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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 3 - März
Date
1904-03-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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38 — Sitzung intensiver getroffen werden können, wenn dieselbe auf einen späteren Tag verlegt worden wäre. Jedenfalls ist der Gross-Sekretär in Verlegenheit gekommen, da ein zelne Logen trotz allen Drängens und aller Bitten die Be richte für das 4. Quartal nicht eingeschickt haben und ohne diese ein ganz genauer Jahresabschluss niemals gefertigt werden kann. Der Bericht des Finanzcomites der Grossloge für 1U0: erscheint in den Einnahmen deshalb so glänzend,, weil die Sammlungen für Kischinew in demselben enthalten sind. „Kischinew", dieses traurige Blatt in der Geschichte des Judenthoms, für den Orden ist es ein Ruhmesblatt ge worden, denn es hat gezeigt, bis zu welch hohem Grade unsere Brüder opferfreudig sind. Noch in den letzten Tagen ist bei uns von einem Herrn Mayer aus Mailand durch Vermittelung des Br. Ferdinand Liebhold der Betrag von 1000 Lire zu diesem Zwecke eingegangen. Der Bericht des Finanzkomites ergiebt, dass uns aus diesem Fonds noch über 20 000 Mark zur Verfügung stehen und nachdem die Unterstützungs-Aktion in Kischinew unc Hornel beendet ist, wollen wir nur hoffen, dass nicht so schnell wieder traurige Veranlassung eintritt, diesen Fonds zu verwenden. i; Audi sonst bewährt das Kassenbild der Grossloge viel Erfreuliches, denn die gewährten Unterstützungen bedeuten ein wesentliches Plus gegen früher. In dem Berichtsjahr hat sich nur ein neuer Logen verband und zwar der Oberschlesische konstitoirt. Die Monatsberichte sind in der bisherigen Form bei behalten worden. Sowohl im Jahre 1002 als im Jahre 1903 sind je 10 Berichte mit 120 resp. 130 Seiten erschienen. Um jedoch den vielfach ausgesprochenen Wünschen in irgend einer Weise nachzukommen, ist dem ersten Berichte in diesem Jahre eine Beilage zugefügt, welche 2 Artikel enthält, deren Inhalt nicht grade in direkter Beziehung zum Orden steht, aber doch wenigstens in Beziehungen zum Judentum und denen - ein wissenschaftlicher Wert nach Ansicht des Redaktionskomites beizumessen ist. Es wird geplant, alle 3 Monate eine solche Beilage erscheinen zu lassen und solange als möglich auch in den Beilagen nur Brüder zu Worte kommen zu lassen. Die Grossloge wird nicht umhin können, sich über diese beabsichtigte Neuerung kritisch zu äussern. Noch immer verstummen nicht die Klagen über mangelnden Besuch der Logensitzungen und auch während meiner Reise habe ich von einzelnen Logen solche Klagen gehört. Nede Mittel, den Logenbesuch zu heben, scheinen nicht gefunden zu sein; einzig und allein haben sich wohl nur bewährt die geislige Anregung, welche die Biüder in den Logensitzungen erfahren und die Lokalverhältnisse der Logen. Nach der letzteren Richtung ist es erfreulich, dass 6 Logen .in der Berichtsperiode ihr Heim gewechselt und sich durchweg verbessert haben, was namentlich von den Logen in Karlsruhe und Magdeburg gilt. Die Einweihung des neuen Logenbeims in Frankfurt a./M. erfolgte in einer Weise, die man in Frankfurt zu erwarten berechtigt war und auch die Einweihung des neuen Logenheims in Stettin am 16. November 1902 in Verbindung mit der Sitzung des General- Comites verlief in würdigster Weise. Inzwischen ist auch der Grundstein zu einem neuen Logenheim in Hamburg gelegt und auch in Hälberstadt wie in Stuttgart werden die Logen : bald neue Räume zu beziehen in der Lage sein. Der Antrag der Borussia-Loge in Danzig, alljährlich eine besondere Uebersicht über die Leistungen der Loge auf socialem Gebiete erscheinen zu lassen, musste bedauerlicherweise abgelehnt werden, weil nach den bisherigen Erfahrungen die Grossloge auf prompte Berichterstattung der einzelnen Logen nicht zu rechnen hat und weil auch erfreuerlicherweise die Leistungen auf diesem Gebiete besonders hervorragend sind, so dass die der Grossloge zugemutete Arbeit zu umfangreich würde. Jede einzelne Loge, die ich besucht habe, konnte von solchen Leistungen berichten und das Erfreulichste war, dass auch die jüngsten Logen in Erfüllung solcher Aufgaben nicht zurückstanden. Zu solchen Aufgaben, die in der verflossenen Berichts- Periode von der Grossloge und den einzelnen Logen in die Hand genommen resp. weiter gefördert sind, gehören namenflich die Hilfsaktion tür Kischinew und Hömel, die Enquete in Hessen, die Anregung auf Errichtung eines allgemeinen Archivs der Juden Deutschlands, die weiteren Leistungen zur Bekämpfung des Mädchenhandels, die Förderung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes bei dessen Bestrebung zur Erteilung von Religionsunterricht, die Förderung der Boden-Kultur-Gesellschaft, die Anregung auf Schaffung einer Litteratur für die jüdische Jugend, welche wohl hervorragend die diesjährige Grosslogensitzung beschäftigen wird, das Vorhaben der 3 Berliner Logen auf Errichtung einer Toynbee-Hälle in Berlin, die Errichtung eines Altersfonds bei der Berthold Auerbach-Loge zur Unterstützung der durch Alter erwerbslos gewordenen Brüder, der durch die Amicitia-Loge geschaffene Nachhilfeunterricht Schwachbegabter Schulkinder, die Errichtung von Toynbee-Hallen durch die Logen in Hamburg und Mannheim, die Erteilung von Elementarunterricht an die in Frankfurt lebenden Galizier durch die Loge in Frankfurt, die Schaffung von Jünglingsvereinen durch die Logen in Cöln und Strassburg, die Einrichtung der überaus segensreichen Wanderbibliothek durch die Loge in Strassburg, die Einsetzung eines Komites von Beratern tür die schulentlassene Jugend durch die München-Loge, der durch die Loge in Thorn eingerichtete Nachhilfe-Unterricht, das staatlich anerkannte Wirken der Stuttgartloge in Bezug auf die jüdische Krankenpflege, die Förderung des Jugendvereins durch dieselbe Loge und die Errichtung eines Jugendvereins durch die Loge in Düsseldorf. Nimmt man noch die in vielen Logen bestehende Thätigkeit bezüglich Ferienkolonien, die zahlreichen Veran« staltungen von Bescheerungen zu Chanukah und Purim, die Tätigkeit der Frauen-Vereine, von welchen in der Berichtsperiode mehrere neu gebildet sind, und die zahllosen Unterstützungen durch Geldbeiträge solcher Institutionen hinzu, die nach ihren Satzungen sociale Aufgaben zu erfüllen laben, so werden wohl die Vorwürfe verstummen müssen, als *ob die Logen die heutige Zeit, welche namentlich zur Erfüllung socialer Aufgaben drängt, nicht verständen. Freilich könnte bei der Thätigkeit der Logen eins aufallen, nämlich dass es keine grossen Institutionen giebt, welche von den Gesammtlogen errichtet und geführt wird. Ich bin mir selbst nicht klar, ob dies ein Vorzug oder Fehler ist.

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