Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Article
- Beilage zu Nr. 1
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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weit sie das Rad der Entwicklung aufhalten oder treiben können, nach der ersten Richtung hin durchaus nichts gethan. um dem Juden wirthschaftlich ihre Stellung KB erleichtern. In unserer modernen Gesetzgebung wird so viel von dein Schutz der Schwachen, von der- «F.rhaltung* des Mittelstandes gesprochen. Wo aber die Juden die Schwachen /-sind, . wo sie den . .Mittelstand bilden, da wird kein 1 in^cr gerührt, um ihren Niedergang aufzuhallen. Ihnen ist es zunächst nicht gestattet, wie allen Anderen, in dem Beanitenhccre. "das von Tag zu Tag grösser wird und die' Existenzen aufnimmt, die ihrer wirtschaftlichen Schwache wegen sich die Selbständigkeit nicht wahren können, Aufnahme zu finden, l'nd während die Regierungen bemüht sind — wenn auch nicht immer mit den richtigen Mitteln - die Stände und ('lassen zu schützen, denen unsere nichtjüdischen Mitbürger angehören, s<> sehen wir sie stets in Verwaltung und GcsetZr gebung redlich bemüht,' den Handel, das Thätig- ' f ' kettsgebiet der Juden, .dahinsiechen zu lassen. . S<> ist das Judenthum hart bedrängt. Die sociale Xoth nagt an ihm nicht nur wie an allen iiuleren Bewohnern des Reiche-: die Juden haben sie besonders schwer zu tragen. I lilfe von aussen haben wir nicht zu erwarten. Wir sind auf uns allein angewiesen; aus unserer eigenen inneren Kraft muss m)s Hilfe und Rettung erwachsen. » Dabei kommt uns aber ein Factor'zu 'inte, den die ,11ns umgebende Welt nicht kennt: unsere geschlossene Kinheit. der Mangel an s,ici.iler Zerklüftung in den eigenen Reiben. Gewiss zeigen sich auch bei uns hier und da (»egensätze socialer Art. Der-Millionär des berliner Tlu'crgartcnviertcls tgil verschieden" von denf kleinen Handelsmann, der die Jahrmärkte des Ostilos. aufsucht; beide sind verschieden von dem Manne der Wissenschaft, der im Mittelpunkt des geistigen Lebens der Welt steht. Allein Klassengegensätze sind es ri>ch nicht, die die Juden trennen.. Dazu liegen schön ihre Anlange zu kurze iteit zurück. I »ie Gegensätze, die wir im Judentum1 heilt constatiren. waren vor drei Generationen noch nicht vorhanden; i ' ■ f die Klassengegensätze, die die Schichten um uns zerklüften. haben ihren Ursprung in einer |ahr-' hunderte zurückreichenden ' Lntw icklung. 1 lierzu kommt noch ilie innere Th.its.ielic. dass bei'iins das Gefühl eines Klässcngegcns.itzo nrcht aufkommen kann. Kein Jude — und das ist auch eine besonders erfreuliche Folgeerscheinung der neuesten geistigen 'Bewegungen im Judenthum - ■£ ' t ' sieht in dem anderen den Klassenfeind. Auch der Jude hat allerdings einen scharfen Blick für gesellschaftliche Schichtungen: auch er sieht die Gegensätze.. Wo sie sich zeigeirT"Aber er empfindet sie nur als (Juantitätsunterschiede in Besitz um Bildung, die sich in jüngster Zeit gebildet haben und in nächster schon wieder schwinden oder in ihr Gegentheil umschlagen können. Fest und beständig bleibt nur der Gedanke an die gleiche gemUttmchc, psychische und phy sische Veranlagung, an die gemeinsame Geschichte, voller l'einigjingen und Unterdrückungen, an die Gegenwart, die beherrscht w ird durch gemeinschaftliche "Kränkungen und Verfolgungen. ■ So erwächst aus den Angriffen der Feinde uns der Keim der Besserung. Die wirtschaftliche Xoth, die überall zu Kämpfen Aller gegen Alle Anlass gegeben hat. im Judenthum hat sie einen Zusammenschluss Aller zur gemeinschaftlichen Selbsthilfe begründet., l'nd wenn wir sehen, dass überall in der Welt che ' irthschaftliche Xoth sociale Hilfstätigkeit hervorgerufen hat. so können wir das vornehmlich in der Judenschaft constatiren. Die Jhdyn haben sich nicht nur an den socialen Werken )dcr Gegenwart schlechthin betheiligt; sie haben auclrnoch immer innerhalb der eigenen Reihe grosse sociale Pflichten zu erfüllen. Dieser Pflichten entledigen sie sich in treuer, hingebender socialer Arbeit im Judenthum selbst. Das jüdische Heiz wird allgemein gerühmt. Wir können stolz darauf sein, einem- Stamme anzugehören, dem man nicht nur Schärfe und Klarheit des Geistes nachrühmt, sondern der auch, allen anderen Völkern ein.Vorbild an Mildtätigkeit geworden ist. Ist es doch die Religion des Judentums, die .zuerst den Grundsatz aller Wohlthätigkeit aufgestellt hat. den Satz: Liebe Deinen Nächsten w ie Dich selbst. Hat doch ein jüdischer Gelehrter, "der Mischnalehrer Hillel, lange vorder heut üblichen Zeitrechnung die Nächstenliebe nicht nur als das Hauptgebot, sondern als das Hin und Alles der Religion erklärt f reilich ist die Wohlthätigkeit noch nicht identisch mit socialer Thätig-• keit Wohltätigkeit in des Wortes gewöhnlicher' Bedeutung ^begnügt sich damit, den Armen und- I lilfsbedürftigen Almosen zuzuwenden, die sie über die Xoth des Augenblicks im besten Falle, hinwegzusetzen geeignet sind. Zu einer socialen