Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1904-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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■ — BERLIN, im Mai 1904. No 4. Bericht der Grossloge für U. O. B. B. Nachdruck sämmtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten,' Fernsprecher: D. Wolff, VI, No. 4619, Wilhelmstrasse 118. Alphons Jacobson. geb. 1. 3. 1843, gest. 28. 4. 1904. Wiederum hat unser geliebter Orden einen seiner besten Streiter verloren. Dem unvergesslichen Julius P otke ik der nimmer rastende Vorkämpfer unserer Ideale, Alphons Jacobson rasch in den Tod gefolgt. Jenseits des Öceans, in von der Heimath und von seinen Lieben, hat der Unermüdliche nach kurzer Krankheit am 2ö. April 1 '.»04 seine Augen >|ura ewigen Schlafe geschlossen. Wer von den Unsern ihn nicht gekannt, und wer von seinem weit ausgedehnten segensreichen Wirken früher nichts vernommen haben sollte, der wird aus den zahlreichen Nachrufen von gemeinnützigen (Vereinen und Wohlthätigkeitsanstalten, aus der Schilderung seiner Persönlichkeit und seines Schaffens in der jüdischen, Presse jeder Richtung ein ungefähres Bild von der Bedeutung des Verblichenen empfangen haben. Um ihn mit kurzen Worten zu characterisiren: er war einer von jenen Begnadeten, welche die Bethätigung der Menschenliebe zu ihrem Lebgnsb«r,ufe machen, er gehörte zu den wenigen Auserwählten, welche auf den Höhen der Menschheit wandeln und das Banner der werkthätigen Bruderliebe in die Niederungen unseres Alltagslebens hinabtragen. Grade um deswillen dürfen wir Brüder vom Orden Bnei Briss ihn mit Stolz den Unsern nennen. War er auch s dt. jeher von echter Menschenliebe beseelt, so begann sein grossangelegtes humanitäres Wirken doch erst, nachdem er durch Ferdinand Gamburg im Jahre 1891 in die Frankfurt-Loge eingeführt worden war. Nicht-lange war es ihm vsrgönnt, mit seinem Freunde Gamburg Hand , jjQ Hand zu arbeiten, denn schon 1892 wurde dieser aus dem Leben abgerufen, und Alphons Jacobson ehrte sein Andenken durch die Stiftung des Ferdinand Gamburg-Fohds der Frankfurt- 1 oge sowie durch namhafte Zuwendungen an diejenige Institutionen, welche unter Gamburg's Aegide ins Leben gerufen raren. In den folgenden Jahren "war er uuausgesetzt bemüht, in seiner Heimathstadt Leipzig den. Boden für eine neue Pflanzstätte des Ordens vorzubereiten. Nach mancher Enttäuschung und harter Arbeit durfte er endlich im Jahre 1930 sich über das Gelingen des Werkes freuen. Das war einer der glücklichsten Tage seines Lebens, als die Leipzig-Loge 2 eweiht wurde, und wie ihm Freund Plotke bei dieser Feier mit tiefempfundenen Worten eine' seine Verdienste verherrixhende Adresse der Frankfurt-Loge überreichte, bemächtigte sich seiner j^ne edle Ergriffenheit,' die .aus dem Gefühl des % dicklichen Gelingens heraus auch den festesten Mann einmal überwindet. Von nun an entwickelte er seine hochherzigen : läne im Kreise der Brüder der Leipzig-Loge; er hatte die grosse Freude, unter ihnen verständnissvolle und opferwillige K>rderer seiner Ideen zu finden und zahlreiche neue Freunde für den Logengedanken zu gewinnen. Seit der Gründung hatte er auf seinen besonderen Wunsch das Amt des Schatzmeisters inne und versah es mit der ihm eigenen Geschickhkeit, den anvertrauten Schatz zu mehren, so oft sich ein passender Anlass zu einer Spende darbot. Lehnte er auch stets i seiner Bescheidenheit eine Berufung zum Präsidenten ab, so war er doch allezeit der geistige .Führer der Leipzig-Loge, d|;c seinen Verlust kaum jemals ganz verschmerzen wird. So wie im Orden, nahm er auch im Leben keine äusseren Ehren für sich in Anspruch. In beispielloser Be- •heidenheit trat er gern hinter Andere zurück, die viel weniger als er selbst leisteten. Er geizte niemals nach dem höpferruhm, sondern fand in dem Bewusstsein, etwas Gutes erreicht zu haben, seine innerste Befriedigung. Ein echter ünstler des Wohlthuns, streute er seine Gaben nicht mit den Händen ans, sondern Hess sie unmittelbar ans den reichen [uellen seines Herzens hervorsprudeln. So erfüllte er die Dürftigen und Nothleidenden mit dem beglückenden Empfinden, iass der Geber an ihrem schweren Geschicke vollen seelischen Anteil nehme, und flüsste ihnen dadurch neueHoffoung und ischen Lebensmuth ein. Er war zwar kein Meister des Wortes, aber ein Mensch von gewaltigem Wollen und Können, für den es keine Unüberwindliche Schwierigkeit und kein unübersteigliches Hinderniss gab, wenn es galt, einen /hochherzigen Plan zum egen seiner Mitmenschen ins Werk zu setzen. Unsere Ordensmaxime . Nicht», für uns, Alles für die Allgemeinheit •' bildete dien Grundzug seines Wesens. Durch die rastlose Bethätigung dieses Princips der Selbstlosigkeit hat er sich in unserem Herzen ein monumentum aere perennius errichtet. Den Manen dieses schlichten grossen Mannes können wir unsere Dankbarkeit nicht besser bezeigen, als dass wir iinem Beispiel nacheifern in der Erfüllung der heiligen Mission unseres Volkes, ein Segen zu?ein für die ganze Menschheit. ---_---------1_