Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1903
- Issue
- Nr. 10 - Dezember
- Date
- 1903-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Werth der Logeneinrichtnngen. Auf das Mitglied berechnet betrug das Logenvermögen im Jahre 1885 22 Mk., im Jahre 1902 164 Mk. Die Aasgaben der Logen setzen sich im wesentlichen zusammen ans: * a) Steuer zur Grossloge und dem Centrai-Fonds. b) Unterstützungen. 6) Regiekosten. Die Ausgaben ad a können wir .nnbesprochen lassen, da sie als Kopfsteuer alle Logen gleichmässig belasten. Die Ausgaben ad b, die so recht eigentlich den Logen den Stempel aufdrücken, sind Latürlich von Jahr . zu'Jahi gestiegen; nicht nur absolut, das wäre ja bei der stattge faabten Mitgliederzunahme selbstverständlich, sondern! auch relativ. Um dieses deutlich zu veranschaulichen habe ich ausgerechnet, wieviel Procent der Einnahmen jeweils lür Unterstützungen verausgabt worden sind. Wir fiaden, dass die Unterstützungen im Jahre 1885 4% der Einnahmen betragen, im Jahre 1902 22%- während das Maximum im Jahre 1897 mit 30° 0 erreicht wurde. Im Berichtsjahre haben Logen weniger als 5* 0 ihrer Einnahmen für Unterstützungen ausgegeben: Silesia-Loge 0,Ü%, Westfalia-Loge 1,8%, Eintracht-Loge 2%, Humboldt-Loge 3° 0 und Hoheuzollern-Loge 4%- 0 Logen vei wandten für Unterstützungen 5-10% ihrer Einnahmen, 15 Logen 10-20%, 15 Logen 20-30% Logen 30-50%. 3 mehr als 50%: Fraternitas-Loge 58% 4 Logen 30 - 50%. 3 mehr als 50% Hemy Jones-Loge 64% Mamreh-Loge 65%. Ich habe dann noch festgestellt, wieviel Mark pro Jahr und Mitglied für Unterstützungen ausgegeben worden sind. Im Jahre 1885 waren es 3 Mk., 1902 19 Mk., wobei das 124 — \ : von imponierender Grösse erstehen gesehen und dürfen uns der Hoffnung hingeben, dass der Bau die Jahrhunderte überdauern wird. , Wie gestalten sich die Aussichten auf Erhöhung des Mitgliederbestandes? In Deutschland wohnen 560000 Juden. Da diese Zahl in den letzten Jahren ziemlich constant geblieben ist, werden wir in absehbarer Zeit mit höchstens 600000 Seelen zu rechnen haben. Wie hoch beläuft sich die für uns allein, in Betracht kommende Zahl von erwachsenen Männern? Eine genaue Angabe ist meines Wissens nicht vorhanden, wir werden uns also mit Schätzungen behelfen müssen. In den. Reichstagswahlkreiseu rechnet man durchschnittlich ca. 20% Wahlberechtigte. Nuu ist mir ja bekannt, dass sich die beiden Zahlen nicht decken, da wir einerseits nach unseren Statuten Leute aufnehmen, die noch nicht 25 Jahre alt, also noch nicht wahlberechtigt sind, andererseits Greise und Kranke, die wahlberechtigt siuL nicht aufnehmen. Ich glaube aber, man begeht keinen grossen Fehler, wenn man beide Momente coinpensiert, also die Zahl der mündigen männlichen Juden auf 20% der jüdischen Gesammtbevölkerung Deutschlands veranschlagt. Von denen mag wohl ein Zehntel tür unsere Logen qualifiziert sein, z. B. 10 - 12000 Männer. _ Wir werden demnach sagen können, wir haben erst die Hälfte des höchstmöglichen Mitgliederbestandes erreicht, also noch viel brauchbares Mateiial an uns heranzuziehen; andrerseits müssen wir aber auch sagen, wir haben schon die Hälfte für uns gewonnen, woraus wir dann ersehen, dass auch unsere Bäume nicht in den Himmel wachsen. Maximum mit 23 Mk. im Jahre 1S97 und 1901 erreicht worden ist. Im "Jahre 1902 gaben 6 Logen weniger als 5 Mk. pro Mitglied aus: Silesia-Loge 0.40 Mk., Westtalia-Loge 0,sO Mk. HohenzoHern-Loge und Eintracht-Loge je 2 Mk , Frieden.