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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-04-01 · Nr. 4 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 4 - April
Date
1904-04-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Siegmund Haagen. mmer mehr lichtet sich der Kreis der BBr., die an der Wiege des Ordens in unserem Vaterlande gestanden; der Tod lält reiche Ernte unter den Führern unseres Bundes. Kaum dass wir den Heimgang unseres edlen, hochherzig Br. Alphons Jacobson beklagen, trifft uns wieder schwer der Verlust unseres lieben Br. Haagen. In bester M-nneskraft, in noch jugendlichem Arbeitsdrange, in unermüdlicher Regsamkeit ergriff' ihn die schleichende Krankheit Stück für Stück in seiner Lebenskraft ihn lähmend, seine Qual noch vermehrend durch das Bewusstsein der Ohnmach und des endlichen Verfalls. Ein unendlich tragisches Geschick vollzog sich an dem frohgemuten Mann, i-r durch Herzensgüte, Seelenreinfieit und Gemüthsheiterkeit seine Familie, Freunde, Brüder wie ein wolilthuende: Sonnenschein umgab. Nun ist er auf immer dahin! Schwer trifft uns der Verlust dieses trefflichen Br., wir werden ihn lange, lange vermissen: Wie kaum ein anderer Br. war er besonders veranlagt für den Ordensdienst, d-m er sein ganzes reiches Können, seine ideale Denkart, seine uneigennützige Liebe gewidmet ununterbrochen seit dem Bestehen des Ordens, bis die Kräfte ihn verliessen. So wie er war, wie er sich gab, wie er wirkte in dieser seiner schlichen, bescheidenen harmonischen Eigenart, ist er für uns unersetzlich, die Lücke kaum ausfüllbar. — Mitbegründer des Ordens in Deutschland, Mitglied der Deutschen Reichs-Loge schied er Anfangs April 1883 aus, um am gleichen Tage die Berthold Auerbachloge zu begründen. Rasch stieg er von Amt zu Amt, um ein Jahr später deren Präsident zu werden: ein Amt, zu dem er viermal mit immer grösserem Vertrauen berufen wurde, mit immer gesteigerter Würde bekleidee. Fürwahr! Er hatte eine so grosse Auffassung von der Ordensmission, so tief hatte er die Ordensaufgaben in sich aifgenommen; von so edler Begeisterung für unsere Sache war er erfüllt, dass ihm Wenige gleichkamen, Niemand ihn übertreffen konnte. Dessen wurden die BBr. inne, wenn sie die Einführungen der Kandidaten durch Br. Haagen anhör.en. Er las niemals ab, frei sprach er das ganze Ritual mit einer Wärme des Tones, mit einer Innigkeit und inneren Ergriffenheit, dass seine Einführungen einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck auf die Neuaufgenommenen und die BBr. machten, der auch bei wiederholtem Male ungeschwächt geblieben. Wenn er so dastand .auf'dem Präsidentenstuhl, voll Ernst und Würde zu den Candidaten sprach, gemessen, pathetisch, tief durchdrungen von der Hoheit des AmSes, ein verkörpertes Bild unserer heiligen, erhabenen Mission, hat er die Einführung in unübertroffener Weise zu einem erhebenden Weiheakt allerersten Ranges auszugestalten gewusst. Das sei ihm für immer nachgerühmt. So sehr liebte er seine Loge, dass er sich immer wieder ihr zur Verfügung stellte, immer wieder ein Amt übernahm. Dafür dankte sie ihm auch durch unausgesetztes Vertrauen und unwandelbare Liebe. Dieser Liebe erfreute er sich auch bei allen BBr. der hiesigen Logen. Sein Wort fand stets Anklang und Beachtung; geehrt und geliebt, hatte er keinen Gegner im Orden. Von Anbeginn der Begründung unserer Grossloge war Br. Haagen erwählter Repräs. der Berlhold Auerbach- Loge, von 1887—91 ununterbrochen L Vice-Präsident und bis zu diesem Jahre Mitglied des Gen.-Com. - Ungemein gro^ss und vielseitig ist seine Thätigkeit in der Gross-Loge gewesen. Hier entfaltete sich seine rege, fruchtbare Arbeitskraft, an allen wichtigen Arbeiten nahm er Antheil. Galt es die Organisation zu begründen, die Gesetze der Verfassung festzusetzen, das Ritual zu formen, immer war sein Rat besonnen und verständig, seine Ansicht klar und durchdacht. Er gehörte mehr zu den conservativen Elementen des Ordens, die das Bestehende erhalten wollten. So konnte er sich mit Neuerungen im Ritual nicht einverstanden erklären, weil er das grösste Gewicht auf den Vortrag des Rituals legte, an den er die höchsten Ansprüche stellte. Ein Grundzug seines Wesens war Offenheit. Er hielt mit seiner Meinung nicht zurück, frei und offen sprach er es aus, was er für richtig erkannte, gegen Jedermann ohne Ansehung der Person, ohne Rücksicht darauf, ob seine Ansicht nach oben oder unten gefiel. Er erachtete es als Pflicht gegen seine Freunde, BBr. wahr und aufrichtig *u ihnen zu sein Wo er Gefahr im Ordensleben erblickte, und dafür hatte er ein feines Gefühl, sei es durch eine Person oder durch einen Antrag, da trat er mit Freimuth und mit der ganzen' Wucht seiner Persönlichkeit entgegen. Dis Wohl des Ordens, das Gedeihen desselben und seine Einheit, seine innere Festigkeit galt ihm stets als das höchste und werthvollste, und wo er diese bedroht wähnte, konnte er sich aus seines Herzens Grund ereifern. Und doch verstand er es seinem Zorn Maass anzulegen, den Tadel in verbindlichste Form zu kleiden. Und entschlüpfte ihm einmal ein herbes Wort, thät es ihm auch schon leid, freiwillig bat er um Entschuldigung. So war sein ganzes Leben, lieber litt er selbst Unrecht, als dass er Jemandem wehe that; das litt seine milde und echt menschliche Sinnesart nicht. Von den Grazien mit reichen Gaben ausgestattet, hat er sein Familienleben und die Kreise des BBr. zu ver-' schönen gewusst, mit einer Harmonie erfüllt, wie es nur tief empfindende Naturen vermögen. Die ungezwungene Heiterkeit seines Gemüthes zeitigten in ihm jenen echten Humor, der ohne persönliche Schärfe zur Freude und Freisinn der Hörer sich gab, ihn selbst in den Stand setzte, über die Verdriesslichkeiten des Lebens die gleichmässige Rune zu bewahren. So konnte es nicht fehlen, dass ihm die Bruderschaft mit Liebe und Vertrauen entgegenkamen, darum war er auch ein Bruder in des Wortes bester Bedeutung. Auf die Bethätigung wahrer brüderlicher , Gesinnung hat er stets den höchsten Werth gelegt, nach seinen vielfachen Aussprüchen lag in der Brüderlichkeit die Quintessenz des Ordens. Sie sollte die Erziehung leiten und die Veredlung bewirken, die Zusammengehörigkeit stärken und die Gemeinschaft festigen. Diese Grundsätze hat er in allen seinen Ansprachen, wo nur immer die Gelegenheit sie . bot, in feierlicher Form betont. In ganz hervorragendem Maasse ward ihm die Gabe zu theil, aus warmfühlende: Herzen zu ^sprechen. Mit seiner volltönenden, leicht modulierbaren Stimme drang jedes Wort in das Herz des Zuhörers, ihn fesselnd, ergreifend. Wer seine Gedächtnissrede für Br. Leichtenritt, die Installationsrede in Heidelberg, den

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