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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 2 - Februar
Article
Beilage zu Nr. 2
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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gfössten amerikanischen Zeitung Herrn Hr. Isidor' Singer, .den Herausgeber der Jewish Kncyclopaedia, der ihm im Leben nahe stand, nach der Sitte jenes Landet über Leo N. Levi befragt, und was dieser - .Mann im Augenblicke der tiefsten Erregung, in aufrichtigster Betrübnis gesprochen, bleibt wohl das! treffendste Unheil, das über I.evi abgegeben worden ist. Kr sagte: ,,Durch seinen Tod ist im amerikanischen Judenthum eine unausfüllbarc Lücke gerissen worden und mehr als das. es ist! ein Unglück für die < >pfcr der russischen und rumänischen Barbarei, deren er sich mit einer seltenen Knergie angenommen hat. Neben Jacob H. Schiff war er ■ als Führer des amerikanischen Judenthums allgemein anerkannt; er waf der Typus des ameri- ( kanisch-jüdischen Patrioten, er war der erstejüdische Staatsmann, den Amerika hervorgebracht und den es sich nicht aus der europäischen |ude,nheit geholt hat. Fr war erst 4 I Jahre a t, als er der Leiter der -rüssten jüdischen Gesellschaft der Welt wurde"./ So lautet das Urteil über I.evi in Amerika und, meine verehrten Freunde und Brüder, indem wir uns anschicken, das (Jrtheil über ihn au* eigener Kenntniss zu sprechen, werden wir es nur Wort für Wort bestätigen können, was in der tiefsten , Seelenerregung die Retiner am Grabe und die i .Männer in den Zeitungen von ihm gesagt, ge-j! schrieben und gesprochen haben. Allerdings, meine verehrten Freunde, um eine solche Erscheinung, wie Leo X. Levi es war, zu begreifen, muss man sich nicht nur die Lage unserer Glaubensbrüder in Amerika, sondern vor allem den Grund und Boden näher ansehen, auf dem solche Männer erspriessen und gedeihlich wirken. Sie alle wissen, dass anders die Lage der Juden in Amerika war von jeher als bei uns in Europa. Ein frisches, Leben pulsirt dort in allen Kreisen, denn es fehlen ihm die Traditionen.j die Voraussetzungen und die zw ingenden Gründe, die das europäische Leben seit Jahrhunderten inj so eigenartiger Weise beherrschen. „Amerika, Du fhast es besser!" so sagt man sich immer und immer wieder mit dem Altmeister Goethe: ..Amerika, du hast es besser Als unser Kontinent, das alte, Hast keine verfall'ne Schlosser Und - keine Basalte/ Dich stört nicht inj Innern Zu lebendiger Zeit Unnützes Erinnern Und vergeblicher Streit." Besser, als es der glänzendste Redner, und besser, als es der schärfste Charakteristiken und Schriftsteller sagen könnte, hat der deutsche Dichter mit diesen wenigen Versen das geschildert, Was Amerika als einen Vorzug noeli nach Jahrhunderten vor Deutschland voraus . haben 'win£ Dort schafft und ringt ein aufstrebendes Geschlecht mit zäher Kraft und in gewaltiger Lebensfüllc. Diese gewaltige Lebensfüllc ist vör allem. dem amerikanischen Judenthum zu gute gekommen; es kannte sich frei und ungehindert entfalten," frei von allen Fesseln, die dem europäiscl>en Judenthum theils durch eigenen Willen, . thcils' durch fremde Gewalt aufgedrängt wurden. , In einem solchen Lande und auf einem solchen Boden müssen Männer entstehen, die durch eigene Kraft rasch und sicher, durch eine keile, durch e.irfß That zu grosser Stellung, zu hohem Ansahen, zu geschichtlicher Bedeutung gelangen können,. Und ein solcher Mann'war Levi. .'Auf drei verschiedenen Gebieten, ja. auf allen 'den"■drei Gebieten,'auf denen wir überhaupt zu'schaffen haben, auf'religiösem, socialem und politischem Gebiete hat er gewirkt, und, was er dä .gethan und erreicht, wollen' wir in dieser Weihevollen Stunde an uns vorüberziehen lassen; Gerade, meine verehrten Brüder, dieses eigenartige amerikanische Leben, dieses frische Getriebe hat es ja bewirkt, dass unser Orden vor allem besonders in Amerika hat festen Boden fassen k'onncn. Alle die Vereine und Institutionen, die'ilas sociale, religiöse und politische Leben unter den Juden in Europa regelten und leiteten, fehlten dort. Das war von grosser Bedeutung, darum gelangte.der Orden in so vernältnissmässig kurzer .Zeit zu so. hoher Blüte, zu so bedeutungsvollem F.inflüss jenseits des Occans. Allerdings Waren .mit/dieser raschen und frischen Wirksamkeit au'cfh Mängel und Fehler verknüpft, die nicht ausbleiben konnten und die auch nicht ausgeblieben sind, unter denen _ zum Theil der Orden dort noch heute krankt.» Die Entwicklung war einezu rasche und zu fjeurige und in'diesem jugendlichen Ungestüm rhusste Sje vieles mit sich reissen, Was dauernden . Bestand haben muss im Judenthum, ohne das. das Judenthum nicht exisnren und nicht in Zukunft seine ' J ' Mission erfüllen kann. Noch ist die" Geseh'idrte iles amerikanischen Jtidenthums nicht geschrieben. Wenn sie aber einmal geschrieben werden wird, so muss sie sich vor allen Dingen mit der religiösen Entwicklung in Amerika beschäftigen. Die Reform

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