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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 1 - Januar
Article
Beilage zu Nr. 1
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Ich sage: mindestens ebenso, Cnd dieses mindestens, meine Herren, führt uns in eine neue Gedankenwelt Der Jude ist von jeher das l'rügclkind der Völker gewesen: das hat sich bis auf den heutigen 'l ag nicht geändert, l'nd die Art. in der dem Juden die Prügel ertheilt worden sind und ertheilt werd . die ändert sich natu'rgeinäss mit der Verschiedenheit der Eigenthümlichkcitcn der Zeit: immer treffen die Prügel an der jeweils empfindlichsten Stelle. In dem feudalen Zeitalter, als an dun Grundbesitz alle Rechte und Pflichten geknüpft waren, als nur der Stand der*' Grundbesitzer die Herrschende Klasse im Staate bildete, da wurde der Jude geprügelt, indem man ihm verbot, Grundbesitz zu erwerben und ihn dadurch von allem ausschloss, was sonst die Menschen zierte. Als dann das Bürgerthum die Feudalherrschaft bezwang, und der freie Bürger in ..Freiheit Brüderlichkeit, Gleichheit*' die Herrschaft im Staate erlangte, da sind dem luden die Bürgerrechte zunächst versagt und sodann nach langem, schweren Kampfe auch nur .nif dem Papier gewahrt worden. Jetzt wo politische Rechte allgemein geworden sind, wo nicht mehr der Besitz oder Nichtbe-atz das differenzirende Element in der. Schichtung des Volkes ist. jetzt wo die socialen, w irthschaftlichen Unterschiede die Hauptsache sind, wo wirthschaftliehe Macht der entscheidende (factOr in der allgemeinen Werthimg und Geltung geworden ist: jetzt werden wir Juden an dieser für unsere Zeit , empfindlichsten Stelle geprügelt, an «ler socialen. Hier muss ich mir einen kleinen Rückblick gestatten. Ks ist bekannt, dass in den letzten 50 Jahren sich die Wirthschaftsformen und Wirtschaftsweisen vollkommen verändert haben. Der moderne Kapitalismus was darunter zu verstehen ist. ist allgemein 1 ekannt hat unserem gesammten Wirtschaftsleben einen neuen Stempel aufgedrückt, er hat die Tendenz geschaffen, auf der einen Seite Ricscnkapitalien anzuhäufen und auf der anderen N'oth und Armuth zu erhöhen. Von dieser allgemeinen Tendenz sind die Juden als Thetl des Wirthschaftskorpers natürlich] mit ergriffen. < Allein wir finden bei den Juden die Tendenz nicht so früh" und nicht so scharf ^ausgeprägt, wie bei -unseren nichtjüdischen Mitbürgern. In (den e\trenien Positionen sind auffallend wenig Juden zu finden, sowohl in den Reihen der (irosscapitalisten erster Klasse1 als auch in 'den Massen des untersten Proletariats. Der Grund hierfür ist historisch. lcichOcrklärU Als das Zeitalter des Capitalismus mit denV Riesen aufschwunge der Industrie hereinbrach. . fand fes die Juden wenig vorbereitet. Durch ■]äl'rjiünd.crte lange Staatspolitik waren sie Von aller proflücirende« Thätigkeit ferngehalten und in die kleinbürgcj;- liche Geschäfte des Kram- HatisirhandcLs. * verwiesen.- I Vitt machte ihnen die Uniw'ii-Lz-ung m der Wirtschaftsform zunächst noch keine Schwierigkeiten. Ob man die Wahren mit der Hand oder mit der Maschine herstelltü, 'ob-sre der kleine I landwerksmeister nach. putzenden ." "k " oder der grosse Fabrikbesitzer naeli Tausenden' pröducirtCi an die ( onsunienten wurdensie immer durch den Handel gebracht: Der Jude konnte also bei dem Berufe, den er j.alifhnijdertje lang hatte betreiben müssen, auch bleiben. Die wirthschaftliche I-age wurde sogar. noch elver etwas besser, denn die erweiterte Produktion rief einen erweiterten Bedarf hervor limh erwciterte somit das Thätigkeitsgebiet des Handels. S •■ lange also der Handel der alte blieb, konnte ,die veränderte Wirtschaftsform die. Juden-'nielu erheblich stören. , . .V Aber auch :der I landcl konnte in'seiiKT. alten Gestalt nicht erhalten bleiben. Mit dem zunehmenden Capitalismus vollzieht sich dcTselhc. Kntwicklungsprocess in der Verteilung' ile'r f'iüter d.-i. im Handel . der sich b'ei-m Kutstehen des Capitalisrmts schon in der ,1 ferstclhing der (iüter. Handwerk und Industrie -.vollzogen'hatte* Die Kleinbetriebe auch die kleinen I landelsbetriebe werden immer mehr ausgeschaltet. Ks entstehen -grossc.ij)italisti>che I findcNluincU-. von denen jede in sich die Functionen t vereinte* die früher einer, ganzen Anzahl .v.on kleinen Händlern zugefallen Waren, Der 'Weg' von l'r«: ducchten zum Consumenten wird irumer naiver^' die Händler werden immer entbehrHclier. Da durclv v erlieren die Juden, die ja im Wescntltrlfen Kleinhändler sind, ihre Kxistcnz,;Dk* .'sociale frage tritt, an j sie bitter heran. Ks sei hier imr an die Gründung der Riescnwaarenh'tuse'r, an da* KmporUlühen der Genossenschaft 'erinnert. .Mai) mag volkswirtschaftlich zu diesen'KrscheiiU'ngcn stehen wie man Wolle 1 ich persönlich halte die Umwicklung volkswirtschaftlich, fifr :gut: "'- in jedem K alle wird man feststellen müssen.. dass sie dem luden une-rmesslichen Schaden bringt ' ■ ■ »Und hat so die Kntwicklung selbst gegen die Juden gearbeitet, so haben die Staaten, so

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