« Loge und Victoria-Loge je 4 Mk. 13 Logen verwandten 5 — 10 Mk. pro Jahr und Mitglied auf Unterstützungen, 19 Xogen 10—20 Mk., 9 Logen 20—40 Mk. und 4 Logen itehr T5s 40 Mk., nämlich Sinai-Loge 41 Mk. Mamreh-Loge 48 Mk , Frateinitas-Loge 99 Mk., Henry Jones-Loge 110 Mk. Au Regiekosten, also den Kosten zur Unterhaltung des Logenhaushaltes, wurden im Jahre 1885 34% der Einnahmen verwandt, wobei das Minimum mit 24°,, beim Jahre 1890 liegt. Im Jahre 1902 haben nur 5 Logen weniger als 20° ihrer Einnahmen für Regie verausgabt: Stuttgart Loge 10%- Heary Jones-Loge 12%. Humboldt-Loge 16%. Burussia-Loge ^17%- Nassau-Loge 1!>"/,,. 5 Logen verbrauchten 20—25% /o Ihrer »Einnahmen für Regie, 8 -40%, 6 Logen 40-50%, Eger-Loge Logen 25 8 Logen 03" -:iO 60- 16 Logen t»0% und 3 Breisgau-Loge 66% liese Angaben keinen absoluten Vergleiclisit besitzen und wegen der ungleichmässigen Buchung in den Logen nicht besitzen können, so kann nan doch immer hin den Schluss daraus ziehen, dass die Logen auf die unr.ioductiven Ausgaben der Regie einen zu grossen Teil der Einnahmen verwenden, und dass eine Reihe von Logen bestrebt seiu muss, ihre Fonds für Unterstützungen wesentlich zu erhöhen. Im grossen ist jedoch das Bild ein erfreuliches. Wir haben unseren District aus kleinen Anfängen zu einem Bau Welche Motive sollen zum Eintritt in die Loge veranlassen. * Von Louis Wertheim, Berthold Auerbach-Loge. Wer über seinen und seiner Nebenmenschen Lebensgang nachdenkt, und sich zurückversetzt in die Tage der Jugend, der wird die Beobachtung machen können, dass von der Mitte der zwanziger Lebensjahre etwa an, eine Veränderung in den Anschauungen sich vollzieht: Die Ideale, die dem Jüngling vorgeschwebt, werden von der rauhen Wirklichkeit verdrängt, das reale Leben nimmt ihn ganz in seinen Bann, er hat einen erwählten oder einen ihm aufgezwungenen Beruf ergriffen odei? ergreifen müssen, er hat dessen Pflichten zu erfüllen, sich ihm ganz hinzugeben. Wohl demjenigen, der in der Erfüllung seiner Berufsaufgaben einen Ersati'. findet für die verschwundenen Jugendträume! Wohl demjenigen, den das Schicksal auf den rechten Platz gestellt hat, auf welchem er eine seiner Befähigung entsprechende Thätigkeit ausüben kann! Aber wie Wenigen", ich möchte sagen Auserlesenen [ist das vergönnt! Wie müssen die meisten Menschen sich abmühen, wetten und wagen", wie Schiller sagt, um sich durchzuringen und darchzubringen im helssen Kampf um's Dasein. Aus dem Jüngling ist so der Mann geworden. Er h a t sich siegreich durchgerungen: er hat seine Lebensstellung befestigt und kann mit mehr Beruhigung in die Zukunft schauen; er hat sein Lebensziel, soweit es seinen Beruf betrifft, vor Augen, und nunmehr, gewissermassen vom gesicherten Hafen aus, beginnt er sich mit einer neuen Weltanschauung zu befreunden. Seine Berufstätigkeit allein genügt ihm nicht mehr, er will sich mitbethätlgen an der