Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Article
- Beilage zu Nr. 1
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal additional
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4864325-6028963-6074083-6074084--0645-4864813- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und geistig für den) Kampf des Lebens besser auszurüsten, so hat das Judenthum vorzügliche Hinrichtungen getroffen, um den Männern" im Kampfe um das Dasein Hilfe zu bringen. Ich erinnere hier au die vielen Darlchns-■ und Vorschussvereine. die Vereine zur l'ntcrstüt/ung und Forderung des Handwerks. Der Deutsch- Israelitischep Gemeindebund macht sich um die I-'orderung der materiellen Lage der Gemeinde-; beamten besonders verdient. l"nser Orden hat 'Arbeitsnachweise organisirt. Kin Institut ist es al>er auch auf diesem Gebiete wiederum, das in der Erfüllung practisch-siicialpi>litischer Aufgaben alles l'cbrige weit überragt: ..I)er Verein jüdische Arbeiter-Kolonie und Asyl in Wcissensee". Zwei Ziele stellen seine Satzungen' in den Vordergrund der Vcreinthntigkeit: I. arbeitslose aber arbeitsfähige und arbeitswillige Männer mit passender Arbeit gegen entsprechenden Lohn bis zur freien l'ntcrbnngung zu beschäftigen, •J. den jüdischen Auswanderern aufremden' I .andern, die I )ctit<chland passiren. vi »rüber; gehend freies Asyl zu gewähren. Denken wir an die Rangordnung von M.rini" nides. so steht diese zweite Tendenz auf unterer Stufe! wenn auch nicht zu verkennen ist. das- ,sie einem prüctischen Bedürfnisnachkommt und die- Auswanderer vor dei' Gefahr di r Wandcrbettclei zu erretten geeignet ist. Auf höchster Stullaber steht die erste und wesentlichste Tendcnz.dcr Anstalt. Arbeitslosen, zun eist arbeitsscheuen und verwahrlosten Juden, werden hier die Segnungen der < 'rdnung. der Sauberkeit und der regelmässigen Beschäftigung handgreiflich gemacht: sie werden noch einmal zur Arbeit und zu neÜcYtl Leben erzogen. Die Thätigkeit der Anstalt hat einen nicht unerheblichen l'mfang angenommen, wiewohl sie erst am 11*. Februar \U0"2 ihren lictrieb eröffnet hatte. Am Schluss des ersten ' ie-i haftsjahres belief sith die Zahl der Kolonisten, die in der Anstalt Aufnahme gefunden hatte, auf 188 mit über 10 000 Verpflcgungstageh. Zum grössten Theile waren es arbeitsscheu«.- Indiv iduen is aller Herren Länder, die von den *A*men- < 'Immissionen der jüdischen Gemeinden überwiesen waren, zum kleineren Theile nur Arbeit suchende, die von den Bureaus für Arbeitsnachweis der Anstalt zugew iesen waren. Wer unsere Glaubens* genossen kennt, die von Osten besonders von Russland und Galizien her zu uns kommen ' t . ■ . ' .-'.--', «j* und wer weiss, m welch einem Zustande, korper--. lieber Verwilderung und geistiger und. "Vittlicher Verwahrlosung sie sich befinden, der w'ir'de'rmcssün können, wie segensreich es ist. diesen IVrsom-ndie für die Menschheit und für d.is.-Judeiitlvum verjoren zu sein scheinen, noch einnYal-dic W<>1i!-' that einer Erziehung. zur Arbeit .mgvdeihcl^" zu" lassen, noch einmal den Versuch zu-machen.'"sie dem jifactisehen Leben zuzuführen. .• £' Alle die zulet/.t angeführtenBestrebungen; . so segensreich und nützlich sie im!. Einzelnen sind ■ bringen aber doch die lüdenbe/t -im Gdnzcn nicht vorwärts-.' ändern nichts an; ".der wirthschaftlichen l-age. die ich -'eingangs.« au! schildern mir erlaubt habe. Soll die vv irthscli.itt liehe (n'sanmjtlagc geändert vvenTeli. '<■■>- röuss der Hebel dazu an anderer Stelle, eingesetzt werden. Dann darf man 'sich nicht-begnügen.' die luden in den w enigen, zum . grossten TIk M noch dazu dein Untergänge gev\ ejhtvn .Berufs; k.lassen zu belassen, in denen sie -sicli'jetzt l'efijnden, und ihnen nur hier und da-Hilfe, zu bringen, sondern dann muss man auf dem. vv eityn Jfelde. auf dem! sich der moderne ' WirthsrhaftV kämpf vollzieht, dem Judenthum mehr 'Terrain erobern. Es müssen neue berufe den Inden zugänglich gemacht w erden. Auch an IVstrebungeu* nach dieser Richtung hin fehlt es nicht, liierunter fallen alle politischen Bestrebungen., die darauf gerichtet sind, den Juden die \ ihnen gesetzlich gew ährleistete < ileichbcrcchtigung /auch" thatsachlicii zu verschaffen. Denn . mit •.■'de"'r ■-LY" ringung der Gleichberechtigung ■ .wurden sich den Juden die zahlreichen BcamtenearricreJi eröffnen, wir würden neue Stellungen -und Iienifc zur'Genüge gewinnen. Allein Wenn 'wir .auch |iicnrals in dem Kample um unser Recht' v»'- kchlaffen dürfen, so müssen wir uns doch immer melfr darüber klar werden, dass dieser unser Kam])f wenig Hoffnung auf Sieg verspricht. _ L'nserC Jahrhunderte und Jahrtausende langen Kämpfeum unsere politische Stellung in Deutschland und überall haben uns gelehrt. da.ss es wohl. Epochen giebt. in dendfi das politische" Epos der luden erträglich wird: in denen ihre Stellung• sieh der Gleichberechtigung nähert, wenn - ste/ auch noch nie ganz' erreicht war: aber es. waren das eben nur immer lichte Zwischenräume, a'ut die sofort eine lange Periode schlimmer. Reaction folgte. Das hat uns die Gjescln'clite/gelehrt. Deshalb dürfen w ir es uns an den - |iolit'isclnrn