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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1904-02-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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— 23 — hier machtlos, wenn der gute Wille bei den Brüdern fehlt — und alsbald zum Kernpunkt fiberzugehen, Anregungen von der Grossloge oder den Schwesterlogen aufzunehmen und wo erforderlich, den Brüdern Referate zu fibertragen, um die wichtigsten Punkte in den Vordergrund zu stellen. Es ist ja unausbleiblich, dass bei der Fülle des gebotenen Materials jede einzelne Anregung, selbst wenn Sie genügend durchge arbeitet wird, nicht immer gleich zur praktischen Nutzan wendung gelangt, besonders, da in den letzten Jahren unser Augenmerk von allgemeinen Ordensideen auf spezielle Vor gänge hingelenkt wurde, die wie sämmtliche Logen, so auch die unsrige in vielen Sitzungen beschäftigt haben. - „Kischinew war die traurige Devise an vielen Abenden. Immer wieder jagt die Nennung dieses Namens, der als Schandfleck mit roten Lettern für ewig in der Geschichte russischer Unkultur verzeichnet steht, das Blut 'durch die Adern und wir häben wenigstens die Genugthuung, dass unser Orden mit einem namhaften Betrag zur Linderung der Leiden unserer Glaubens brüder beigetragen hat. Unsere Loge ist der Aufforderung der hochwürdigen Grossloge alsbald gefolgt und hat derselben einen Betrag von ca. M. 850.— zur Verfugung gestellt Auch dem Hilfsverein der deutschen Juden, der hier ein Localcomite errichtet hat, haben -sich die meisten Brüder angeschlossen; viele der Unsrigen gehören , dem Comite an Die galizische Frage ist durch Kischinew zeitweilig etwas in. den Hintergrund geruckt. Immerhin beschäftigten wir uns auch mit diesen unglücklichen Glaubensbrfidern in mehreren Sitzungen und verfolgten mit Interesse die Berichte aus jener Gegend. Unser Bruder Consul Simon hat uns aus eigener Anschauung von dort erzählen können, auch die Berichte der kürzlich von einer Inspectionsreise heimgekehrten Damen haben uns beschäftigt. Ebenso verfolgten wir die Thätigkeit des Vereins zur Bekämpfung des Mädchenhandels und sprachen uns wiederholt über dieses Thema aus. Die einzelne Loge kann für diese wichtige Culturfrage nur das Interesse der Brüder wachhalten, vielleicht auch hin und wieder Anregungen geben. Selbst der Nord westdeutsche Logen verband, welchem auch die Zion-Loge angehört, ist nicht imstande, hier eine entscheidende Stimme zu führen. Für diese und ähnliche Fragen wird einzig die hochwürdige Grossloge aus den Ge samtanregungen der Einzellogen heraus die Mitarbeit des Ordens präcisiiren können. So ist auch u. E die Gasim mtthätigkeit des Nordwestdeutschen Logenverbandes aufzufassen Es ist nicht möglich, bei der einmal alljährlich stattfindenden Zusammenkunft grosse Kulturprobleme zu lösen oder auch nur Fragen, die über den Rahmen der Nord westdeutschen Logen hinausgehen zu entscheiden, zumal ja alle Beschlüsse der nachträglichen Sanktionirung durch die betheiligten Logen bedürfen. Auch ist dazu die Arbeitszeit viel zu kurz, da ja die Geselligkeit auch in ihre Rechte treten soll. Wir werden daher auch auf eine Vereinfachung der Tagesordnung hinwirken und die Voranstellung wichtiger unsern Bezirk betreffender Fragen befürworten. — Der Schwerpunkt unseres Verbandes, liegt u. E. überhaupt in der Befestigung des Logenbandes, durch das Zusammentreffen der Brüder, durch die gemeinschaftliche Aussprache nicht nur bei der offiziellen Tagung, sondern auch nach dieser unter den einzelnen Brüdern, Der Blick wird dadurch geschärft, die Brüderlichkeit gehoben und