Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 10 - Dezember
- Date
- 1903-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Lösung der grossen Aufgaben, die das Leben stellt auf den verschiedensten Gebieten. Ein neuer Idealismus ist in ihm erwacht, er gebietet ihm geradezu, sich über die Alltäglichkeit zu erheben und seine Kraft nicht für seine egoistischen Zwecke allein zu verwerthen, sondern einen Theil derselben der Menschheit, dem Vaterlande, der Kunst und Wissenschaft zu widmen. y Ist ein edeldenkender Israelit auf seinem Lebenswege bei diesem Punkte angelangt, so sollen wir ihn, nach un seren Satzungen, einladen, sich an unserem Werke zu betheiligen. Die Aufgaben, welche der edeldenkende Mensch neben seiner Berufsthätigkeit erfüllen kann, sind so verschieden, dass in dieser Hinsicht wohl Jeder nach seiner Facon selig werden kann. Wer seine Befähigung in den Dienst des Vaterlandes stellen will, derart, dass er sich rege an den politischen Vorkomnissen der Gegenwart betheiligt, durch Wort und That mitarbeitet an der Ausgestaltung und Besserung der Gesetzgebung, im Sinne der grossen Männer, welche in 4er Milte des vorigen Jahrhunderts für Freiheit und Menschenrechte kämpften; wer, sage ich, eine Neigung nach dieser Richtung hin sich zu bethätigen verspürt, der mag hinausziehen in den für uns Juden heute leider so wenig erfreulichen Kampf! Enttäuschung auf Enttäuschung wartet^ sein, er wird mit Hohn überschüttet auch von solchen Seiten, die er sich gleichgesinnt wähnte, und ohne praktische Folgen zu verspüren, muss er sich für sein heisses, ehrliches Bemühen mit dem Bewusstsein b|gnügen, das Gute gewollt zu haben! Wer aber in der Veredlung des Menschengeschlechtes das Mittel sieht, die socialen Zustände zu verbessern, wer durchdrungen ist von der Ueberzeugung, dass höhere Bildung veredeitere Lebensarten und Lebensgewohnheilen zu zeitigen im Stande ist, dem bietet sich ein,-weites Feld für eine Thätigkeit, die die Erreichung dieser hohen Ziele im Auge hat. Veredlung des Menschengeschlechtes! Ein wie hohes Ziel! Und wie verschieden die Wege, die dazu führen, die Mittel, di^ dabei in Anwendung kommen! Wenn man die Geschichte des Menschengeschlechtes, von dessen Ursprung bis in die neueste Zeit verfolgt, so trifft man in allen Epochen das Bestreben an, die-Menschen zu veredeln Nur sind in jedem Zeitabschnitt die Bestrebungen anders. Man hat, um ein Beispiel anzuführen, in dem kulturell hoch entwickelten Europa heute nicht mehr nöthig, dafür einzutreten, dass in einem Kriege nicht vergiftete Geschosse angewendet werden, denn das ist ein längst überwundener Standpunkt, den unsere Zeit bereits als selbstverständlich betrachtet. Unser Geschlecht baut weiter auf dem Grunde, den frühere Kulturepochen bereits errichtet haben und so wird, um bei dem obigen Bilde zd bleiben, das Bestreben * ' *. i zur Veredlung der Kriegssitten in der heutigen Zeit dahin abzielen, den Verwundeten z. B. alle Errungenschaften auf medizinischem und hygienischem Gebiete zu Gute kommen zu lassen, wenn das hehre Ziel, die Kriege überhaupt abzuschaffen, in unseren Tagen noch nicht erreicht werden kann. Wenn wir also Umschau halten nach dem was uns heute zur Veredlung des Menschengeschlechtes zu erstreben geeignet erscheint, so breitet sich vor uns ein grossfcs Wunschbouquet aus, und es würde