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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-12-01 · Nr. 10 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 10 - Dezember
Date
1903-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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auch von der gesammten deutschen Judenheit in allen Schichten. Unsere Verbindung hat an Festigkeit auch noch üadurch gewonnen, dass der Hülfsvereiu der deutschen Juden unsere Thätigkeit kräftig unterstfitzt. So mit materiellen und ideellen Mitteln ausgerüstet, haben wir die Aufklärung* arbeit in Galizien unternommen und mit gutem Erfolge weitergeführt. Zunächst ist im Auftrage beider Vereine Herr Dr. Rosenack aus Bremen nach Galizien gereist. Er hatte die Aufgabe, sich an die galizischen Rabbiner zu wenden sie über den Umfang des Mädchenhandels aufzuklären. Diese fast weltfremden Menschen hatten von diesen Zuständen keine rechte Kenntniss, versprachen in jeder möglichen Weise durch i^fchrift und Predigt auf die Gefahren aufmerksam zu machen •lad eine seelsorgerische Ueberwachuug auszuüben. Sodann ■j^m Frl. Pappenheim aus Frankfurt a. M., eine Dame von Äharfer Beobachtungsgabe, socialwissenschaftlicher Durchbildung, in Begleitung von Frl. Dr. Rabinowitsch, einer nationalökonomischen hochstehenden Dame nach Galizien ge reist, hat die wirthschaftlicheintad kulturellen Schäden ohne jede Voreingenommenheit untersucht und in ihrem Bericht die sociale Lage und Vorschläge zur Besserung niedergelegt. Vor allem hat sie die Frauen aus deu besser situirten Ständen für den Kampf gegen den MäJenhandel interessirt und zur Werkthätigen Arbeit herangezogen. Beide Berichterstatter heben die Bereitwilligkeit und grosses Entgegenkommen der jüdischen Bevölkerung für die Hebung und Sanirung dtv Verhältnisse und fdr die Aufklärung der Schichten, aus denen der Mädchenhandel sich rekrutirt hat, hervor, so dass begründete Hoffnung besteht, dass bald ein Wandel zum Besseren eintreten wird. Alle diese Bestrebungen haben ihre Zusammenfassung, Organisation und systematische Bearbeitung in der Lemberger Couferenz gefunden, welche am 15. und 16. September abgehalten wurde. Es haben daran theilge nommen Delegirte des Jewish Protection sociely for women and girls (London), Hülfsvereins für die nothleidende Bevölkerung (Wien), österreichischen Humanitätsvereins Bne Briss, des Deutschen Rabbinerverbandes, des Hülfsvereins für deutsche Juden, der deutschen Bne Briss-Logen, unseres Zweigcomites, der Jewish colonisation association, der alliance israelite, der österreichischen Union und eine grosse Anzahl galizischer Rabbiner, Vorsteher der Lemberger, Krakauer und anderer Coltnsgemeinden. Aus der Betheiligung der genannten Institutionen mögen sie ersehen, wie allgemein und gross das Interesse ist, mit wie tiefgehendem Ernste die Sache von uns aufgefasst und behandelt wird.— Wenn Sie erwägen, dass bis vor zwei Jahren der grössteTheil der dortigen jüdischen Bevölkerung vom Handwerker bis zum Geistlichen ohne Kenntniss und darum t heil nahm los diesen Dingen gegenübergestanden hat, so werden Sie mit mir von dem günstigen Umschwung befriedigt sein, und die Bedeutung desselben zu würdigen wissen. Jn diesem Sinne sind auch die Beschlüsse gefasst worden. 1. Die Versammlung beschliesst, über den Handel mit weissen Sklavinnen galizischer Herkunft, hinsichtlich der Art seiner Ausübung und seiner Ursachen, Aufklärung zu schallen. Sie will ferner auf dauernde Bekämpfung des schmachvollen Getriebes und auf Hinwegräumung der Ursachen in unermüdlicher Arbeit hinwirken. 