Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Article
- Beilage zu Nr. 2
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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dürfe, dass eine Gemeinschaft, die über 30 000 Mitglieder zähle, berufen sei, eine führende Rolle in dem amerikanischen Judenthum zu spielen, eine Rulle, die in dem letzten Jahrzehnt von anderen Gemeinschaften ihm entwunden zu werden drohte. Und man kann es sagen, mit dem Tage, an welchem Levi an die Spitze trat, hat der Orden die Stelle eingenommen, die ihm seiner Mitglicderzahl, seinen Antecedentien und seinen Mitteln und seiner Organisation nach vollauf gebührt Kine grosse Reihe wichtiger Fragen war im amerikanischen Judenthum zu l<is'en. Als I.evi an die Spitze trat, war vor allem das Problem zu lösen, das allen redlichen Juden schlaflose. Nächte und ' tiefen Kummer bereitet hat. das Problem der Einkvanderungsfragc. Jedes Schiff brachte hunderte und aberhunderte von russischen, galizischen und rumänischen Einwanderern, die ein trauriges Koos aus den Ländern des ()stens, aus den Ländern der Barbarei nach Amerika schickte, um sich eine 1 leimath zu suchen. 1 )ie Zahl der Juden, in New York vor allem, dann aber auch sonst in allen grössere!* Städten Amerikas wuchs verh intrnisvollcr Weise an. Alle sahen, hier muss etwas geschehen, aber w as.- Alle waren rathlos, auch die 'Klügsten und Besonnensten wussten nicht, was geschehen soll. Schon vor 20 Jahren auf jener t onferenz in Berlin, an (k r'manche von llyien theilgenommen haben, hat ein edler Judp* es ausgesprochene „Wenn nicht bald Hilfe kommt, ist in New York eine grossere Katastrophe zu befürchten als in Rüssland". Nun, meine verehrten Brüder, diese Katastrophe ist bis heute abgewendet und sie wird, wenn man in den Wegen Levi s fortschreitet und. was er so ruhmvoll begonnen, weiter fortsetzt, 'sicher vermieden werden. Denn auf zwei Dinge, hat er vor allem sein Augenmerk gelenkt, erstens 'dahin, die neuen Ankömmlinge im Lande zu vertheilen. Ks ist ganz klar, dass es in Amerika nicht' nothwendig gewesen wäre, dass ,"{00 000 |Udcn, in engen Gassen zusammengedrängt, ein neues Ghetto bildeten, wenn man damals dazu gelangt wäre, die Juden zu vertheilen. Heute ist es gelungen, über 10 000 Einwanderer auf 4ö() Plätze zu vertheilen. Ermessen Sie,- was das für ein grosser Segen für das Judenthum ist! Und auf noch ein anderes lenkte er, der Khige, sein Augenmerk: die Untüchtigen, Untauglichen nach ihrer Heimat zurückzuführen. Innerhalb des genannten Zeitraumes sind über 00"0 Juden nach Europa zurückgebracht worden. Das i,st ein grosser Segen für das amerikanische Judenthum. Aber selbst für die Einwanderer, für diejenigen. denen der Aufenthalt gestattet würde, ' bew irkte man günstigere Bedingungen. Wahrend man sie; früher als Analphabeten ansah und sie Dach dem (iesetze des I.andes nicht landen Hess, wurden' sie durch warme Fürsprache als solche angesehen, die eine Sprache, das Jüdisch-Deutsche, sprechen und schreiben können und die deshalb einwandern dürfen. Hin anderes furchtbares, aber damit zusammenhangendes Problem, <la<-/Tch schon kurz berührt habe, das Problem des Ostend! Judenthums in New York, dass sich dort ein grosses Ghetto gebildet hatte, aifch diesem l'n>- ■ . . '* - - blcm ist Levi nahe getreten. . Allerdings, um es zu lösen, gebort mehr als menschliche Kraft; aber , man hat es wenigstens versucht, mit grosser 1 hatkraft auch hier Wandel zu schatten, indem man' mehrere Vororte ausgewählt hat, nach Welchen ■ j " man diejenigen Juden, die in Ostend nicht-mehr , ihr Auskommen linden konnten, hinbrachte und sie dort zu menschenwürdiger Ks.istefl'z' geführt hat. Man ' errichtete sogenannte Hauptquartiere des Ordens*! in welchen die Neuankömmlinge Rath Und Belehrung, die Kinder Unterricht erhielten, so d-ass, wenn sie ein Hauptquartier verliessen. sie befähigt waren, ihr Auskommen an einem kleinen Orte Amerikas zu Rotten.'..Und dann wurde noch weiter durch das ' Natiotfal-, hospital für Schwindsüchtige für-die Finwanderer wie für Einheimische etwas Grosses geschaffen. Und noch nach vielen anderen Richtungen erstreckte sich Levi's Thätigkeit im Orden. lir \mt~ es bewirkt, dass auf der FrziehuHgsrGonferenz. im Decerhbcr 11)02 der protestantische Bischof Potter'.und der Rabbiner Dr. Kmil F. 'Hirsch sieh die Hand zu gemeinsamer Arbeit reichten, dass für die Waisenkinder jener unglücklichen" Juden überall vom Orden . Institutionen'"• geschaffen wurden, in welchen sie erzogen und' weiter ^gebildet wurden. -']'- ", V "V I )as war seine si iciale Wirksamkeit.. (in isser und bedeutender ist aber noch sein politisches Wirken. Fs war, als hätte wirklich die Yorseh'ung ihn zu seiner Stellung berufen, als jene entsetzliche Katastrophe ausbrach, deren,*Erinnerung ims alle noch heute mit Schrecken erfüllt, jene Katastrophe von Kischinew. Da zeigte sich denn Levi als der grosse Mann, als der Staatsmannin' Israel, --wie ihn der Prediger an seiner Bahre genannt hat — 19 —