Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1904-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ausstattung — abgesehen vom Inhalt, (der ganz und gar unzulänglich ist) — ist eine ungenügende, so dass unsere Kinder, wenn sie die gewöhnlichen Jugendzeitschriften, wie „Kamerad" oder „Kränzchen" in die Hände bekommen, keinen Moment im Zweifel sein werden, was sie bevorzugen sollen. Ich muss immer wieder betonen, dass bei Kindern auf das Aeussere eine grössere Rücksicht zu nehmen ist. Ich komme nun zum Schluss, indem ich folgenden Vorschlag mache: Wir drücken den Berliner Logen unsere Sympathie zu der gegebenen Anregung aus, indem wir uns unsererseits bereit erklären, gegebenen Falles mitzuarbeiten. Wir beantragen, dass die Grossloge ein diesbezügliches Comite ernennt, das sich die Schaffung von spezifisch jüdischen Jagendschriften zur Aufgabe macht. Es scheint uns wünschenswerth, dass die zu schaffenden Schriften nicht nur inhaltlich sondern auch äusserlich derartig ausgestattet werden, dass sie in: jedem Fall mit der bereits bestehenden Jugendlitteratur concuriren können. Aus diesem Grunde sei es durchaus nothwendig, dass die Herstellung und der Vertrieb nur an eine erstklassige Verlagsfirma gegeben werde. Die Action hinsichtlich der Jugendschriften solle in möglicher Bälde beginnen und im Jahr mindestens 3 Bände umfassen. Haben wir auf diese Weise eine Reihe von Werken erhalten, die, getragen von jüdischem Geist und jüdischer Eigenart, die Traditionen unserer Geschichte und Sittenlehre neu beleben und fördern, so können wir mit Befriedigung sagen: Die Loge hat ein neues verdienstvolles Werk geschaffen. Anmerkung! Die Grossloge hat bereits einen diesbezüglichen Beschlriss gefasst.. Die Gen.-Com. wird am 10. April ein Comite einsetzen, das die Frage der Jugondlitteratur in obigem Sinne* bearbeiten wird. -\ Aus dem Bureau der Grossloge. Als das wichtigste Ereigniss im Orden kann die inzwischen erfolgte Wahl des Ordenspräsidehten bezeichnet werden. Für dieses hohe und verantwortungsvolle Amt ist vom Executiv-Comite in der Sitzung am 14. er. Br. Simon Wolf aus Washington erwählt worden. Br. Wolf ist seit einer langen Reihe von Jahren Mitglied des Executiv-Comites und hat sich als ein eifriger und umsichtiger Arbeiter im Orden erwiesen. Er ist auch einem 1 Theil der deutschen Brüder nicht unbekannt, denn 1888 besuchte er einige unserer Logen, bedauerlicher Weise aber fiel sein Besuch in die Ferienzeit, sodass er damals einen richtigen Einblick in die Thätigkeit des deutschen Districts nicht erlangen konnte. The New-York Times schreibt in der Nummer vom 15. Februar er., indem sie über die Verhandlungen des Executiv-Comites berichtet, über Br. Simon Wolf wie fojgt: Mr. Wolf war lange Führer der philantropischen und erziehlichen Anstalten des jüdischen Volkes in Amerika. Er ist am 28. October 1836 zu Hinzweller in Bayern geboren, und kam mit seinen Grosseltern in dieses Land. Er studirte Jura in Cleveland Ohio, und wurde 1861 zum Gerichtshof zugelassen. Er trat in die Federal Armee ein, wurde jedoch wegen seines mangelhaften Sehvermögens entlassen. Darauf nahm er seinen Wohnsitz in Washington D. C, wo er ■ 85 Jahre lebte. Präsident Graut trug ihm den Pos^n eines Archivars für Urkunden des Districts in Columbia l§t;i> an, in welcher Stellung Mr. Wolf 9 Jahre hindurch verblieb. Durch, den Einfluss des Mr. AVolf wurde Benjamin F. Peixotto zum General-Consul von Rumänien erwählt, wo dieser geradezu segensreich für die dortigen Juden wirkte Die Mittel für diese Mission,' die freiwillig aufgebracht wurden, um die Staatskasse nichf zu belasten, blieben nach 2 Jahren aus, worauf Mr. Wolf den t)rden Bnei Briss veranlasste, die Mittel zur weiteren Unterhaltung der Mission zu beschaffen. Die Zurücksendung von Col. Metthew als Consul von Tanger, wo er den-bedrückten Juden in Marocco grosse Dienste geleistethatte, warden Bemühungen Mr. Wolfs zu danken. 1 ' », ' . Im Jahre 187(i war Mr. Wolf einer der Führer der Bewegung, die entstanden war, um; die Regierung der Vereinigten Staaten zu veranlassen, für .Aufhebung des l.'kas zu wirken, den die russische Regierung zwecks Verbannung der Juden aus Bessarabien erlassen hatte. 188J berief Präsident Gaifield Mr. Wolf zam General-Consul von Egypten, er war aber seiner abnehmenden Sehkraft wegen gezwungen, diesen ehrenvollen Ruf abzulehnen.; Mr. Wolf ist der Gründer des jüd. Waisenhauses in Atlanta Ga, Mitglied des Vor- Standes des Wohlthätigkeitsyerbandes im District Columbia, und Präsident des Rupperthauses für Alte und Bedürftige. Er ist auch Förderer, der Alliance Israelite Universelle und ein Mitglied des Comites für. religiöse Freiheit. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass Mr. Wolf, auch an der Abfassung der Petition an d*en russischen Kaiser zu Gunsten der Juden in Kischinew mitgewirkt, Und an den diesbetn Audienzen beim Präsidenten Koosevelt und -Staatssekretär Hay theil- 1 genommen hat. Mr. Wolf ist der Verfasser von ^Der amerikanische Jude als Patriot, Soldat und Bürger", „Die Biographie von M. M. Noah" und „Die Biographie von Commodore U. P. Levy". Immer^grösser wird die Zahl der A rbeitsnachweise, die von den Logen ins Leben gerufen worden, und zum grossen Theil von den Logen, und deren Mitgliedern unterhalten und geleitet werden... Hierauf ist es wohl in erster Reihe zuftickzuführen, wenn jetzt angeregt wird, möglichst überall, wo Logen bestehen, Arbeitsnachweise zu errichten, und alle Arbeitsnachweise unter Leitung der Grossloge zu einem Verbände zu organisiren, Solche Bestrebungen werden gewiss gefördert,-wenn innerhalb unserer Kreise recht häufig dargethan wird, was jeder Arbeitsnachweis leistet. Hiervon ausgehend können wir heut« vom Berliner Arbeitsn a c h we i s "berichten, dass er im Januar 1904: 209 Pers. dauernd, 6G Pers. vorübergehend Februar 1904: 223 •„. _ V 73 „ „ zusammen 432 ., . .,' 13U „ placirt hat.— Es liegt in unserer Absicht, über die Erfolge der Arbeitsnachweise regelmässig in unserm Org^n zu berichten, und um eine Uebersicht über die Gesammtthätigkeit anf diesem Gebiet zu erlangen, wären uns Mittheilungen auch seitens aller anderen Arbeitsnachweise recht erwünscht. Die Logen und Brüder werden ersucht, dafür zu wirken, dass uns diese Mittheilungen regelmässig zugehen.