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Bericht der Großloge für Deutschland · 1903-12-01 · Nr. 10 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1903
Issue
Nr. 10 - Dezember
Date
1903-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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andersetzungen mit der Oeffentlichkeit sind unsere Sache nicht. Gegenüber allem Lärmen und allem Streiten wollen wir uns auf uns selbst' besinnen und zuiückziehen, wollen wir denjenigen, die vielleicht entmuthigt an sich selbst irre werden könnten, Gelegenheit bieten, sich aufzurichten in neu erwachtem jüdischen Bewusstsein, in neu gestärktem Selbstbewusstsein eigenen Wertes und eigener Würde. Unsere Mission ist begrenzt vom .Judenthum. Jede Spielart philosophischer und ästhetischer Geschmacksrichtung, jede Schattierung religiöser Ueberzeugur.g findet Raum in unserm Orden, von der starren Orthodoxie bis zur Grenze freisinnigster Reform. ' Nur halten wir Wacht, dass diese äusserste Grenze nicht überschritten wird. Fahnenflüchtig darf keiner werden; der sich zu uns rechnet. Innerhalb dieser weitgezogenen Grenzen sind unsere Aufgaben wiederum mehr nachinnen gekehrt. Nach Vorschriften ttnd Gesetzen, die wir uns als unabhängige Männer freimüthig und freiwillig gegeben, bekennen wir uns zur Pflicht der Selbsterkenntniss und Selbsterziehung. Der Orden Bnei Briss ist das Gewissen des Judenthums. Wenn strenge Lauterkeit der Gesinnung, makelloser Charakter, lückenlose Ehrbarkeit in Handel und Wandel Vorbedingungen sind zum Eintritt in unseren Orden, so halten uns die Logen einen ewigen Spiegel vor, in dem wir unser Thun und Lassen beschauend controllieren. Die Ordenszugehörigkeit adelt, sie ist zugleich ein ethischer Maassstab mehr im öffentlichen Leben der Judenheit. Der heisse Kampf ums Dasein, der aufreibende Streit der* Interessen, die Jagd nach Glück und Wohlleben droht uns nicht nur oft von übernommenen Idealen abzudrängen, sondern verroht und vergiftet leicht unsere feinsten und besten Instinkte. Das ist ja eben der klaffende Riss, der du^ch unsere ganze Zeit geht: auf der einen Seite der angespannteste wilde Interessenkampf mit seinem Hasten und Rennen> und Vorwärtstreiben und auf der anderen Seite doch auch wieder das Streben nach Verinnerlichung, nach Erhöhung unserer Lebensstellung, nach Individualisijung und Verfeinerung. Hier bietet unser Orden in seinen Logen die natürliche Gelegenheit zum Ausgleich all der Gegensatze, die das Leben brodelnd aufwirft, zur Erholung von der zehrenden Abspannung, die berufliche und öffentliche Thätigkeit uns aufzwingt. Hier ruhen die Kämpfe, die jedem Einzelnen in seiner Sphäre mit einer Welt von widerstrebenden Mächten und wohl auch mit sich selbst zu führen nicht erspart bleiben. Gekrönt mit dem Lorbeer opferger Hilfsbereitschaff, in edeler Ueberwindung allen "jJcel^..und aller Selbsttiberhebung, reicht hier der jden Brüdern die Hand und bildet mk ihnen eine ogene Kette edler Genossen des Ofdens Bnei Briss. Auf diesen Dienst des Guten und wahrhaft Edlen sind w^- eingeschwore-n, zu niesem Dienste schulen wir die Br :der, ihm strebe^ wir nach mit allen unseren .Kräften. Damit diese uns?r$ Ziele sich nicht uferlos verlieren, hat der Orden Bnei Briss drei Grundsätze aufgestellt, um die sich unsere Bemühungen krystallisieren, drei Prinzipien, die uns zur Direktive dienen, und die unsere Marschroute abstecken. Sie heissen Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht. Die Wohlthätigkeit ist der warmherzige Ausdruck aller freundschaftlichen Bemühungen für andere. Wohlthun in unserem Sinne heisst nicht Almosen spenden oder gar öffentlich mit ihnen prunken. Niemals darf der Empfangende zum bitteren Bewusstsein seiner Bedürftigkeit entwürdigt werden. Wohlthaten sollen nicht erniedrigen, sondern erheben. Sie sollen nicht das Gebot äusserer Pflichten sein, sondern aus der' eigensten Seele quellen. Wir sollen uns in das Gemüt der Bedüifiigen versenken, wir sollen uns ganz in ihre Lage hineindenken und aus dieser heraus von dem Verlangen erfüllt sein, das Weh der Kummervollen zu lindern, die Wunden der Betrübten zu heilen, den Waisen ein Vater, dein Schwachen Stab und Stütze zu siein, die Gebeugten aufzurichten und sie mit neuem Muthe zu erfüllen. Die B r uderliebe lehrt uns auf diesem Wege weiter vorzuschreiten, das Gute zu thun um seiner selbst willen, auch nicht allein einem,Gotte zu Liebe, vor dessen Erhaben, heit wir uns demüthig beugen, nicht um Lohn im Tausche dafür einzuhandeln, sondern weil wir nach der Erkenntniss ringen, dass alles Gute Selbstzweck ist, in sich selbst, als der höchste Ausdruck göttlichen Erkennens. Was alle Religionen gelehrt und bis nun doch^nicht zu verwirklichen vermochten, die Verbrüderung der Menschen, das üben wir Schritt für Schritt in unseren enger gezogenen Kreisen, Stationen sind wir und Stützpunkte auf dem Wege zum messianischen Ideale einer allgemeinen Menschenverbrtiderung. Eintracht und Friede sind dann die natürlichen Folgen von Wohlthätigkeit und Bruderliebe. Alles was sonst scheidet, trennt und löst, soll zurückstehen in der Schule der Eintracht, die "wir lehren. Milde werde die Gesinnung, nachsichtig das Urteil, mit dem wir die Menschen messen; ihre Fehler verzeihen, ihre Mängel begreifen und erklären, ihre Tugenden und Vorzüge dagegen in rechtes Licht rücken und hervorheben, das heisst, weise die Menschen nach ihrem Guten schätzen und sie nachsichtig würdigen ohne Scheu vor Selbstkritik, und ohne die Selbstkritik einzudämmen. Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht, vereint sollen sie uns helfen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Söhnen Israels wachzuhalten, die Gleichgültigen unter den Glaubensgenossen aus ihrer Theilnahmslosigkeit aufzurütteln, um die Ideale unseres Glaubens und unseres Ordens zu pflegen und alle erhabenen menschlichen Tugenden zu üben, reinsten Sinnes und reinsten Herzens. Dazu sollen von nun ab auch Sie uns helfen mit Ihrer ganzen Seele. Unsere erste Krankenpflegerin. # ■ ■ Von Expr. Br. Flörsheim zu Dortmund. (Siehe den ersten Artikel in der October-iNummer.) Als die Märkische Loge sich über die Uebernahme der ersten B.-B. - Schwester mit .allen Lasten und Kosten schlüssig zu machen hatte, wurden sich die Brüder in gründlicher Beratung bald klar darüber, dass bei dem aasreichenden und trefflichen Pflegedienste der heimischen Ad stalten, trotz zeitweiliger Nachfrage, kein eigentliches Bedürfnis für die Einstellung jüdischer Schwestern vorliege; an

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