Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1904-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Heilstätte in Wittekind zu errichten, hervortreteu, so geschieht dies nicht, um die Ferienkolonien za entlasten, sondern in der Ueberzeugung, dass wir uns dadurch ein neues Gebiet in der Bekämpfung socialen Elends erobern und eine Institution schaffen, wie sie bislang weder von den-Xogen noch von einer anderen jüdischen Korporation geplant worden ist. Bestärkt werden wir in unserer Idee durch die Erfolge des hiesigen Vaterländischen Frauenvereins, welcher in ungleich schlechterer Lage eine Kinderheilstätte in Halle a. S. mit dem allerbesten Resultat unterhält. Wir sind der Ueberzeugung, dass eine derartige Gründung einem lang gehegten Wunsche unserer Logen, aus armen schwächlichen Kindern widerstandsfähige Menschen heranzubilden, entgegenkommt. Wir sind aber nur dann in der Lage, uns in den Dienst der guten Sache zu stellen, wenn wir der thatkräftigen Mithilfe unserer Schwesterlogen in Mittel- und Norddeutschland sicher sind. Denn nicht ein locales Unternehmen wollen wir gründen, sondern eine Einrichtung schaffen, die der Gesammtheit. unserer Glaubensgenossen in erster Linie,zu Gute kommt und den Zweck verfolgt, den Kampf gegen Krankheit und Siechthum mit Erfolg aufzunehmen. Pass es aber an Material nullit fehlt, beweist ein Blick in die kinderreichen Wohnungen unseres Proletariats des inländischen wie des eingewanderten. Hier die bessernde Hand anzulegen, betrachten wir als eine Hauptaufgabe unseres Ordens und rechneu auf die verständnissvolle Mitarbeit unserer Schwesterlogen. Eine geeignetere Stätte als Wittekind, welche im Besitz einer guten Sooliuelle, guter Luft und reizender Umgebung, an den Ufern der Saale gelegen ist, dürfte sich kaum finden. Dazu kommt, dass uns für alle Krankheits-Fälle der Rath hervorragender Autoritäten auf dem Gebiete der Medicin zur Verfügung steht, sodass wir auch in der Lage sind, schwerere und chirurgische Fälle in das Bereich unserer Thätigkeit hineinzuziehen. Rechnet man nun noch hinzu, dass die Kinder bei längerem Aufenthalt auch Unterricht von tüchtigen Lehrern erhalten können und dass die Verpflegung nicht nur streng rituell, sondern auch gut und bequem zu beschaffen ist, so dürften dies Gründe genug sein um den w. Logen die Errichtung' unserer Heilstätte dringend ans Herz zu legen. Für das neue Jahr ist es unsere Hauptaufgabe, mit allen Kräften danach zu streben, den Plan der Kinderheilstätte zur Ausführung zu bringen. Wir hoffen um so mehr, dass uns dies gelingen wird, als der mitteldeutsche Logenverband die folgende Resolution angenommen hat: „Der mitteldeutsche Logenverband begrüsst die Anregung der Germania-Loge mit grosser Freude und erklärt sich bereit, für die Verwirklichung dieser Idee in seinen Logen weiter zu berathen." Die -Vortragsabende, welche unsere Loge veranstaltete, erfreuten sich eines sehr starken Besuches, Es sprachen vom Winter 1802 bis Ende 1903 an allgemeinen Vortragsabenden: Am 5. Dezember 1902: Br. Expr. Dr. med. Gustav Oppenheimer von unserer Loge über „Die sociale Stellung der Frau in Vergangenheit und Gegenwart." Am 1. Februar 1903: Herr Dr. Arthur Kahn aus Bonn über „Altes und neues Ghetto." Am 1. März 1903: Herr Rabbiner Dr. A. Ackermann aus Brandenburg über '„Judenthum und Christenthum.'' ' f. . .;: ■ Am 10. November 1903: Br. Rabbiner Dr. S. F e 8 s 1 e r vou unserer Loge über ..Zacharias Frankel, ein Vorbild." Ferner sprachen im engeren Kreise vor den Schwestern und Brüdern. r Am 12. Juli 1903: Br. S c h 1 e s i n g e r vou der Frankfurt- Loge über „Das biblische Speiserepertoire und die Blutbeschuldigung." Am 31..Oktober 1903: Br. Expräs. H. Blumenth tl von unserer Loge über „Geheime Gesellschaften." Am 7. Dezember 1903: Br. Expräs. L a q u e u r von der Lessing-Loge über „Cremieux.'• Die Logenabende waren gut besucht und es gab vielfache Anregung zu lebhaften Diskussionen. Wir hatten auch wiederholt das Vergnügen, auswärtige Brüder bei uns zu begrüsst u, deren Erscheinen uns stets sehr angenehm ist, da einerseits wir durch sie aus ihrem Logenleben mancherlei erfahren, was für das unsrige von Wert ist, und andrerseits die fremden Brüder wohl auch bei uns für ihre Logen nützliches erfahlen können. Wir legen einen grossen Wert auf diesen Meinung-:- austausch der Logen untereinander und bitten alle Brüder, welche unsere Stadt passiren, nicht zu versäumen, unsere Logensitzungen am Sonnabend abends um 9 Uhr zu besuchen. Einer brüderlichen Aufnahme dürfen sie stets sicher sein. Zion Loge in Hannover. Unser letzter Bericht an die würdige Grossloge behandelte den Nordwestdeutschen Logentag, der im April 1902 in unseren Mauern stattfand. Wir hatten nidit die Freude, den Bericht in seiner Ausführlichkeit in den Monatsblättern veröffentlicht zu sehen, vielmehr wurde nur das Resultat der Verhandlungen zum Abdruck gebracht. Trotzdem können wir uns auch in dem heutigen Bericht, welcher eine grössere Spanne Zeit umfasst, nicht damit begnügen, nur von dem zu erzählen, was wir geleistet haben, vielmehr wollen wir durch die Kundgebung unserer Gedanken, durch die Schilderung der" Gestaltung »unserer Logenabende versuchen, anregend auf die Schwesterlogen zu wirken. — Ein erspriessliches Arbeiten nach aussen erscheint un> nur dann möglich, wenn Hand in Hand damit nach innen gewirkt, die Logenidee befestigt wird, die Brüder immer wieder zu eifriger Thätigkeit aufgefordert werden und in unserer materiellen Zeit auch andauernd geistige Anregung erhalten, damit das Interesse für unsere idealen Arbeiten nicht erschlafft. Die Anzahl der Logenbesucher und der thätigen Brüder muss sich vermehren, damit ein Wettbewerb in der Schaffung neuer Ideen eintritt und die Ausführung unserer Pläne durch freudiges, brüderliches Zusammenwirken gefördert und erleichtert wird. Wenn jede einzelne Loge i;; diesem Sinne wirkt, wird der Gesammtorganismus befestig: und das Band, das uns umschliesst, wird enger und eisernei. Wir können mit Freude konstatiren, dass unser Wirken i. dieser Beziehung in der Berichtsperiode erfreulich war. De Logenbesuch hat sich gehoben und die arbeitsamen Brüder haben auch unsere Ideen nach aussen weitergetragen und uns einen Zuwachs von 10 Brüdern gebracht, von Brüdern, die sich gleich eifrig in den Dienst der guten Sache gesteil' haben und uns schon heute schätzenswerthe Mitarbeiter ge worden sind. — Wir haben versucht, die trockenen Punkte der Tagesordnung möglichst schnell zu erledigen, nutzlose Debatten über unwichtige Punkte zu vermeiden — der Präsident ist