Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1904-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
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zuständigen Programms wie dessen Durchführung Geschick und Eifer gleichennassen au den Tag gelegt hat, und bei seineu öfteren Veranstaltungen nicht nur den Brüderu sondern auch deren Familien Gelegenheit gab, sich gesellschaftlich näher zu treten. So konnten wir mit einer gewissen Freude unserem ersten Stiftungsfest am 27. November entgegensehen, das auch in Anwesenheit vieler lieber Freunde und Gäste in bester Harmonie und anregend verlief und an dem auch der zu unserer Feier herbeigeeilte Grosspräs, gern Gelegenheit nahm, seine Zufriedenheit mit den Arbeiten der Saarloge auszusprechen. Herder-Loge In Hetlbroon. Man kann billiger Weise von einer Loge, die erst 10 Monate besteht, keine Thätigkeit von grösserem Umfang und keine besonders bemerkenswerthen Erfolge erwarten, es gilt' zuerst den rechten Boden finden, ehe man ihn bestellt, und auch nach der Einsaat muss eine geraume Frist zur Ernte verstreichen. Es würde eine befriedigende Leistung darstellen, wenn wir von uns sagen könnten, dass wir die Zeit ausgenützt haben, um künftige erspriessliche Thätigkeit vorzubereiten. Wir haben in unseren Sitzungen, deren Besuch als im Durchschnitt gut bezeichnet werden kann, die laufenden Geschäfte geregelt und die neu auftauchenden Fragen der inneren Verwaltung gelöst. Derartige Gegenstände, deren Behandlung nicht Selbstzweck sein kann, haben uns namentlich in unseren Anfängen viele Stunden beschäftigt. Mit der Zeit sind diese Punkte mehr und mehr dem Beamtenrat oder etwa zuständigen Ausschüssen, die wir in reicher Zahl gebildet haben, überwiesen worden. Man wird diese allmähliche Aenderung als Besserung ansehen. Die Logenabende müssen mit wichtigeren und edleren Dingen ausgefüllt werden, sie dürfen nicht wegen nebensächlichen VerwaltungsbaHastes in die Länge gezogen werden und dadurch an Anziehungs- und Wirkungskraft einbüssen. Wir haben geglaubt, die Loge insbesondere dadurch anziehend zu machen, dass wir durch eitrige Pflege der Geselligkeit die Beziehungen der Brüder zu einander herzlicher gestalten. Wir blicken zurück nicht nur auf die schön verlaufene Installationsfeier, sondern wir haben uns auch fast nach jeder Sitzung au gemüthlicher Nachsitzung vereinigt, wir haben ein gemeinschaftliches Essen abgehalten, wir haben unsere Damen zugezogen, um Vorträge über Stoffe von allgemeinem Interesse entgegenzunehmen, wir haben uns in den Sommerferien auf den Versuch zwangloser Familienzusammenkünfte eingelassen, wir haben im October einen genussreichen Familienabend veranstaltet, und wir haben unsere Chanukkafeier noch in bester Erinnerung, die einen wohl »allseits befriedigenden Verlauf genommen hat. Solche emsigen Bemühungen, das Band der Brüder enger zu knüpfen, sind insbesondere für die ersten Zeiten einer Loge geboten; später sind solche Veranstaltungen bis zu einem gewissen Grade einzuschränken; der Gedanke muss sich vertiefen, dass wir kein Geselligkeitsverein, sondern eine Loge mit ernsten Zielen und Zwecken sein wollen. So vielen Dank wir demnach auch dem Geselligkeitsausschuss für die gebotenen Unterhaltungen schulden, so sehr sind wir veranlasst, dem Ausschuss für geistige Interessen die belehrende Unterhaltung, die er uns verschaflt hat, hoch anzurechnen. Wir denken zurück an den Vortrag über Herder, durch den unser Br. Rabbiner Kahn unsere Kenntnis dieses edlen Menschen erweitert hat; wir ufen uns in's Gedächtniss unsere Herderfeier mit dem Vortrag desselben Redners über Humanität, die Tugend, die sich nicht allein bemüht, die Menschen im Ganzen auf ein höheres Niveau zu bringen, sondern die insbesondere im letzten Jahrhundert praktisch und social geworden ist. Unser Bruder Mentor Maier'hat uns durch einen Vortrag über Babel und Bibel in einem der interessantesten religiontgeschichtlichen und doch actuellsten Stoffe eingeführt, nnd er hat uns an einem anderen Abend einen hörenswerthen Ueberblick über die Geschichte der deutschen Juden gegeben. Nicht vergessen darf auch sein der Vortrag, den Br. Schlesinger der Frankfurt-Loge uns über Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht gehalten hat. Neben diesen Vorträgen sind eine Reihe von Referaten zu nennen, theils mehr theoretischer Natur, wie: „Die Geschichte des Ordens", „Friedrich Nietzsche und die Juden" theils in engerer Beziehung zu praktischen Aufgaben, so: „Der Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina", ..Die Verhandlungen des ostdeutschen Logentags" und insbesondere „Der Mädchenhandel und seine Bekämpfung" sowie „Die Betheiligung der Juden am Handwerk". Jeder von uns wird bekennen müssen, dass er bei solchen Gelegenheiten gelernt, sein Wissen und seine Bildung erweitert hat. Es stellt uns wohl kein schlechtes Zeugniss aus, dass es in der Hauptsache Brüder der eigenen Loge waren, welche über diese zahlreichen Stoffe zu uns gesprochen haben. In diesem Zusammenhange soll auch darauf hingewiesen werden, dass der Antrag eines Bruders, einen Fonds für eine Bibliothek anzulegen, uns einen, wenn auch bescheidenen Anfang einer Bibliothek gebracht hat. N Wir haben aber nicht nur daran gedacht, geistige Güter für uns einzuheimsen, sondern wir haben uns auch bemüht, unsere materiellen Güter edlen Zwecken zur Verfügung zu stelleu. Ein Bruder hat 1000 Mark gestiftet, damit die Zinsen solchen jungen Leuten zu Gute kommen, die sich dem Handwerk, dem Ackerbau oder der Gärtnerei widmen wollen. Seither verging kaum eine Sitzung, in der nicht berichtet werden konnte, dass der oder jener Bruder aus diesem oder einemanderen Grunde der Loge ziemlich erhebliche Geldbeträge zu wohlthätiger Verwendung überwiesen hat. So haben wir denn, allerdings mit einiger Zurückhaltung beginnen können, in die Aussenwelt mit Wohlthaten zu treten. Die Loge hat für Kischinew 100 Mk. gegeben, und Logenbrüder waren es, die ausserdem in der Stadt erhebliche Beiträge für denselben Zweck gesammelt haben; die Loge unterstützt hier einen jüdischen Handwerkerlehrling, sie zahlt einen Beitrag in die Anstalt nach Ahlem, sie unterstützt den Verein für Arbeitsnachweis in Berlin, und sie hat bei der Chanukkafeier, die den Brüdern erneuten Anlass zu freiwilligen Beiträgen gab, armer Kinder liebreich gedenken können. In allen diesen Dingen hat die Herder-Loge nichts besonderes gethan, sondern sich nur dem Vorbild der Schwester« logen angeschlossen. Wir waren bemüht, in steter Fühlung mit diesen zu bleiben, unsere Brüder waren, wenn auch nicht so zahlreich als wünschenswert!, scheint, bei Sitzungen