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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-04-01 · Nr. 4 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 4 - April
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 50 - unterbreiten, aiuh tnieht der Grossloge, denn tot capita. tot sensos. Der Ausschuss soll allein befugt sein, das Ritual zu beurtlieilen. und wenn für gut befunden, einzuführen. Ferner ist das Ritual von einer Einzelperson auszuarbeiten; es muss von einem Gusse nach Auffassung, Stil und Diktion verfasst werden. Verschiedene Stilarten, verschiedene Denkart und Ausdrucksweise machen sich durch Störungen im Aufbau des Rituals geltend und verringern den inneren Gehalt. Wie die Auffassung des Ausschusses oder General Comites auch sei, eine Bedingung ist nothwendig,, der Beauftragte muss klipp und klar wissen, was die Behörden in Bezug auf das Ritual » . . wollen, sonst kommen wir nie zu einem neuen Ritual. 2. Ueber Arbeitsnachweise. Von den Anträgen, welche die Grossloge dem General- Comite zur weiteren^ -Bearbeitung überwiesen hat, ist in socialwirthschaftlicher Hinsicht der bei weitem wichtigste, der über' den Arbeitsnachweis, lieber die Wichtigkeit desr delben für die Ei werbsverhältnisse der Arbeitsuchenden, insbesondere der jüdischen, herrscht allgemeine Klarheit. Für die Erwerbsuchende jüdische Bevölkerung ist ein organisirter Arbeitsnachweis von der allergrössten Notwendigkeit und Nützlichkeit, da. wie allseitig bekannt und bestätigt ist, das wirtschaftliche Fortkommen durch allgemeine und specielle Ursachen, die ich nicht besonders hervorzuheben brauche, den .Juden BD erheblichem Maasse erschwert wird. Das beweist auch die steigende Frequenz in den bestehenden Arbeitsnachnachweisen. namentlich in Berlin. So segensreich diese auch wirken, haften^ ihnen doch noch manche Mängel an> Wie Br. Dr. Tuch in einem Vortrage am 21. 2. 04 ausgeführt, fehlt immer noch die genügende Fühlung mit den Arbeitgebern, so dass die geschulteren und wertvolleren Arbeitskräfte aus Mangel an genügender Unterbringung fern bleiben. Er sagt darüber: ..Wir befinden uns hier in einem höchst eigenartigen geradezu verhängnissvollen circulus vitiosus; die Arbeitgeber meiden die jüdischen Arbeitsnachweise aus Furcht vor minderwertigem Material und die besseren Kräfte meiden sie vielfach, weil sie annehmen, dass dort nur untergeordnete Stellungen verschafit werden.'1 — Ferner hebt er hervor, dass die jüdischen Arbeitsnachweise noch nicht zu einer Specialisirung der Nachweise für die verschiedenen Berufsarten gelangt sind. Aach bemängelt er das -äussere Aussehen des Bureaux. Das letztere hängt wohl mit der immer noch zu gelingen Beachtung und zu geringfügiger Subvention der besser situirten Glaubensgenossen zusammen, und müsste nach dieser Richtung eine intensivere Propaganda betrieben werden. Die Specialisierung der Arbeitsnachweise, so folgerichtig und 90 werthvoll sie ist, die uberall mehr und mehr in den Vordergrund dieser socialen Wohlfahrt getreten ist, hat für die Juden geringere Bedeutung, da die Berufsarten der Juden nicht so zahlreich sind und sich viel leichter in einem Nachweis vereinigen lassen, als bei den städtischen und berufsgenossenschaftlichen. Aber der Mangel einer richtigen Fühlung mit Arbeitgebern und intensivere Heranziehung tüchtiger, werthvoller Arbeitskräfte ist sicherlich vorhanden, ' und möchte ich das Mittel, das Br. Dr. Tuch vorschlägt, bestens unterstützen, das bereits in Wien gute Erfolge gezeitigt hat. Er sagt darüber: „Der Wiener Arbeitsnachweis bat bei verschiedenen Gelegenheiten