2. Der Kampf gegen den Mädchenhandel muss sich gegen alle Formen desselben richten, unterschiedlos, ob er international, national oder lokal betrieben wird, desgleichen gegen Familien-Prostitution, Vermittlung, Zuschleppung und Kuppelei, sowie überhaupt gegen jede Art von Verbrechen die nach Herleituug und Ausübung mit weiblichem Sklaventhum in Verbindung stehen. Gleichzeitig soll 'dieser Kampf sich auf ein auf breitester Grundlage aufgebautes Rettungswerk stützen, das sich planmässig eine- Fülle wirtschaftlicher, moralischer, eiziehlicher, ästhetischer und gesellschaftliche! Mittel zu bedienen vermag. Die Ausführung der Beschlösse ist^dem Lemberger Verein zur; Bekämpfung des Mädchenhandels übertragen worden, dem eine Frauensektion angegliedert werden soll, der noch insbesondere humanitäre und sanitäre Aufgaben zugewiesen werden.- - ' •' ■ * .'■ >jH'-' Es sollen ferner Agenten angestellt werden, um an allen Orten zuverlässige Personen zu gewinnen, die geeignet sind, dem Mädchenhandel entgegen zu wirken.. Die Aufklärungs¬ und Belehrungsarbeit wird ebenfalls organisiert durch Gründung einer Zeitung in der dortigen Mundart, in welcher periodisch auf die Gefahren, die den Mädchen drohen, aufmerksam gemacht und vor den Mädchenhändlern gewarnt wird. Die Rabbiner haben ihre Mithilfe zugesagtsie sind dringend ersucht worden, die Bevölkerung darauf hinzuweisen, die Mädchenhändler, sowie auch verdächtige Personen der Polizei anzuzeigen. Bei der grossen Neigung der armen galizischen Juden zur Auswanderung" soll diesem Gegenstande besondere Aufmerksamkeit gewidmet sein. Zu diesem Zwecke müssen Ii« über die traurige Lage ihrer für das Ausland angeeigneten in Amerika und,England befindlichen .Landsleute aufgeklärt werden. Diese Aufklärung hat zu erfolgen von der Kanzel und durch private Belehrung durch Rabbiher, durch die Gemeindevorsteher, durch Leiter von WühlthätigkeitaäÄtfarten- und durch Zeitungen. Besonders sind diese dahin zu informieren, dass diese mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln sowohl für die Auswanderung ungeeigneter Männer, namentlich die Frauen und- Mädchen vor der Auswanderung zurückzuhalten, welche nicht mit genügenden Geldmitteln versehen und genaue Adressen ihrer Angehörigen besitzen, mit der Sicherheit von ihnen in Empfang genommen zu werden.' Ferner sollen Auswanderangsbureaux errichtet werden, ifc welchen unentgeltliche sächliche Auskunft über Auswanderung nebst Hinweis auf alle möglichen Gefahren ertheilt wird. Auch ist vorgesehen, dass den Auswanderern Unterricht in fremden Sprachen und anderen einschlägigen Kenntnissen unentgeltlich ertheilt Wird. Inzwischen ist eine Warnung in drei Sprachen mit zahlreichen Adressen, wohin sich dit Mädchen in der Nothlage wenden können,, in grossen Menge: in Galizien veitheilt worden. — Gleichzeitig ist die im vorjährigen Bericht angekündigte Aussendung von Helferinna nach Galizien weiter gefördert: worden. Es sind bereit Damen in Haushaltung, Samariterdienst, Krankgapfl^flJ^päcT gogischen Kenntnissen ausgebildet und 3«rden nächstens v< wandt werden. Diesen Damen, deren Zahl wir bald zU ver» mehren hoffen, wird die Aufgabe zufallen, das Lemberger Comite in jeder 'Beziehung zu unterstützen, zur geistigen^ sittlichen, körperlichen Hebung der Mädchen, für Einrichtung von Asylen, Kinderhorten, Kindergärten, Dienstbotjmheimen und Schulen, Pflegerinnenschulen, Stellenvermittlung'u sorgen und deren Leitung zu übernehmen. Auch den, jüdischen Schulen, die manche Schäden aufweisen, in hygienischer und erziehlicher Beziehung viel zu wünschen übrig lassen, wird man eingehende Aufmerksamkeit zuwenden, von der An-

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