Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Article
- Beilage zu Nr. 1
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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'Hurtigkeit gehört mehr; sie will dauernde Krfolgc sehen; will Institutionen Achaffen, <lie geeignet siml, dauernd Güter zu stiften. Sociale Arbeit ist darauf gerichtet, die socialen Missstände dauernd zu beseitigen oder einzuschränken und damit die (Quelle des Klends aus der Welt schaffen.' Und wiederum sind es jüdische (Quellen, die das rechte Verst.mdniss für diesen Unterschied haben. Unser berühmter Moses Maimonides hat. auf talinudischcn ( »Hellen hissend. 8 Stuten der Wohlthätigkeit aufgezählt. Die niedrigste liegt in der Darreichung der (iahen in beleidigender Form: die nächst höhere in der Gewährung in liebreicher Art und Weise; die dritte in der Erfüllung eines direkten W unsches, auf Hilfe; die vierte in der Hilfeleistung, noch bevor der Arme * * . *• •* den Wunsch äussert; die fünfte, sechste und siebente machen l "nterschiede danach, ob Kmpiängcr und Geber sich gegenseitig kennen; die achte und höchste Stule i<t die. die durch Unterstützung den Verarmten dahin bringt, dass er der Unterstützung nicht mehr bedarf, die ihn Arbeitsfähig und erwerbsfähig macht; sei es, dass man ihm die Mittel gewährt, um seine \<»rh.mdenen Fähigkeiten von neuem zu entfalten, sei es. dass man. ihn erst arbeiten lehrt und dadurch mit der Kraft ausrüstet, sich selbständig und Unabhängig ZU erhalten. . Die letzte Stufe ist Socialpo|itik im modernsten Sinne! Und unser modernes Judenthum treibt diese Socialpolitik in den eigenen Reihen heut stärker als je zuvor. Ks kann hier nicht Aufgabe sein, die grosse Zahl aller der milden Stiftungen und u'wilthätigcn Vereine aufzuzählen, die in jeder selbst der kleinsten Gemeinde vorhanden sind. Ks ist bekannt, wie heute noch die uralten Vereine für Krankenbesuch und Leichenbestattung in BlÜthc stehen, wie -überall die alten l'nterstützungsvereinc für einheimische Arme und durchreisende Bettler sich erhalten haben, wie, die Brautausstalttungsvcreine, die Stiftungen zur vertheilung von Holz, von Kleidungsstücken, von Mazzos immer noch wichtigen Bedürfnissen Rechnung tragen. Und hinzugetreten sind noch viele neue Gruppen von Vereinen, die den Bedürfnissen der modernen. Zeit entsprechen, Da linden wir als Tendenzen: Unterstützung armer Soldaten, Verschaffung von < >bdach an arme Juden, die Hilfsacttoncn zu Gunsten der unglücklichen Brüder aus Staaten, in denen das Bekenntnis-; zum — 9 Judenthum nicht nur wie bei uns mit Zurücksetzungen verbunden ist, sondern auch luit Gefahren für Leib, Leben. Freiheit und Kigcnthuni. Alle diese Vereine gehören - jedoch" ihren- Tendenzen nach, wenn wir Maimonides folgen.. .in die 7 unteren Klassen der W'ufü'thätigkcrt. Der neuesten Zeit ist es vorbehalten geblicbeji. im Judenthüm Schöpfungen , erstehen zu lassen, die den höchsten Anforderungen, entspreche.))." die> unser Gelehrter an die W'ohlthatigk'eit-stellt: duj unsere Armen und Klenden aus ihrer, tiefen . socialen Schicht herausziehen, sie zu'sijciälnivd wirtschaftlich Starken machen, die. nicht nur das Klend vorübergehend lindern, sondern die .(jÜeHe des Klends versiegen lassen wollen. ■ » ■ * ■; .-'.-•"•»".■ " Diese socialpolitischc 'Hurtigkeit; im ":Judcnthum bewegt sich liach :\ Richtungen hi>v.- Die eine Richtung geht dahin, innerhalb der einzelnen Berufsklassen deren Atlgiphörige ■ zu . stützen; sie leistungsfähig' unter ihren Berufs^etio'ssen. vimd coneurrenzfähig im Daseinskämpfe '/n' mache,)). Die zweite Richtung will den luden neue Berufs- v "# e ■ ■ klassen er«yjfncn, in denen sie sielt bisher Überhaupt noch nicht bethatigt haben; Die dritte Richtunggijjrt den beiden ersten Be^strelHingen einen gemeinschaftlichen Unterbau: Krziehung-und Ausbildung insbesondere der Jugend in gcUtigcr.- physischer und psychischer Hinsicht / \ . '■ ■' Gehen wir von der letzten -Tendenz aiis. Auch hier kann es nicht in dem engen Kähmen eines Vorträges liegen, alle die Schufen" uiwl Anstalten aufzuzählen,, in denen für die Abbildung gesorgt wird. Nur besonders markante Institutionen können Berücksichtigung linden. I la fällt be sonders die Repziner Fürsorge-Krzieluiugsanstalt auf. Ihre Knstehung knüpft an das'neue preussische l'üfsorge-Krz.iehungs-( iesetZ an-, das ,fm 1. April 1001 in Kraft getreten ist. Der Grundgedanke des Gesetzes ''geht dahin. jdass die Kinder"derr- 'Kitern entzogen und in besondere Anstalten /iir Krzjehung gebracht werden können, , wenn sie selbst sittlich und moralisch verwahrl'ost sind., oder wenn zu befürchten steht. ■ dass deY elterliche ' Kinfluss die Kinder verderben konnte. .' Die" Fürsorge-Krziehungsanstalten selbst sollen :einen konfessionellen Chäracter tragen.. .Ks War nicht zu . erwarten, dass irgendwo ein ConunüiKiherband eine jüdische Fürsorge-Krziehungs-Anstalt errichten * w ürde. Wollte, man es verhindern;- dass.die verwahrlosten jüdischen Kinder in diefremd-kon-.. fessionellen Anstalten gebracht' und dadurch dem l - . \??