Versammlungen aus Arbeitgeberkreisen berufen und zwar immer nur aus tiner oder wenigen einander naheverwandten Branchen, in denen über die einschlägigen Verhältnisse eingehend conferirt wurde. Hierdurch wurden weite Kreise, die bis dahin den Bestrebm,:;eo des Vereins ganz fremd gegenübergestanden hatten, gewonnen und seiner Thätigkeit neue Felder erschlossen. Eine solche -i Aufklärungsarbeit der Arbeitsnachweise, systematisch ia allen Branchen durchgeführt, würde von allergrösster Bedeutujg seio. Eine persönliche Arbeit der Leiter, namentlich w. im sie viele geschäftliche und private Verbindüngen haben, ist natürlich auch von grossem Werth, kann aber niemals eine Arbeit in grossem Stil, wie oben ausgeführt, ersetzen." Man wird aus dieser Darstellung ersehen, dass uns.;e Arbeitsnachweise verbesserungsfähig — und bedürftig sind. — Diese Ausstellungen und Vorschläge betreffen die ini,;re Thätigkeit und den Ausbau der Arbeitsnachweise. Es bestehen zur Zeit 4 — 5 Nachweise, eine viel zu kleine Zahl zur Befriedigung aller Bedürfnisse auf diesem Gebiete. Man weiss ja, dass seit vielen Jahren ein steter Zugang nach den grossen Städten mit hochentwickelter Industrie besteht, und die Juden nehmen in überwiegend grosser Zahl an diesem Zuströmen in die Industriecentren theil. Dazu kommt noch die starke Einwanderung aus dem Osten. Die Ursachen liegen in der sich mehr und mehr vollziehenden Umwälzung der wirthschaftlichen Verhältnisse und in der Bedrückung der osteuropäischen Juden. Das sind so offenkundige Thatsacheu. dass es sich erübrigt, diese Sachlage speciell zu erörtern. Bis in alle Verzweigungen des Erwerbslebens machen sich diese * nachteiligen Einflüsse geltend und deren verheerende Wirkung wird noch lange Zeit ihre treibende Kraft ausüben. Darum ist es eine gebieterische Forderung, dass noch bedeutend mehr Arbeitsnachweise geschaffen werden müssen. Es muss unablässig dahin gestrebt werden, dass in jeder Stadt mit über 500 jüdischen Einwohnern ein Arbeitsnachweisbetrieb , eingerichtet wird, und in Städten mit kleinerer jüdischer Bevölkerung sich ein oder zwei Personen der Stellenvermittelung widmen. Dazu eignen sich unsere Logen ganz vortrefflich. Sie sind die einzige Organisation in Deutschland, welche die Etablirung von Arbeitsnachweisen übernehmen kann, da wir fait in allen Städten vertreten sind und in der Zukunft in allen Gemeinden UDser Orden vertreten sein wird. Wii haben ferner eine grosse Anzahl von Brüdern in vielen kleinen Städten, wo eine Loge nicht bestehen kann, die dem Arbeit-? nachweis dienstbar gemacht werden können, und die es auci. gerne übernehmen werden, sobald sie nur von der Wichtigkeit und Notwendigkeit belehrt werden. Das sind zahlreiche Kräfte, die brach liegen und für die sociale Arbeit des Ordens vei: werthet werden müssten. Mit der Erfüllung solcher Abgaben werden diese BBr. ein erhöhtes Interesse an de'.i Orden nehmen. Auf diese Weise müsste sich ein ganzes Ne^: von Arbeitsnachweisen allgemeiner und partieller Art üb' ganz Deutschland ausbreiten. Der Vortheil einer solche Organisation liegt auf der Hand. Es wird dadurch vor alle die Kenntniss aller Arbeitsgelegenheiten und aller vorhandene i Kräfte gewonnen und die Möglichkeit geschaffen, Lücken schnell auszufüllen, mit grosser Schnelligkeit und Sicherbei die Vacanzen zu besetzen und einen regelrechten Austausci der Arbeitskräfte zu bewirken. — Der nächststehende von selbst sich ergebende Schritt ist die Schaffung eines Verbandes aller Arbeitsnachweise. Dire zur Zeit bestehende Isolirung

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