Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Article
- Beilage zu Nr. 1
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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jfudcrrthum entfremdet würden. so m'usst'c jüdische private Wohlthatigkeit eingreifen. L'nd t1t.il sachlich li.it es;mch nur kur/c Zeit \«.>u detll Inkrafttreten «les Gesetzes an gedauert, hinein jüdisches. Fürsorge-Erzichungshaus. 411s -privaten .\fitteln gebaut, seine Thüren den verwahrlosten jüdischen^'Kindern, ot'tnen konnte, um ihnen in jüdischer' Art und mit jüdischen Sitten die Segnungen des socialen Gesetzes zu gute kommet! zu lassen. Kugen Rosenstiel zu Berlhi hat dem I)cutscli Fsraelitischevi Gemeinde-Bund in' hochherziger Weise -ein herrschaftliches ländliches Grundstück in Kepzin i. I'. überwiesen, in dem eine Fürsorge-Erziehungsanstalt für Knaben eingerichtet ist. Die jüdischen Gemeinden sorgen durch regelmassige Jahresbeiträge für die Er- ± haltung de/ Anstalt. Am 1. Mai 14>0l ist .sie er-, öffnet wurden.' Am - Schluss des zweiten Berichtjahres waren 32 Zöglinge in der Anstalt, ein« Beweis dafür, wie - dringend das Bedürfnis* nach der Anstalt war. die durch Erziehung zur Arbeit aus den elendesten lind verwahrlosesten Kindern nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft zu machen, bestrebt ist. . Die Juden haben hier aus eigener Kraft die soziale;» Leistungen schaffen müssen, die die christlichen .Staatsbürger vom Staate ohne- Weiteres gewährt erhalten, l'nd sie haben 'ficht halbe Arbeit getan. An die Repziner Erziehungsanstalt für Knaben hat sich in Plötzen* see eine vom deutsch-israelitischen Gemeindebunde. aus Mitteln der .Gemeinden unterhaltene Erziehungsanstalt für Mädchen angereiht. besonders charakteristisch i-t es. dass. während bei den Berathungen in den'gesetzgebenden Körperschaften die -Frage, »ob der Sta.it oder die C'ommunen die Kosten für die allgemeinen Fürsorge-Erziehungsanstalten zu tragen hätten, zu so . schwierigen Auseindersct/ungen geführt hat. dass ■ das ganze Gesetz mit .-allen seinen Wohlthaten daran beinahe gescheitert wäre, die Juden auf die Benutzung dieser von ihnen mitbezahlten allgemeinen Anstalten aus idealen Gründen einfach verzichtet und sich aus eigenen Mitteln ohne Weiteres eigene Anstalten errichtet haben. Kine weitere soziale Anstalt, die sich der Aermsten und Elendsten der menschlichen Gesellschaft annimmt, ist die Israelitische! Taubstummen-Anstalt zu Weissensee. Aucji hier haben die Juden aus den privaten 'Mitteln das geschaffen, was zu schaffen im Allgemeinen Aufgabe des Staates oder staatlicher Verbände i-t. ' Diese Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, wie kehr Gebiet sozialer I lilfsthätigkcit an den Juden un.iulgesucht und unausgeriutzt bleibt. Kine Aufzählung aller der Anstalten, die der normalen Jugend, Gelegenheit zur Aus Bildung gewähren, ist unmöglich und überflüssig Hervorgehoben verdient an dieser Stelle nur das Bestreben zu werden, die schulentwachsene fugend in eine Art jüdischer Fortbildungsschule ZU schicken. <1. h. ilir Unterweisung z.u erteilen nicht nur in der Geschichte und Kenntniss des ludenthums sondern in allen Kragen des öffentlichen Lebens, die für uns Juden in der Gegenwart von ganz besonderer Bedeutung ist. Unser Ordenhat sich nach dieser Richtung, hin be* sondere Verdienste erworben. Line erfreuliche Erscheinung ist es, dass'man im Judenthum in der allerncucsten Zeit auch den Satz Iuycnals zu verstehen und zu beherzigen beginnt: mens sana in corpore sahn. Es ist [lange Jahrhunderte hindurch einer der grössten fehler 'gewesen, dass wir. Juden gegenüber unserer angestrengten Pflege der geistigen Arbeit gar keine Bedeutung »1er Stärkung und St.iljlung unseres Körpers beigemessen haben. Dieser f ehler hat in jüngster Zeit erst seine verderblichen Folgen gezeigt. Früher,'hat .der Beruf der Juden, der Hausierhandel auf der Landstrasse, unbeabsichtigt die gute Wirkung gehabt, dass mit seiner- Ausübung Bewegung und Aufenthalt im Freien. Berührung mit der'Natur ' und eine gewisse gesunde Abhärtung des Körpers verbunden war. Unsere modernen Berufe schliessen uns vonder Natur ab und verweisen uns»in die engen (ieschäftsstuben. Deshalb i-t es jetzt zur socialen Aulgabe im Judenthum geworden, für die harmonische Ausbildung und "Pflege des Körpers zu sorgen. Diesen Aufgaben unterziehen -ich mit guten Erfolgen die 32 jüdischen Turnvereine, die w ir gegenwärtig innerhalb der Reichsgrenzen haben. (Einer von ihnen, der jüdische Turnverein in Berlin, hat bereits über 5(X) Mit , glieder. Wir in Posen marschiren In 11 unseren 1 mehr als 200 Mitgliedern an zweiter Stelle. Wenn ich bei unserem Posener Turnverein beispielsweise elften Augenblick verweilen darf - alle antlern weisen einen ähnlichen Entwicklungsgang auf - 1 will ich hervorheben, dass bei uns im Durchschnitt 90 jüdische junge Leute wöchentlich turnen, dass an unseren Turnmärschen sich durchschnittlich 50 Turner betheiligen. Sind hier wichtige Schritte gethan. um durch sociale Hilfsthatigkeit die jüdische Jugend physisch 10 —