich des tiefgehenden Eindrucks nicht erwehren, den seine gehaltvollen Worte hervorgerufen, der hatte es gefühlt, dass aus ihm ein starkes Empfinden, eine glühende Begeisterung, eine edle Gesinnung, eine herrliche Seele sprach. Friedfertig und wohlwollend,-wie .er war, schmerzte ihn jede Uneinigkeit, ruhte er nicht, bis jede Differenz ausgeglichen wurde. Darum fühlte sich Jeder, der mit ihm verkehrte, der mit ihm in und ausser dem Orden zu tun hätte, von dem Zauber seiner Persönlichkeit aufs wohlthuendste berührt. Während meiner Amtszeit war er mir stets ein willfähriger Helfer, der sich gern und opferfreudig jeder Mission unterzog. Man muss an die Sache glauben der man dient. Und er glaubte felsenfest ah die segensreiche Zukunft unserer guten Sache, verzagte nie an den endlichen Erfolgen, wenn es manchesmal nicht näch Wunsch ging, in seiner Hoffnung auf günstigere Zeiten schwankte er nie, denn ihn beseelte ein unerschütterlicher "Ernst in der Auffassung unserer Aufgaben, ein hohes Pflichtgefühl und ein unbegrenztes Vertrauen. Er war ein verständnissvoller Mitarbeiter, als es galt, den Orden auf socialer Grundlage aufzubauen. Das hat er mit seinem klaren Verstände erfasst. er hielt mit seiner Ansicht nicht zurück, der nie forderte, sondern zu überzeugen suchte, nie drohte, sondern überredete. Ich hatte es leicht, ihm zu folgen, sein Rat war klug, aus seiner Meinung . leuchtete. - Wohlwollen, sittlicher Ernst und lauteres Interesse für unseren Orden. Nur einmal glaubte er, dasä ihm meinerseits Unrecht geschehen sei, aber die Art und Weise, wie er das in seinem Briefe an mich begründete, war so edel, so brüderlich im Tone gehalten, dass es mich tief gerührt hat. Das Missverständniss war bald gelöst. Wie er mir dann entgegenkam, seine beiden Hände mir entgegenstreckte mit den Worten: „Ich habe mir gleich gedacht, dass Sie. nicht Unrecht thun können*, das werde ich nicht vergessen, so lange noch ein Athemzug in mir lebt. ',';'.•< ' Nun ist sein Mund verstummt, verstummt seines edlen Herzens Regung! Mit ihm ist ein gut Stück Orde'nsherz dahingegangen! Die Erinnerung an Br. Haagen möge uns neu beleben zu guten Thaten, än seinem Idealismus, Unverzagtheit und Hoffnungsfreudigkeit mögen wir uns in guten wie in bösen Tagen aufrichten. Sern Geist möge stets unter uns weilen als dauerndes Wahrzeichen und Mahnwort zur Liebe und Einigkeit,'als leuchtendes Beispiel der Wahrheit und Treue. i -. Maretzki.- Für die nächste Sitzung des General-Comites hat Br. Dr. Maretzki folgende Referate erstattet: 1. Zar Frage der Schaffang eines neuen Ritaals. Das Verlangen nach einem neuen Ritual wird von Jahr zu Jahr dringender, und in der letzten Grosslogensitzung wurde fast einstimmig dessen Neubearbeitung gewünscht. Das vor ~> Jahreu* ausgearbeitete Ritual hat die Billigung der Grossloge nicht gefunden, auch die im Torrigen Jahre eingereichten Arbeiten haben den ausgesetzten Preis nicht erlangt. Die Gründe für diese befremdliche Erscheinung hat Br. Strauss im Monatsbericht von Januar 1901 klargelegt. Man war und ist noch heute nicht einig und schlüssig, wie das Ritual gestaltet sein soll. Und doch müssen sich die massgebenden Faktoren drüber klar werden, was sie wollen, sonst ist es jedem Bearbeiter des Rituals unmöglich, an die Arbeit heranzugehen. Es muss im Ausscbuss oder im General-Comite eine Verständigung über die Grundsätze und Richtung erzielt werden, i ehe es den Auftrag zur Abfassung eines Rituals ertheilt. Nach folgender Fragestellung müssen ganz unzweideutige Beschlüsse getasst werden. 1) Soll ein ganz neues Ritual verfasst werden, oder soll das bestehende verbessert werden. ■2) Im Falle, dass man sich an das alte Ritual anlehnen will, in welcher Weise wird eine Aenderung gewünscht? 3) Soll es dabei bleiben, dass der Präsident allein die Anrede hält, oder wird eine Zwei- resp. Dreitheilung gewünscht? 4) Sollen die Präsid. an den Wortlaut des Rituals gebunden sein, oder soll ihnen freier Spielräum für die Einführungsrede gelassen werden? 5) Soll es dem Präs. oder einem anderen Br. gestattet sein, nach Vortrag des festgesetzten Rituals noch eine Ansprache anzufügen, und sollen dafür besondere Beispiele nach Analogie des amerikanischen Ritaals ausgearbeitet werden? Unter Bezugnahme auf mein früheres zu dieser Sache erstattetes Referat bitte -ich alle Gründe und Einwendungen zu prüfen und darnach zu beschließen. Hinzufügen muss ich noch folgende Gesichtspunkte. Das Ritual'' mHss von einem gewissen Pathos getragen sein,. es muss eine gebildete, getragene, poetische Sprache führen, es muss hohe Ideale erfassen, vollwerthige ethische Grundsätze - enthalten, von jüdischem Geiste durchweht sein, um eiuen vollen, wuchtigen Eindruck auf die Kandidaten zu.machen.. *Es darf nicht zu lang sein, um nicht zu ermüden, auch nicht zu kui*, damit es nicht zu einer leeren Formel herabsinkt. Das Ritual muss auf den Aufgenommenen einen so tiefen Eindruck machen, dass dessen Wirkung für die Lebenszeit anhält. Freilich muss es auch von den BBr. heilig gehalten werden. Das beste Ritual wird in seiner Wirkung versagen, wenn es nicht mit der gehörigen Betonung und mit innerer Ergriffenheit vorgetragen wird. Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist dann nur eiu Schritt. Und mit-dem Vortrag de$ Rituals allein sollte man sich begnügen,, es schwächt den Eindruck ab, wenn d-jr Präsident noch nachher eine mehr oder weuiger gute Ansprache hält. Das dürfte sich hnrjein guter gewandter Redner erlauben. Aber wird sich nicht jeder Präsident für einen guten Sprecher halten? Kann man es dem Einen verbieten, was man dem Andern gestattet.? Nur eins Wäre möglich und köante allenfalls gestattet" werden, dass der Mentor oder ^in anderer beauftragter Br. die Aufgenommenen begrüsst, da könnte eine kleine Ansprache am Platze sein, und ein redegewandter Br. damit beauftragt werden Das Ritual selbst muss feststehen, unabänderlich sein, und die Präs. müssen an den Wortlaut gebunden sein, sonst liaben wir eine heillose Verwirrung. Es darf, keinem Präs. gestattet sein, etwas hinwegzulassen oder hinzuzufügen. Danach müsste das Ritual gearbeitet sein, dass es alle Betheiligten, vom Präs. bis zum Kandidaten befriedigt, das ist aber ein käum zu erfüllendes Postulat, und der Brüder soll noch «gefunden werdeh/ der allen Ansprüchen genügt. Jedeä Ritual wird nach der Ansicht der BBr. Falsches; Schiefes enthalten. Darum dürfen wir das Ritual nicht dem Urtheil der Logen