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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 1 - Januar
Article
Beilage zu Nr. 1
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Da er auf keine Würden im Staate Anspruch machen kann, wohl aber mit allen Ständen verkehrt, so lernt er Alles schätzen und wahren Werth ' von falschem gewiss unterscheiden. Also hat er auch für seine Person ein reineres Gefühl ^er Khre. indem er diese von t'omplimentcn. die ihm nichts completiren. sehr wohl unterscheidet und Schuldnercomplimentc tief verachtet.•• So Waf Herder. Aber er konnte auch nur so sein, weil er eben von dem Princip der Humanität ausgingdas die Sonne seines Lebens war. Er ist der bedeutendste Vertreter 'dieser Idee im 18. Jahrhundert, er ist in Wahrheit der Hohepriester der Humanität und. weil wir Söhne des Bnei Briss Ordens gerade darin den tiefsten Berührungspunkt mit. dem grosseh Denker haben, so wollen wir auch seine Grundidee der Humanität kennen lernen: ..Wenn wir die Menschheit betrachteil. wie wir sie kennen, nach den Gesetzen, die in ihr liefen, so finden wir nichts Höheres als die Humanität im Menschen: denn wenn wir uns (i<>tter oder Eftgel denken, denken wir sie uns auch nur als höhere, idealische Menschen. Die I Iumanität ist die verschlossene Knospe der wahren GcfUhle der Menschheit. Dieser Humanität naoiv z u forschen ist die echte, menschlichcPhilOsophic. . . Diese Humanität muss aber erst entwickelt und entfaltet werden: denn sie ist uns nur in Anlagen angeboren und j-muss uns eigentlich angebildet werden. Wir bringen sie ni:ht fertig auf dje Weit.mit; auf der Welt aber soll sie das Ziel unseres Strebens, die Summe unserer Krkenntnis>c. unser Werth sein..... das Göttliche in unserem (ieschlechfe ist also die Bildung zur II u ma n i tä t. 1 )ie 1 Iumanität ist der Schatz und die Ausbeutealler menschlichen Bemühungen, gleichsam die Kunst unseres Geschlechts, die Bildung zu. ihr ist ein Werk, das unablässig tortgesetzt werden muss. oder wir sinken, höhere und niedere Stände, zur rohen Thierheit. zur Brutalität zurück." Ach. dass diese Predigt an die Gegenwart nicht überall, gelesen und verstanden wird. Ohne Zweifel neben Lessing war 1 lerder der begeisterte Vertreter der Duldung in der klassischen Periode, und Leasings geistiges Vermächtniss im Nathan machte auch Herder zu dem Seinigen, indem er sagte: ..Vor zwanzig Jahren schrieb Lessing ein Stück , Nathan der Weise -, eine dramatische SchicksalsfabeJ, dje zu dem edelsten Zwecke gewebt ward. .'■>.-... Um ein Märchen, von drei Ringen \ schlingt sich das dramatische Märchen, eih reicher " Kranz von Lehren der schönsten Art. der Menschen- Religion und Völker-Duldung. Im Kampf, aller Parteien und Religionen wird dieser-Kränz von" den verschiedensten Händen geflochten, alle rufen uns zuletzt das höchste Wort des reinsten Schicksals .* zu: Ihr Völker duldet Puch! Ihr Manschen ver-- schiedener Sitten. Nleinungen und </haractcre. helft, vertragt Puch, seid Menschenl;P.in-ewiger" Denkspruch für unser Geschlecht, ui allen Klassen. Religionen und Vöikcrcharactereii; die .Mensclu nvernunft und .Menschengüte, die rn diesem Drama'V die Waage halten, bleiben die höchsten .Schutz- * gottinnen 'der Menschheit." . ■ , So war Herder und es kann allseinem Characterbilde nicht das Geringste ändert!, .dässf* ■ ' . ■.# *" .' ** er in Tagen des l'nmuths hie find da_ aVich eia; Wort des l'nmuths gefunden hat. -dass er. der Mendelssohn liebte und djesen nach Leasings To<J :: .in einem geradezu rührenden Briefe bat.''cforh.die .- Freundschaft, die er für den Verstorbenen fühlte, ' *,' .• - .1 : . '■ ■ *" ■' -. auf ihn jetzt zu übertragen, dass er diesen Memlel- ■ ' . söhn, sage ich, als er ihm im Bade" zii Pyrmont - begegnete, ziemlich kühl aufnahm. ^AJIes Vdas hindert uns nicht in der Verehrung." für'diesen- /. •Mapn. Leider klafft ja ein . tiefer .Widerspruch;* ' zwischen seiner innersten l Überzeugung iriid seiner äusserqn Stellung, der die Tragik seines . Lebens' war. Ob die Ouelle persönlicher Leiden oder verbitterter Gemütsstimmungcn seine unschätzbare ' Lieb'csfähigkeit und Liebenswürdigkeit verdijstvrt'e. mag dahingestellt bleiben. Aber Goethe hatwie -r immer Recht, w enn' er einmalvon jh'iji sagte:"; ...Man kam nie zu ihm. ohne v«»i -einer Milde , vjfc' ' -: gerührt zu sein, man'ging nie von ihm, ohne von ihm verletzt zu sein." Der überall'durehgehcnde Ton seiner LebcrzeilL£Unt! ist. dass der. Mensch '' - . . »■ - - '■* '*-. .. ' sieh, sein eigenes Selbst verlieren müsse, um .in einem, höheren. Ganzen zu erstehen."- ...Vcrgiss Dein Ich: Dich selbst viM-.he.re nie!. - Nichts Grösseres könnt' aus ihreni'Herzen'.Dtf '{>. Die reiche Gottheit -eben als Dich selbstT. '.' ."- - ■ , ' . :\ . ■ "' ' Das ist eine Predigt, ilie sieh an ulw. richtet. deren Grundprinzip mit dem I JuHunitätsideäl - .- ' Herders in tiefster l'ebereinstinimiing stellt. .'Wir.;; vor allem haben in Herder den Hohenpriester der. Humanität zu feiern, ohne dessen Wirken und';' Reden eine Humanitätsidee w ie die unseres Ordens -' .heute kaum noch denkbar wäre. Wir wu- ..,11cm haben in ihm den grossen Dichter und.1 V-nkur zu ' _ 6 —

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