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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-12-01 · Nr. 10 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 10 - Dezember
Date
1903-12-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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- Ü26 - i: es heute noch in Lätdero, die den Grenzen unsere? Vaterlandes nahe liegen, Gesetze giebt, die unsere Glaubens genossen von dem Genüsse . der Gleichberechtigung mit Andersgläubigen ausschliefen, dass sie den Ort der Niederlassung nicht nach eigenem Ermessen wählen, sondern nur in bestimmten Gebietstheilen wohnen dürfen; ja dass sie in ihrem eigenen Vaterlande als .Fremde angesehen werden, unter "Ausnahmegesetzen stehen und so der Willkür der S^tsorgane unterliegen. Und wie haben unsere Glaubensgenossen im Osten Europas unter dieser Willkür zu leiden! Man denke nur an die GreueKhaten von Kischinew! Aber glücklicherweise treten Geschehnisse wie diese nur selten auf und unser grosses Nachbarreich im Osten kann sich damit tiösten, die furchtbaren Ereignisse als ein vereinzeltes Blait der Schande in den Annalen seiner Gesehichte verzeichnen zu können. Viel fürchterlicher in meinen Augen sind die t ä g liehen Verfolgungen in den friedlichsten Zeiten, denen unsere Glaubensgenossen im Osten ausgesetzt sind: Das Gebot für Israeliten, ihre Kinder nur nach bestimmten Procent sitzen der Bevölkerung an dem Unterricht in Gymnasien und hohen Schulen theilnehmen lassen zu dürfen, ist ein harter Schlag für Viele, die davon getroffen werden; die Bestimmung von Berufswegen dem Handwerk nur an bestimmten Orten, wenn überhaupt, obliegen zu dürfen; das Verbot, Grundbesitz an bestimmten Orten zu erwerben, klingen recht harmlos, aber die davon Betroffenen wejden dadurch oft zur Verzweiflung getrieben, ihrer Existenz beraubt, von Haus und Herd vertrieben, flüchten sie von den ungastlichen Stätten, um sich irgendwo draussen in der Welt, wo man _bflBU8£r_denkt, eine neue Heimath zu*gründ*n. Ist es nicht des Schweisses der Edlen werth, diesen Opfern der Verfolgung, diesen wahren Märtyrern ihres Glaubens helfend beizustehen? Aber auch bei uns ist .nicht Alles so, wie es sein sollte Seit mehr als dreissig Jahren hat sich, von Deutschland ausgehend, eine Bewegung bemerkbar gemacht, die darauf bin ausläuft, uns Juden als minderwerthig, unebenbürtig unserer deutschen Stammesgenossen hinzustellen und uns, als nur ge iuldet, zu Bürgern zweiter Klasse zu degradieren, Es half nicht.*, dass ein edler Fürst diese Bewegung eine Schmach des Jahrhunderts nannte, es' half nichts, dass viele geistig kochstehende Männer"jeglichen Glaubens sich ihr widersetzten mit Waffen, welche Bildung und Humanität ihnen in die Hand drückten; wie eine böse Seuche wftthet der Antisemitis mus an dem Lebensbaume unseres Volkes und muss wie eine Krankheit allmählich zur Genesung geführt werden. Aber «twas Gutes hat der Antisemitismus für das Judenthum geseine Bekenner haben sich auf sich selbst, auf ihre angenheit besonnen und ihnen, die ganz in ihrem Deutschehen schienen, ist es zum Bewusstsein gekommen, uch Juden sind Das Gefühl der Zusammengehörig ihnen eiwacht und hat sie zu gemeinschaftlichem irken, zu gemeinschaftlicher Abwehr, zu gemeinschaftlichem ampf verbunden. V Wer will wisseB, ob der vor mehr als zwanzig Jahren in Europa eingeführte Orden B. B. eine so mächtige Ausdehnung gefunden hätte, wäre diese äussere Veranlassung nicht vorhanden gewesen. Der Orden bildet durch seine uns Allen bekannten Tendenzen