Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Article
- Beilage zu Nr. 1
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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jjophische Bube" . . wir«! »jcli ge\viss ärgern. Kr Sei mein Sohn , nicht. Die Religion bis dahin von Bildung und Leben abgetrennt, wurde durch Herder mit beiden innig veWpbcn. Im Merzen der National-] litteratur hat er ihr mit Würdigen Händen einen Altar errichtet.- Ein /weites Verdienst Herders und zwar] eins viin unvergänglicher Bedeutung ist dieses. \ das»: er zuerst dem deutschen Volke einen Kino blick in die Mysterien der rabhinischen Litteratur eröffnet bat.- Bis dahin hatte man keine rechte Verstellung von diesen Dingen, denn nur dasj Voriirtheil hatte sichihrer bemächtigt und verbreitete über' sie die abenteuerlichsten Kabeln. I lerder. der alle Stimmen der Volker zu einem 7* i' L" ' - * ' j lieblich 1 dultenden' Myrthenkranz der Weltpoesie vereinigte, hat' in seinen „Blättern der Vorzeit-- ^auefo die schönsten Parabeln, Lebenden und Allegorien des Talmud und des Midrasch hinein verwebt, diy seiner, .eigenen poetisch-philosophischen Indiv idualität ja ganz besonders .zusagen tnussten.r Wo der Rabbi am dümmsten scheint, ist er am ■ •* * „ ' . H klügsten'?, sagt Herder einmal. Diese l eberzeugiu'ig schöpfte er, aus dem Studium der, alten Rabbineru L'nd ein anderes Mal sagte er: .. I'reffliehe 'Aussprüche und Parabeln der Kabbinen. die sich auf die feinsten Bemerkungen gründein wird irgend; ein Verständiger sie ohne Achtung lesen? Dem 'obel der Schriftsteller zwar w aren oft'die Mimte chsten «Parabeln ausJIass und Verkehrtheit bald lächerlich, bald verächtlich. Warum aber? Weil er lii ihnen den Sinn nicht t'asste und sich an die o|t kindlich scheinende Einkleidung mutll-' willig hielt.•■ Line tiefe Verehrung hatte Herder für die Rabbinen. für ilie talmudische Litteratur und sogar für die K'abbala. während es heute - ■ ' ■ Mode ist. über dieses Nchrittthum mit (deich-; güjtigkeit; ja sogar mit Verachtung hinweg zu gehen. Seine liebenswürdige Art und Weise. seine Erfassung des tiefsten 'Charaktere einer 1 . . s Dichtung und sein grosses Aneigungstalcnt spricht gerade aus den (£ebcrsetzungeri, die er dem Midrasch ciülchntc. Kr war ein glücklicher Kinder, Aneigner und Anreger. Ich bedaure. ilass ich nicht einige von seinen Parabeln und Legenden aus dem Midrasch hier citieren kann, aber eine einzige kann ich mir dpch nicht entgehen lassen, denn gerade in dieser liegt der Kern'jüdischen Geistes und in ihrer l"ebersetzung liegt w ieder der Kern Herder'sehen Geistes. Du Parabel lautet: 1) r e i V r e u n «I e. -; '. ». Traue keinem Freunde, # well h Dil ihn nicht geprüft hast, an der Tafel des Gast' mala giebt's mehrere derselben als 'an der Thüre .des Kerkers. •.•/„.'- Kin Mann hatte" drei Freunde. .z!Xveei> derselben liebte er sehr, der dritte warih'm gleichgültig, ob zwar , dieser es ' gleich, ain redlichsten mit ihm meinte. Emst :VaW..cv „ vor Gericht gefordert, wo .er/ unschuldig: aber hart verklagt war. .AVer luHq'c- Kuch;\- s|>rach er. ..w ill mit mir gehen (md für mich zeugen? denn ich bin hart verklage! worden, und der Körrig zürnet.■• Der ersteseiner. \ ■"'•••*' ' * / " '*" * Freunde entschuldigte sich sogleich, dass er' nicht mit ihm gellen könne wegen- 'ariderer; Geschäfte, der zweite bcgicitcte-ihu: bis zur Thüre des Richthuuscs, da waiwjtt; er sich und ging zurück, aus Ijirelit 'vor dem r zornigen Richter, der dritte, ani deiner aiii w enigsten gebauet hatte., ging liinem,. redete für ilm und zeugte von seiner l'nschuld; so freudig, dass der Richter 'ihn-Tos/liess uitd beschenkte. . . Drei Freunde hat der--' Mensch';in der Welt; wie betragen sie sieh .in. derrStu-nde des Todes^- wenn ihn Gott voi*}, Gericht , fordert? Das-- Geld, sein bpster Krejihd. verlässt ihn zuerst und gehet iMcfu^nit ihm: " seine V e r w a n d t e n und [.reü n "d e" begleiten ihn bis zur Thüre «los Grabes .und » «, ','•"*. '■■ ">-•*_ kehren' wieder in ihre Häuser;-'der irrittc, den. er im Leben /oft am meisten yerg-ass. sind s e i n e w oh Ii h ä t i g e n .'\V e;rk e. sie allein begleiten ihn bis zu'm Thrmie dc- . Richters. Sie gehen ihm. voran, sprechen für ihn und linden Barmlreczi'gkeit und Gnade." . \ * . - Man wird-kaum fehl gehen. vycnij: nian" annimmt, dass Herder;tüs der Beschäftigung mit der Bibel und der rabbinisrhen Litteratur. seine Theilnahme für das jüdische \'olk .abgeleitet*hat. .Aber es erschein* dringend nothweitdig. -wenigstens die markantesten Stellen herauszuheben. .Mi denen, er über die Juden gesprochen' hat: ...Israel -war und ist das ausgezeichnetste Volk der Knie: -in ■ seinem Ursprung und Kortieben .'bis . auf den heutigen Tag. in'seinem Glück und l'iiglück: tn ' %* * ' 9 Kehlern. und Vorzügen, in seiner Niedrigkeit und Hoheit, so einzig, so sonderbar. Mass ich die ' Geschichte, die Art; die Existenz- 'dieses Volkes, für den ausgemachtesten Bew eis der "Wunder uihI