jeder^Delegirte bringt seiner Loge neue Anregung. Von Köln sind Wir sehr befriedigt heimgekehrt, wenngleich der von uns auf die Tagesordnung gesetzte Punkt, die Gründung eines Kindemyls an* der Nordsee nicht zur Berathung gelangte. Wir hoffen aber trotzdem mit der Zeit für diese Idee bei den Schwesterlogen und der würdigen Grossloge Gegenliebe und Mitarbeit .zu finden. Die Verwirklichung dieses Planes würde dem Orden ein dauerndes Denkmal setzen. Unser Comite für kur- und pflegebedürftige Kinder wird dieses schöne Liebeswerk nfcht aus den Austen lassen. Zunächst müssen wir die Kinder, die wir alljährlich zur Erholung fortschicken, anderweitig unterbringen. Im letzten Sommer haben wir %~ Kinder mit dem besten gesundheitlichen Erfolge nach Salzhemmendorf gesandt. I)a.- Comite; setzt auch alljährlich M. 200.— für Milcliirüh.-tuck in den Volksschulen aus. Einen' ausführlichen Bericht hat unser Comite bereits erstattet. Auf die körperliche und geistige Bildung unserer Jugend sind wir* überhaupt ganz bedacht. Unser Antrag betr. Schaffung einer Jugendlitteratur ist der Grossloge bekannt! Eingehend beschäftigen wir uu> auch mit der Gründung eines Sammelpunktes für die reifere Jugend. Wir halten es für wichtig, uuterder heranwachsenden Jugend, der Trägerin der Zukunft des Judeuthums, wirkliche Kenntniss von dem Charakter und dem Werth! des Judenthums zu verbreiten. Eine Kommissionvon 15 Brüdern arbeitet mit Hingebung an der" Durchführung dieses Planes und wir hoffen in unserem nächsten Bericht von dem ersten Erfolge unserer Bemühungen sprechen zu können. Auch an der Gründung des Mädchenheims, in Ahlem betheiligten wir uns mit Eifer, sowohl dorch materielle Unterstützung als durch Rundschreiben an die Schwesterlögen. Die Anstalt, in Ahlem konnte gleichzeitig mit der Einweihung dieses neuen Zweiges auf eine zehnjährige erspriessliche Thätigkeit zurückblicken, für die auch seitens der höchsten Provinzialbehörden volles Lob gespendet Wurde. Die Anstalt in Ahlem hat unser dauerndes Interesse und wir haben daselbst auch einen Knaben untergebracht, dessen Ausbildung wir übernommen haben. Für die Mutter dieses Koaben, welche plötzlich verwitwet mit einer zahlreichen Kinderschaar gänzlich . mittellos dasteht, haben wir einmalig eine namhafte Sumim gespendet und auch mehrfach Veranlassung genommen, plötzliche Noth zu lindern, Kranken mit Geldbeträgen beizustehen und junge talentvolle Leute, die allgemeine Wissenschaften oder Musik studieren wollen, aber nicht ilie. nöthigen Mittel besitzen, materiell /zu unterstützen. Sehr viel w«rdeu auch unsere Mittel von auswärts in Anspruch genommen und wir würden bald unsere Kasse erschöpft sehen, wenn die Brüder nicht andauernd Extrabeiträge senden würden. —'Immerhin aber haben wir die Absicht, unsere Mittel in Zukunft doch' mehr zusammen zu halten, da das System der Zersplitterung nicht den Segen schafft, den wir bei .haushälterischen Wirtschaften und grösserer Beachtung heimischer Noth mit den grossen alljährlich gespendeten Summen hringeu könnten. Eine recht namhafte Summe stellten, wir auch wieder dem schon jahrelang wirkenden Nähverein unserer Frauen rar Verfügung, der eben in Begriff ist, sich "zu oi gauisiren. Diese Zuwendung trägt uns doppelte Früchte ein. Einmal uud in der Hauptsache werden viele, bedürftige Frauen "ud Kinder mit Kleidung versehen, dann aber trägt die kräftige l'nterstutzung des Nähvereins zur Belebung des. Logenbesuches bei. da die Frauen häufig die vielbeschäftigten Gatten am Logenbesuche zu verhindern geneigt sind,, aber sie geradje umgekehrt

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