Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 1 - Januar
Article
Beilage zu Nr. 1
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal additional
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4864325-6028963-6074083-6074084--0636-4864804
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

bist' frischen \ latcf) bedürfte, um den Anbruch einer neuen Periode zu verzeichnen, so wjire.sic in diesen beiden Kreignässen gegeben. Das Aiiff. treten Herders! seine Bekanntschaft mit ffeoethcj die daraus sich .entwickelnden .'Vprcgung«fCi und Wirkungen eröffnen "die ^r« >~<i.- klassische Periode des detotsehflfi fieisteslebcrts. : i . Ks i-t für uns ein erhabener»'< iedanke; dassj am Kingang zu dieser Periode unsere Bibel ^teht. Von Iiier .ms kind llenler den Wo; zur Poesie der Menschtieit; ( Die Dichtung eines Volkes 'erschien ihm i!~ die Blüthc seines Kmj •ifinilun^slebens. die nur im Zusammenhange .iiier. Strömungen des freistes, der Religion, der Sitten, der Kunst, des Rechts, der Sprache zu erfassen, sei. In diesenj Sinne h.it Herder die Bibel gelesen. Kr hat die Lahigkcit des Naeh- . ■'■•'}. ]' cmpiimlciTs. mit der e*' das Hute und Schöne überall aufzuspüren \\ usstc w ie kein .inderer; ein rttstloscr 1 >r.iti-> trieb ihn von Idee /u Idee, voi* . .. . f. einem Wirk /um »amiern: seine gYösstefl Schöpfungen Hess er unvollendet, aber er fiele in - » •,. . , j f Bausteine, wichtige Materialien /u allen (Jebiete.n de- \\*is»en- und der Kun-t: in seiner stürnriscji erregten Seele lebte ein unwiderstehlicher I rieb. das Ferne mit dem Sahen zu verknüpfen und sidi kritisch oder schallend zu befhätigen. i l'eber- .il! sah er neue Aufgaben erwachsen, auf ver-. .-chiedene Kreise wollte er wirken. Al^. Lehrer der Jugend. als Prediger der - Gemcitidc. als Herolil der Menschlichkeit. I lonier ijnd die - J . [ J> ■. Bibel {waren seine ersjten Bildüngsirucllcn und sein Leben lang ' beschäftigte ihn die .biblische Poesie.' Hier liegt auch die er>te ' Juelle seiner ^ro-sen Verdienste^ Kr hat zuerst (lern Wv'jj f ü r" e i n*« neue A u f f a s s u n 14 dijs B rbclvorts g c b .1 h n t für d i e r e i n a e s t h e t i S c Ii c 5* e g e n ü b e r d e f r e i n d ög m a t i s c h e n 11 n d rein k r i t i s c h ein un<i er wollte, dass die erh.ibene Schönheit jener heiligen- L'rkunden durch den alten Streit über ihre Entstehung und theologische Bedeutung nicht in Vergessenheit geratlie. Lr sah den l'npiell alier Poefcie in der BibeL die ihre ew ige Bedeutung bchaften würde, so langedie Kultur Böden in der Menschheit habe. Nur der Bibel zu Liebe war er Theologe geworden: in den biblischen Dichtungen erkannte er die alten orientalischen Nationalgesänge, deren -Linfalt und .Grösse er bewunderte. In zwei Sciiriften seiner ersten Periode hat er diest' Anschauung .niedergelegt. in der ..Aeltesten l'rkunde des Menschengeschlechts"' und im ..Heist der hebräischen Poesie". l'eberall ist es ihm darum zu thün, die. Kmpfindung. den v'onirthcitsvollenlSihn für die hohe innere Schönheit, für das menschlich Wahrt- und Grosse in <ler heiligen Schrift zu wecken. ..Ks bleibt dabei. das beste. Studium der Gottes-Gelehrsamkeit ist Studiuni der Bibel und das beste Lesen dieses göttlichen Buches ist m e n s e h I i c h. Ich nehme dies Wort im weitesten l'mfange und in der andrihglichstcn Bedeutung.. Menschlich muss man die Biljel lesen, denn sie ist ein Buch durch Menschen für Menschen geschrieben. . . ' ft . |e h u m' a n e r . im besten Sinne des Worts. Sie «las W ort Hottcs "lesen, desto näher kommen Sie «lerQ /.weck seines l'rhebers. der Menschen zu seinem Bilde Schill", und in allen Werken und Wohlthaten. wo er sich uns als Hott zeigt für lins m e n s c h I i c h »handelt". Ks ist merkwürdig. dass Herder liier fast wörtlich 'den Gedanken tal mudischev Lehrer ausspricht, die da sagen: t.Die I hora redet in der Sprache der Menschen '. j - Hie Liebe zur Bibel lührt ihn natürlich auch zur Begeisterung für das alte Volk Israel. , .Welch' ein Volk", fragt er. ..hat in so frühen /.eiten eine Reihe so mächtigen so reiner Söhne gehabt als Israel an seinen Propheten.1 Welche Dichter Griechenlands oder Korns wagen wir in Ansehung der erhabenen und reinen .Moral und des umlassendcn Nationalgeistes neben einen 'JScsaias zu stellen und welch ein Rönig der Lgvpter. Scythcn und- Inder hat wie David gesungen und gelehrt:". l ast wie eine Mahnung an die Gegenwart klingt das Wort1 Herders: ...Man studirc mit K i 11 d-e r n die tieschichte des Volkes Israel, so wird man überall ihren schönen .Yufeschluss Snden." l'nscre alldeutschen Antisemiten aber wollen hier gerade die Bibel aus der Schule verdammen. Ks scheint, dass sie allein sich das l'rtlujil. Herders nicht zfi Nutze gebracht haben. Und noch ein Wort von' Herder: Stellet zwei Kinder zusammen und. lasset sie die Bibel, selbst das Hohelied Salomöns in ihr lesen. Das eine ..Unschuldsengel", das noch das Angesicht ..Gottes im Himmel schauet, wird lesen, ohne sich zu ärgern, wird sich —- ohne zu wissen warum und worauf - freuen und als ein Sprosse des Paradieses emporblühen; das andere ..der philo-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.