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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1904-02-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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— 28 — Indem ich mich der Aufgabe unterziehe, ein Bild unserer Arbeiten zu entwerfen, muss ich mit Rücksicht auf die knappe Form, in der dieses Bild gehalten sein soll, alles Minderwicbtige ausschalten und nur diejenigen Arbeiten anfuhren, welche allgemeines Interesse haben. Zunächst sei es mir gestattet, die in der Arbeitsloge gehaltenen grösseren Vorträge aufzuzählen : Wir hörten amj 22. Oktober einen recht lehrreichen Vortrag unseres Br. Rotschild über : Die Aufforderung zum Beitritt zur jüdischen Orient Colonisations-Gesellschaft. Am 29. Oktobet verlas unser w. Präsident Br. Sternau Eine Rede des englischen Abgeordneten Macaulay für die Emancipation der Juden, gehalten am 17. April 1$33 im englischen Unterhause, die uns um so interessanter erschien, als der Inhalt zum grossen Tneül auf die heutige soziale Stellung der Juden in Deutschland passt. Am 12. November hörten wir einen ausführlichen und tiefdurchdachten Bericht unseres Br. Freund ■ Ueber den Verein für jüdische.Statistik und das von demselben herausgegebene Werk. Der 19. November bot uns 2 grössere Vorträge: 1. Eine eingehende Schilderung der Verhandlungen des Ostdeutschen Logen-Tages von unserem Br. Alsbach. 2. Einen Vortrag über unser Schwesterwesen in Form eines Berichts an die Grossloge von unserem w. Mentor j Br. Flörsheim, der sich um unser Schwesterwelsen hochverdient gemacht hat. Am 3. Dezember besprach Br. Rothschild in fesselnder Form das Werk des Dr. Mechanik : „Das zionistische Trugbild und seine Gefahr". Schliesslich sei noch der Rede unseres w. Präs. Br. Sternau gedacht: ,,Ueber und von Morris Rosenfeld". Ausserdem haben wir 3 Vorträge in offener Loge zu verzeichnen, an welcher unsere Schwestern und auch einige Gäste theilnahmen: 1. Ein Vortrag unseres Schatzmeisters Br. Elkan über: „Meine Reise "nach Norwegen'-. 2. Einen Vortrag unseres w. Mentors Br. Flörsheim über das act^ielle Thema „Bibel und Babel". 3 Einen Vortrag unseres prot. Secretairs Br. Sandheim über: ,.Das Buch Hiob.' Dass wir neben der Pflege geistiger Interessen auch der Armen und Npthleidenden gedachten, geht einerseits aus den von'uft^ gewährten Unterstützungen und andererseits aus den erheblichen Zuwendungen hervor, die uns zu diesem Zwecke von hochherzigen Mitgliedern J unserer Loge im laufenden Jahre zu Tneil geworden sind. '< Ich erwähne auch die Zuwendungen, welche wir gemeinnützigen und wissenschaftlichen Bestrebungen z. B^dem Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden und dem Verein zur Förderung der Wissenschaft des Judenlhums zu Theil werden liessen und gedenke der sogen. Flatower Kinder, die auf Veranlassung unserer Loge erzogen und hoffentlich zu brauchbaren Menschen herangebildet werden. Am 14. Mai spendeten wir aus Logen-Mitteln 800 Mk. für die nolhleidendenden Glaubensgenossen in Kischinew und unsere Orts-Ausschüsse veranstalteten resp. in Verbindung mit den Vorständen der israelitischen Gemeinden zu gleichen Zwecken Sammlungen, die ein recht ansehnliches Resultat ergaben. In unserer vorletzten Arbeilsloge hatten wir die Genugthuung, durch unsern w. Mentor Br. Flörsheim zu erfahren, dass wir Anfangs October die 2. Krankenpflegerin erhalten werden. Den Fortschritt auf diesem Gebiete verdanken wir lediglich der unermüdlichen und selbstlosen Arbeit unseres Br Flörsheim, der nunmehr auch durch das von der Loge geschaffene „Kuratorium für jüdische Krankenpflegerinnen in Dortmund" unterstützt wird. Während wir in dieser Saison 5 neue Brüder aufgenommen haben, sind uns leider 3 liebe und theure Brüder, die sich um unser Logenleben hochverdient gemacht haben, durch den Tod entrissen. Feierliche Trauerlogen, zum Theil unter Anwesenheit von Angehörigen der Verblicherren, fanden am 30 April, 24. September und am 7. Januar statt. Eine Gedächtnisstafel für unsere verstorbenen Brüder ist bereits bestellt und wird in allernächster Zeit in unserem Logenheim angebracht. 9 Erwähnt sei auch, dass manche unserer Brüder aut ihren Reisen Gelegenheit fanden, Schwesterlogen zu besuchen und in unseren Versammlungen darüber Bericht erstatteten. Recht viele und besonders" interessante Berichte liefert unser Br. Expräs. Isidor Goldschmidt, der auf seinen grossen Reisen die entferntesten Logen besuchte und es verstanden hat, uns die vielfachen Eindrücke und Erfahrungen, die er gesammelt, in packender Form wiederzugeben. Auch wir waren in der angenehmen Lage, häufig Brüder anderer Logen bei uns zu sehen und sprechen an dieser Stelle den Wunsch und die Bitte um recht häufigen Besuch aus. Der angenehmste und liebste Besuch war uns der unseres hochw. Grosspräs. Br. Justizrath Timendorfer am 10. December. Die Eindrücke, die uns durch den hochw. Grosspräsidenten sowohl in der Arbeitsloge sowie in der sich hieran schliessenden offenen Loge verbunden mit einem Festessen, an dem auch unsere Schwestern theilnahmen, geworden, sind derart erhaben, dass der 10. December 1903 mit ehernem Griffel in die Geschichte unserer Loge eingetragen wird. Möchten die Wünsche, die an diesem Abend von dem hochw. Grosspräs, für das Gedeihen unserer Loge ausgesprochen sind, in Erfüllung gehen; dem hochw. Grosspräs, aber sei auch hier unser herzlichster Dank ausgedrückt. _ Indem ich gleichen Dank all Denen sage, die sich während der Berichtszeit um unsere Loge verdient gemacht, spreche ich den Wunsch und die Hoffnung aus, dass die Arbeitslust und die Arbeitsfreudigkeit innerhalb unserer Loge weitere Fortschritte machen und das eben begonnene neue Jahr recht gute Früchte zeitigen möge.

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