eine Sammelstelle für alle diejenigen Israeliten, die edlen Sinnes idealen Bestrebungen sich hingeben wollen. Derjenige, der bei seinem Eintritt etwas Anderes zu finden oder in Aussicht zu haben meint, wird enttäuscht sein. Der Orden verlangt von einem neu aufzunehmenden Candidaten die Erklärung, dass dieser sich in materiell guten Verhältnissen befinde, das heilst also, dass er bei seinem Eintritt der Loge eine Stütze sein und keine Last werden soll. ' Wenn ich bei meinem Thema, die Beweggründe für den Eiutrilt in die Loge zu beleuchten hatte, so musste ich auch diese Seite berühren, so wenig sie mir in den Rahmen meiner Ausführungen hinein zu passen schien. Sehnsucht nach Erreichung idealer Ziele soll also das einzige Motiv sein, das uns in den Orden führt. Schulter an Schulter mit gleichgesinuten Männern sollen wir darin kämpfen für seine erhabenen Aufgaben. Daraus wird sich in Einigkeit Bruderliebe entwickeln und wir werden den an uns gestellten Anforderungen mit beseligender Genugthuung für_uns selbst Genüge leisten können. Bericht des jüdischen Zweigcomites in der Conferenz des Deutschen National-Comites zur Bekämpfung des Mädchenhandels am 28. Oct. 1003. Dr. Maretzki. , Vor Jahresfrist hatte ich die Ehre, im Auftrage des jüdischen Zweigcomites über unsere Arbeiten zu berichten und besonders die Richtung anzugeben, in welcher sich unsere Thätigkeit zu bewegen hatte. — Vorerst möchte ich von einzelnen Ereignissen sprechen. Wir sind bei der Beförderung von schutzlosen Mädchen nach London in wirksamer Weise behülflieh gewesen. Ein Mädchen, das nach Afrika verkauft werden sollte und von der Londoner association uns zugeschickt wurde, haben wir in Hamburg beherbergt und mit Kost und Geld versehen nach Eydtkuhnen befördert. Ferner lassen wir 3 Mädchenhändler in Galizien scharf beobachten. — Wenn ich nun mit einigen Worten recapituliren darf, so haben wir seit Beginn der Thätigkeit unser Augenmerk darauf gerichtet, die Ursachen des Mädchenhandels tn Galizien, dem Hauptherde der Ausfuhr, zu erforschen, haben dje unendlich traurige wirt lischaftliehe Lage und den tiefen culturellen Rückstand der dortigen Bevölkerung als Ursache erkannt. Das trostlose materielle und geistige Elend, unter dem die galizischen Juden leben, nimmt von Jahr zu Jahr an Umfang und Intensität zu; das haben Alle, die Informationsreisen dorthin unternommen haben, in ihren Berichten besonders hervorgehoben. Demgemäss erachteten wir als maassgebend für uns, den Händlern die Quellen des Handels abzugraben, den Boden in socialer Hinsicht zu saniren. Auf diesem Wege haben wir die Arbeit fortgesetzt und zwar ausschliesslich in Galizien, weil die politischen Verhältnisse die Bildung freier Vereinigungen gestatten. In Russland und Rumänien zu wirken, mussten wir uns versagen, weil die dortigen Verhältnisse ein Eingreifen unsererseits absolut ausschliessen. Und doch haben wir die Freude. Ihnen mittheilen zu können, dass sich in Warschau ein jüdisches Gönnte gebildet hat, dessen Satzungen der Behörde eingereicht sind. — Im Ganzen und Grossen ist unsere Thätigkeit eine vorbereitende, aufklärende gewesen Es ist verständlich, dass eine so geartete Bevölkerung nur allmählich aufgerüttelt werden kann. Unsere Organisation ist erweitert worden; es hat sich ein Comite in Breslau gebildet, und was noch wichtiger ist, eins in Lemberg. Zugleich ist die Organisation eine festere geworden, gewürdigt und unterstützt nicht nur von den deutschen Logen Bne Briss, sondern

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