Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1904-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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- stehen, so z. B. bei Joli. Peter Hebel, bei Ottilie Wildermuth, Chr. v. Schmid und Andern. — Was sollen sich unsere Kinder, die doch Kinder -ihrer Zeit sind, dabei denken, wenn in staatlich eingeführten Lesebnehern noch das Gedicht vorkommt; ,. Vom Bäumlein, das andere Blätter hat' gewollt?" Der Dichter Rückert war sicher kein Antisemit, und doch hat er dem Juden die Habgier angedichtet. Derartige Entstellungen in der Charakteristik der Angehörigen einer anerkannten Religionsgemeinschaft sind im christlichen Staat bei einer andern Confession als der jüdischen einfach undenkbar. Wir sehen also, dass wir auch in dieser Richtung eine. Sonderstellung einnehmen. Nach den bisherigen Darstellungen darf als erwiesen angenommen werden: 1. Die bestehende Jugendlitteratur ist in ihrer Allgemeinheit israelitischen Kindern nicht zu empfehlen. 2. Insbesondere sind alle diejenigen Jugend- und Volksschrifteu zu verwerfen, welche das religiöse unc nationale Empfinden der Juden beleidigen. 3. Ist es zu bedauern, dass wireine ausreichende Jugendlitteratur. welche jüdische Traditionen fördeit. nicht besitzen. Hiernach ergiebt sich die Evidenz l. Dass es wünschenswerth ist, eine unseren Wünschen und Zwecken entsprechende Litteratur zu schatten. Nun ist es eines der vornehmsten Ziele im Programm 'der Loge „Israeliten zu edlen Menschen zu erziehen, sie zur höchsten Sittlichkeit zu führen." Es darf daher mit Freuden begrnsst werden dass die Berliner Logen in richtiger Erkenntniss der Logenaufgaben die Jngendschriftenfrage in ihrer Resolution angeschnitten haben. Allerdings bin ich der Ansicht, dass eine derartige die Allgemeinheit berührende Angelegenheit nicht in den Bereich der Thätigkeit einer einzelnen Loge .gehört. Vielmehr denke, ich, dass die Grossloge die Pflicht hätte, die für die Verwirklichung jener Bestrebungen nöthigen Maassnahmen zu treffen und ein eventuelles Unternehmen in dieser Richtung moralisch und materiell zu unterstützen. Sie kann dies um so eher thun, als ihr durch die Einwirkung auf die Einzellogen eine grössere Machtsphäre zur Verfügung steht, so dass durch die Mitarbeit aller Logen ein positives Resultat mit Sicherheit erwartet werden darf. Sie kann es auch schon aus dem Grunde leicht thun, weil materielle Opfer voraussichtlich nur in geringem Maasse erforderlich sein werden, sofern die geschäftliche Behandlung der Angelegenheit in die richtige Hände gelegt wird. Ich denke mir das etwa so: Die Grossloge ernennt ein litterarisches Comite, das alle nöthigen Funktionen auszuüben hätte, hierher gehört vor allen Dingen die Verbindung mit litterarisch thätigen Elementen behufs Erlangung von druck« fertigen Manuskripten. Es wird Sache des Comites, das narttftich Männer von hervorragender litterarischer Befähigung haben muss, sein, ob es die zu bearbeitenden Themata selbst präzisirt, oder ob die Wahl derselben den Schriftstellern freigelassen ist. Am zweckmässigsten wird dies Ziel wohl am ehesten wohl dadurch erreicht, dass für die Erlangung von * bestimmten Arbeiten Preise ausgesetzt werden, welche nach gründlicher Prüfung den Verfassern der besten Arbeiten zufallen. Damit werden die preisgekrönten Arbeiten geistiges Eigenthum der Loge. Diese kann nun die Manuskripte entweder von sich aus pabliciren oder durch eine Verlagshandlung veröffentlichen lassen. Das erstere möchte ich unter keinen Umständen befürworten. Vielmehr halte ich es für richtig, mit einer der renommirtesten Verkgshandlungen für Jugendlitteratur in Verbindung zu treten, was um so leichter sein wird, als ein prämiirtes Manuskript, das der l'nterstützung eines erheblichen Kreises von Consumenten im Voraus sicher ist, natürlich nur willkommen sein wird. Ich lege aber gerade desshalb Werth darauf, dass die betreffende Firma — welche gar keine jüdische zu sein braucht — eine bekannt leistungsfähige sein muss, weil genau wie in der Waarenbranche auch hinsichtlich der Bücherproduction im Publikum die Ansicht verbreitet ist, und das mit Recht, dass die Bedeutung der Verlagstirma in einem gewissen Verhältniss zu dem Werth ihrer Publikationen steht und schon von vornherein der Ansicht entgegengetreten werden soll, dass etwas Minderwerthiges geboten ist. Ich habe aber auch noch einen anderen Grund hierfür. Ich möchte nämlich wünschen, dass die so veröffentlichten Jugendschriften nicht auf einen jüdischen Leserkreis beschränkt bleiben. Im Gegeutheil scheint es mir wünsehenswerth. dass Jugendschriften mit jüdischer Tendenz möglich kräftige Verbreitung auch unter der christlichen Jagend fänden zur Befreiung von eingewurzelten Vorurtheilen. Es dürfte überflüssig sein, über den geschäftlichen Gang des Unternehmens, das von sich aus lebenskräftig werden muss, etwas zu sagen, alle hierauf bezüglichen Maassnahmen sind Sachen des litterarisehen Comites. 4— Dagegen wächst jedem der Brüder die unerlässliche Pflicht in seiner Art für das zu Stande kommende Unternehmen zu wirken. Das kann nur dadurch geschehen, dass Jeder bei allen passenden Gelegenheiten, wo die Gabe eines Buches für ein Kind angebracht scheint, nur ein solches verabreicht, das womöglich eine jüdische Tendenz hat. Man breche einmal mit der eingewurzelten Gewohnheit, bei gewissen Gelegenheiten nur deutsche Klassiker zu geben, die in den wenigsten Fällen gelesen werden, sondern meist ungelesen in den Bücherschrank wandern. ■ . ~, Wir haben nun zwar am hiesigen Platz noch keine israelitische Jugendbibliothek, die Gründung einer solchen liesse sich aber unzweifelhaft in die Wege leiten. Auch auf kleinen Plätzen, wo noch die jüdische Volksschule besteht, kann unter Umständen da, wo die Mittel fehlen, durch Vermittlung der Loge an Einrichtung einer kleinen Lesebibliothek gedacht werden. Am wichtigsten wird aber immer bleiben, dass wir selbst in unseren Familien durch Einführung von solchen Büchern mit gutem Beispiel vorangehen. Was nun die Berliner Resolution betrifft, so kann man sich mit den Vorschlägen des Br. Beer vollkommen einverstanden erklären. Allerdings scheint er sowohl wie )ei Br., Dr. Eschelbacher von der Enquete des Lehrervereins nichts zu wissen, sonst würden beide Brüder k»um die Annahme aussprechen, dass viel Werthvolles schon vorhandenjjj sei. Mit solch allgemeinen Redewendungen — wenn kein concretes Material vorliegt — ist nichts anzufangen. Weder den Lehrern noch mir ist so viel Werthvolles bekannt, dass es sich verlohnt, darüber zu sprechen. Auch die^Empfehlung des jüdischen Jugendfreund kann ich nicht befürworten. Die