die Kraft eines Menschen nicht ausreichen, jede Blume und jedes Blättchen dieses Strausses zum Gegenstand seiner besonderen Fürsorge zu machen. Es würde aber auch zu weit führen, wollte . i c h es hier versuchen, diese Bestandteile in ihren Einzelheiten zu zerlegen; ich muss mich damit begnügen, die kostbarsten Rlütfren herauszulesen und auszubreiten. „An's Vaterland, an's theure schliess'. dich an '! ruft uns der Dichter zu.. Ja wir sollen es. als eine heilige Auf-"" gäbe betrachten, dem Vaterlande?u dienen mit unserer ganzen Kraft, wir sollen für seihe Ethaltung, seinen Glanz eintreten! Birgt es., doch in sich, was uns lieb und theuer ist: die Gräber unserer Vorfahren, die Scholle, auf der wir geboren sind, unser Elternhaus, die Erinnerungen an unsere Jugendzeit; in ihm erklingen die theuren Laute unserer Muttersprache und in dieser wiederum die Worte unserer Dichter, die wir in unser Herz geschlossen und uns zu eigen gemacht haben. Derjenige, welcher sein Leben in den immerhh engen Grenzen des Vaterlandes verbringt, wird die Einrichtungen, Sitten und Gebräuche seines Landes als etwas Selbstverständliches betrachten; wer aber, durch irgend welche Umstände, in .fremden Ländern, weitab von der Heimat auch nur vorübergehend zu weilen genöthigt ist; der wird sich mitten im Getriebe der Grossstadt oft vereinsamt lühlen und wenn er gewohnt ist, zu Hause mit allen möglichen öffentlichen Dingen unzufrieden zu sein und dieser Unzufriedenheit Ausdruck zu verleihen; in der Ferne wird er nur mit Liebe des Vaterlandes und seiner Einrichtungen gedenken, vom Heimweh erfasst, schüttelt er den Staub der Fremde von seinen Füssen und gehobenen Herzens betritt er den heimathlichen Boden wieder. So ist es mir oft ergangen; und zu dem . empörendsten Unrecht, welches die antisemitische Bewegung .begangen, habe ich immer das gerechnet, dass den deutschen Juden die Berechtigung abgesprochen wird, sich Deutsche zu nennen. Den Juden, die für ihr Vaterland gelitten und geblutet, die im Kampf für, die heiligsten Güter des Vaterlandes ihr Leben gelassen haben. Mögen wir uns aber dadurch nicht abhalten lassen, den Patriotismus zu pflegen und' auf unsere Nachkommen zu vererben! * »-v Trotz aller Einrichtungen auf sociaLem Gebiete — und unsere Zeit ist reich an Verbesserungen dieser Art — wird es nicht möglich sein, dem Elend, das in jeder Gestalt an uns herantritt, mit vollen Händen entgegenzutreten; was der Staat, oder besser gesagt seine steuerzahlenden Bürger, nach der Gesetzgebung der neuesten Zeit zu leisten verpflichtet sind, wird kaum ausreichen, der alleräussersten. Noth zu steuern. So öffnet sich hier dem edeldenkenden Menschenfreund ein weite« Gebiet für seine Thätigkeit. Hier gif Wohlthätigkeit zu üben, hier gilt es, unverschul zu trocknen, Gefallene zu erhebenr^ankende 7. Gebeugte wieder aufzurichten un& zu ^ieuer Schaue! zu führen. Hier bietet 3 sich Gelegenheit, Wittwen ufH m Waisen zu trösten, zu beschützen und ihnen beiz4rsteh%^^^^ Kranken und Siechen nach Möglichkeit"' zu helfen, durch sein Beispiel Zögernde zu gleichem edlen Thun zu veranlassen urid so durch gute Vorbilder erziehend auf die Massen einzuwirken. .'• ' .w Für uns Juden kommt aber leider ein weiteres Aibeitsv gebiet hinzu, nämlich: 4en Opfern der Verfolgung z t Hilfe zu kommen. Mit Schaudern muss man daran denken, das«